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Letzte Aktualisierung: 06.04.2020

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Podiumsgespräch im Museum Angewandte Kunst: Handwerk und Design – Partnerschaft oder Paradox?

von Ilse Romahn

(16.11.2018) Sind Design und Handwerk unvereinbare Disziplinen, wie einige Kritiker und Kritikerinnen behaupten? In der Geschichte des Designs hat es immer wieder Ansätze gegeben, die Zusammenarbeit zwischen Handwerker und Handwerkerinnen und Gestalter und Gestalterinnen ins Zentrum der ästhetischen Praxis zu stellen – dafür standen in der Vergangenheit namhafte Institutionen wie das Bauhaus, die Deutschen Werkstätten Hellerau oder die Ulmer Hochschule für Gestaltung.

Heute, wo als Gegenbewegung zur Wegwerfgesellschaft der Wunsch nach Erzeugnissen aus regionalen und ressourcenschonenden Produktionsverfahren wächst, erlebt das Zusammenwirken von Handwerk und Design eine neue Blüte.

Das Museum Angewandte Kunst (Museumsufer/Schaumainkai) lädt am Donnerstag, 22. November, um 19 Uhr zu einem Podiumsgespräch in. Es soll diskutiert werden, wie es über den aktuellen Trend hinaus möglich ist, handwerkliche Dinge mit Designqualität zu schaffen, die den Zeitgeist und gesellschaftliche Entwicklungen aufgreifen. Bedarf es hierfür eines neuen Verständnisses von Handwerk und Design und wie ändern sich dadurch die Rollen von Designern und Designerinnen und Handwerkern und Handwerkerinnen? Und welche Form von Kulturvermittlung ist nötig, um die Entwicklung von handwerklichen Techniken und Fähigkeiten sowie regionale Fertigungsmethoden zu fördern? Darüber diskutieren die Philosophin und Ökonomin Christine Ax, die Kuratorin Amelie Klein, der Architekt und Tischler Martin Bereuter und der Gestalter Kai Linke und geben zahlreiche Praxisbeispiele aus ihren unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern.

Zum Auftakt wird Amelie Klein Einblicke in die von ihr co-kuratierte Ausstellung Victor Papanek: The Politics of Design und somit in das Schaffen von Victor Papanek geben, der seit den 1960er Jahren als einer der wichtigsten Vordenker eines sozial und ökologisch orientieren Designansatzes gilt. In seinem Schlüsselwerk „Design for the Real World“ (1971) plädiert Papanek für Inklusion, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Anschließend wird Christine Ax ihren Ansatz von „Handwerk als Chance für Nachhaltigkeit“ vorstellen. Martin Bereuter und Kai Linke berichten vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Tätigkeiten über die Verbindung von Handwerk und Gestaltung. Dabei wird Bereuter sowohl seine eigene Arbeit als auch den vom Werkraum Bregenzerwald ausgelobten Wettbewerb „Handwerk + Form“ vorstellen, während Linke Einblicke in sein Wirken als Designer und Lehrender an der Kunsthochschule Kassel gibt. Darüber hinaus wird Linke über seinen Aufenthalt in Kyoto/Japan berichten, wo er spezialisierte Handwerksbetriebe besucht und sich mit traditionellen Materialien und manuellen Fertigungstechniken auseinandergesetzt hat. Auf dieser Basis soll eine neue Arbeit entstehen, die bewusst auf digitale oder maschinelle Hilfsmittel verzichtet.

Anschließend ist das Publikum dazu eingeladen, gemeinsam mit dem Podium zu diskutieren: über die Ausgangsfragen des Abends, die gehörten Beiträge und darüber, welcher Haltung es im Design, im Handwerk und in der Gesellschaft bedarf, um der Überproduktion globaler Märkte und dem überbordenden Konsum entgegenzuwirken.

Es moderiert Nicole Hohmann. Der Eintritt zum Podiumsgespräch beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Podiumsreihe Blickwechsel – Zukunft gestalten. (ffm)