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Letzte Aktualisierung: 22.02.2019

Römerkastell Saalburg: das Jahr 2018 im Rückblick

von Ilse Romahn

(22.01.2019) Die Sonderausstellung „Rom lebt! … und wir mitten drin!“, ein Soldatenlager, die Culinaria an Pfingsten und der Thementag zu Pferd und Reiter in der Antike standen beispielhaft für ein buntes Jahresprogramm, das für alle Altersgruppen und Interessen ein abwechslungsreiches Angebot bereithielt. Den glanzvollen Höhepunkt des Jahres im Römerkastell Saalburg bildete aber die Eröffnung der neuen Dauerausstellung zum vergoldeten Pferdekopf aus Lahnau-Waldgirmes.

Thementag Pferd und Reiter
Foto: Römerkastell Saalburg
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Seit dem 19. August wird der Pferdekopf aus vergoldeter Bronze, der 2009 in Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis) gefunden wurde, der Öffentlichkeit gezeigt. Er steht im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung zum römischen Waldgirmes. Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein eröffnete am Sonntag, 19. August, den Familientag auf der Saalburg, bei dem Besucherinnen und Besucher erstmals selbst die Funde besichtigen konnten. Die Dauerausstellung wurde in enger Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern, den Ausgräbern der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts und den Museumspädagogen der Saalburg konzipiert. Die Saalburg bietet mit ihrer Expertise ein ideales Ausstellungsumfeld für den Pferdekopf und die weiteren Funde aus Waldgirmes. In der neuen Dauerausstellung sind die Funde der Grabungen in Waldgirmes im Original zu sehen. Moderne Medien ermöglichen den Besuchern ein neues Erleben, unter anderem kann mittels eines 3D-Animationsfilms die virtuelle Rekonstruktion der einstigen Siedlung nachvollzogen werden.

Dr. Gabriele Rasbach, die Leiterin der archäologischen Grabungen in Lahnau-Waldgirmes, präsentierte in einem spannenden Bildvortrag die Geschichte der Ausgrabung und ihre Entdeckungen. Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, die die vergoldete Bronze in mühevoller Arbeit restauriert hatten, stellten beispielhaft ihre Arbeit vor. Die I. Römercohorte Opladen backte Brot an den Lehmöfen, die Legio Prima Augusta Germanica aus Waldgirmes schlug ihr Feldlager auf und römische Handwerker zeigen Metallhandwerk. Zu der neuen Ausstellung ist auch ein neuer Museumsführer mit dem Titel „Rom in Germanien. Waldgirmes – Dauerausstellung im Römerkastell Saalburg“ erschienen.

Von April bis Oktober war die Sonderausstellung „Rom lebt!… Und wir mittendrin!“ zu sehen. Großformatige Ölgemälde überraschten die Besucher mit erstaunlichen 3D-Effekten. Szenen aus dem Alltag, intim oder spektakulär, reizten zum Eintauchen in die lebendige Welt der Römer. Die Besucher stellten sich zu den Bildern und vervollständigten die Szenerie. Schnell waren die Smartphones gezückt und Schnappschüsse gemacht. Auf den Fotos verwandelten sich die Besucher dann von bloßen Betrachtern in einen Teil der Ausstellung. Diese interaktive Zeitreise regte zum Mitmachen und Fotografieren an. Eine Auswahl der lustigsten Fotos und Selfies, die uns die Besucher zuschickten, wurden im Anschluss prämiert.

Doch nicht nur die neuen Ausstellungen zogen viele Besucher zur Saalburg. Mit mehr als 2.700 Führungen, Aktiv- und Ferienprogrammen, Thementagen und Abendevents vermittelte das Team der Saalburg den wieder ca. 115.000 Besuchern bewegende Eindrücke vom Leben der römischen Soldaten und der Zivilbevölkerung in einem Grenzkastell am Limes.

Zum Auftakt der Sommersaison schlugen die Soldaten der 4. Vindelikerkohorte und der 1. Römercohorte Opladen ihre beeindruckenden Marschlager auf und begeisterten die Besucher mit Militärvorführungen und fundiertem Hintergrundwissen. Sie wurden unterstützt von Veteranen der Cohors Secunda Raetorum, der Haustruppe der Saalburg, die Groß und Klein für das römische Militär rekrutierte.

Auch im vergangenen Jahr erfreuten sich Veranstaltungen, die auf angenehme Weise kulinarische Genüsse und spannende Informationen zur Kultur der Römer verbanden, besonderer Beliebtheit. Während des Thementags „Culinaria – Antike Esskultur“ am Pfingstwochenende erlebten die Besucher römische Gastlichkeit und was man dazu alles wissen muss. Die I. Römercohorte Opladen hatte ihr Versorgungszelt aufgebaut, überall im Kastell waren Feuerstellen in Betrieb, die Öfen rauchten und es brodelte und brutzelte in Töpfen und Pfannen. Die Besucher konnten erleben, wie man mit der römischen Reibschale Pasten zubereitete, im Lehmkuppelofen Brot oder über dem offenen Feuer das einfache Soldatenbrot backte. Aber auch der Klassiker unter den Culinaria, der „Römische Abend“, zog im letzten Jahr wieder viele Weinliebhaber, Feinschmecker und Wissensdurstige in das Museumscafé Taberna. Neugierige konnten dort auch am „Römischen Buffet“ zu verschiedenen Terminen römische Speisen probieren. Einen Blick auf den Teller der römischen Nachbarn warf der Vortrag „Von Getreidebrei und Honigwein – Speisen bei den Kelten“.

Der Unesco-Welterbetag, traditionell am ersten Sonntag im Juni, stellte die Frühzeit des Saalburgmuseums in den Mittelpunkt. Die Besucher konnten Herrschaften aus dieser Epoche und Repräsentanten aus Gesellschaft, Kultur und Militär begegnen. In Spielszenen mit authentischen Zeitzeugen wurde die damalige Auffassung vom römischen Erbe und der Kulturvermittlung dargestellt. Auch das Musaion, ein Ausstellungsbereich, der die Sammlung im Stil der Jahrhundertwende um 1900 präsentiert, wurde den Besuchern an diesem Tag zugänglich gemacht. Der Vortrag „Die Saalburg – Auf dem Weg zum Archäologischen Park“ widmete sich der Gründungszeit der Saalburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Um Pferd und Reiter in der Antike ging es am letzten Thementag des Jahres Ende August. Versierte Darsteller historischer Reitkunst sorgten mit spektakulären Vorführungen für eine spannende Gegenüberstellung der verschiedenen Reit- und Kampftechniken. Das Programm wurde mit einem Vortrag über „Equites infrenati – Die numidische Pferdeausbildung und Reitkunst“ abgerundet.

Den Abschluss der Saison bildete in mittlerweile guter Tradition der stimmungsvolle Familienabend „Martinus – Sankt Martin“, der wie in den vorherigen Jahren auch, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der historischen Figur des römischen Reitersoldaten, der zum christlichen Heiligen wurde, vertraut machte.