Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 19.10.2018

Werbung

Problemzone Wirbelgelenke

Typische Beschwerden und ihre Ursachen

Dieser Artikel wurde eingestellt von Ilse Romahn

(17.05.2018) Laut einer Studie der FPZ GmbH aus 2016, die sich mit Präventions- und Therapieprogrammen zur Rückengesundheit beschäftigt, leiden 12 Prozent der Deutschen täglich unter Rückenschmerzen. Ursächlich für weitreichende Beschwerden können neben den bekannten Problemen mit der Bandscheibe auch einzelne Wirbelkörper sein, die sich in ihrer Größe zwar unterscheiden, in Funktion und Aufbau jedoch ähneln.

Dr. Munther Sabarini, Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik in Berlin, erklärt: „Durch die dauerhafte Belastung und in Folge von Alterungsprozessen entstehen zahlreiche Erkrankungen der Wirbelgelenke im Nacken- und Rückenbereich, wie etwa Arthrose.“

Blockaden lösen leicht gemacht

„Bandscheiben, Muskeln und Bändern stabilisieren die Wirbel. Sobald eine Funktionseinschränkung besteht, können sich die Gelenke verschieben und einfache Bewegungen blockieren. Daraufhin verhärten sich umliegende Muskeln, Verspannungen entstehen und verstärken diesen Effekt“, beschreibt Dr. Sabarini den Verlauf der Beschwerden. Wenn Blockaden zusätzlich umliegende Nerven beeinträchtigen, können Schmerzen sogar in andere Körperregionen ausstrahlen. Meist nehmen Betroffene unbewusst eine Schonhaltung ein, die allerdings eine Verschlimmerung zur Folge hat. Eine solche Beeinträchtigung der Gelenke kann nach Unfällen mit einem Schleudertrauma oder nach ruckartigen Bewegungen auftreten. „Es gilt zunächst, umliegende Muskeln mit Wärme, Massagen, Physiotherapie und manueller Therapie zu lockern. Es empfiehlt sich zudem, die Rückenmuskulatur zu stärken, da sie zur Stabilisierung der Wirbelsäule beiträgt“, rät Dr. Sabarini.

Stabilität nach Wirbelgleiten zurückgewinnen

Sowohl genetische Voraussetzungen als auch natürliche Alterungsprozesse können Wirbelgleiten, auch Spondylolisthese genannt, hervorrufen. Bandscheiben verlieren im Laufe des Lebens aufgrund von Verschleißerscheinungen Flüssigkeit und Volumen, was die Abstände zwischen den einzelnen Wirbeln reduziert und sowohl Sehnen als auch Bänder lockert. Die verringerte Stabilität bewirkt ein Hinabgleiten der Wirbelkörper über den nächsttieferen Wirbel nach vorn oder hinten. Dieser Vorgang geht jedoch nicht immer mit Schmerzen einher. Dr. Sabarini erklärt: „In der Regel treten Belastungsschmerzen erst ab einer Verschiebung von 50 Prozent auf. Sobald ich Wirbelgleiten mithilfe eines MRT oder CT diagnostiziert habe, erfolgt die Behandlung zunächst durch konservative Verfahren. Erst wenn die Beschwerden weiterhin bestehen bleiben, rate ich zu einer Verblockungs- oder Versteifungsoperation, bei der Titanelemente zu einer dauerhaften Stabilisierung führen.“

Volkskrankheit Arthrose

Etwa 35 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Arthrose. Die Erkrankung tritt vermehrt an Lenden- und Halswirbelsäule auf, da dort eine besonders hohe Belastung besteht. Bei Arthrose verringert sich die Knorpelsubstanz und die Elastizität des Knorpels sinkt. „Minimalinvasive Eingriffe wie eine Thermodenervation der Facettengelenke, bei der zugeführte Hitze die Schmerzweiterleitung der Nerven unterbricht, lindern die Symptome, bekämpfen jedoch nicht die Ursache“, so Dr. Sabarini. Zur Nachsorge oder Reduzierung der bestehenden Schmerzen empfiehlt der Facharzt die gezielte Stärkung der Rückenmuskulatur.

Wenn der Knochen schwindet

Sie breitet sich meist unentdeckt aus und schreitet stetig voran: Osteoporose, auch Knochenschwund genannt, ist die am weitesten verbreitete Knochenkrankheit. Bei dieser Stoffwechselerkrankung baut der Körper die Knochensubstanz in größerem Maße ab, als dass er sie neu bildet. Die Folge: Knochen werden porös und werden destabilisiert. Wenn erste Symptome wie Rückenschmerzen oder ein plötzlicher Knochenbruch auftreten, hat sich die Krankheit oftmals bereits ausgebreitet und die Gefahr für weitere Wirbelkörperbrüche steigt. „Während bei stabilen Brüchen eine konservative Therapie meist ausreicht, erfordern instabile Brüche in vielen Fällen eine Operation, da sie das Rückenmark gefährden. Hierbei hat sich in der Vergangenheit das minimalinvasive Verfahren der Kyphoplastie bewährt, bei der ich den Wirbelknochen durch Druck von innen mithilfe eines Ballons aufrichte. Anschließend stabilisiere ich den entstandenen Hohlraum mit einem acrylbasierten Kunststoff, dem sogenannten Knochenzement“, erklärt Dr. Sabarini und ergänzt: „Der Wirbelknochen gelangt dadurch wieder in seine ursprüngliche Lage. Regelmäßige Bewegung und ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen, calciumreichen Ernährung beugen einer Osteoporose vor, da Vitamin D und Calcium wesentlich zur Knochenneubildung beitragen.“ www.avicenna-klinik.de.