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Letzte Aktualisierung: 16.07.2018

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Pilotprojekt im Botanischen Garten für Blinde und Sehbehinderte

von: Ilse Romahn

(16.04.2018) Pilotprojekt im Botanischen Garten macht Pflanzenwelt für Blinde und Sehbehinderte „begreifbar“.

Vom Liebstöckel zur Pfefferminze, von Beschreibungen ganzer Beetgruppen zu einzelnen Pflanzen-Steckbriefen: Ein neuer Audioguide führt kurzweilig und informativ zu Pflanzen, Kräutern und Aromen im Senckenbergischen Arzneimittelgarten. Als App für Smartphone oder Tablet ist der Audioguide jederzeit abrufbar.

Die App ist Teil der neuen Barrierefreiheit im Botanischen Garten. Das Pilotprojekt soll die Pflanzenwelt in diesem Teil des Botanischen Gartens für Blinde und Sehbehinderte „begreifbar“ machen. Bereits seit 2017 leitet ein Bodenleitsystem sicher vom Eingang des Botanischen Gartens zum Arzneigarten und zur Toilettenanlage. Weitere Orientierung bieten nun barrierearme visuelle und barrierefreie taktile Infotafeln mit Pyramiden- und Brailleschrift.

Auf der Internetseite www.botanischergarten-frankfurt.de können sich Besucherinnen und Besucher zudem schon vor ihrem Besuch über den Garten informieren und sich zum jeweiligen App-Store weiterleiten lassen. Die App ist für die Betriebssysteme Android und iOS in den jeweiligen Stores unter dem Suchbegriff Botanischer Garten Frankfurt zu finden. Sie ist kostenlos jeweils in zwei Versionen, für Sehende und Blinde, verfügbar.

Spezielle Gestaltungen von Duft- und Aromagärten für Blinde und Sehbehinderte sind in Deutschland keine Seltenheit. Die Kombination aus Bodenleitsystem, App/Audioguide und taktilen Tafeln im Botanischen Garten ist jedoch einzigartig. „Ich freue mich, dass wir mit diesem Pilotprojekt auch Blinden und Sehbehinderten die Schönheit des Botanischen Gartens ein Stück näher bringen“, sagte Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig bei der Vorstellung des Projektes. „Es ist uns gelungen, Barrierefreiheit für alle Nutzerinnen und Nutzer umzusetzen, ohne in die Schönheit des Botanischen Gartens einzugreifen“. Gleichzeitig werde mit dem Audioguide auch das Angebot für Sehende erweitert.

Vier Jahre lang wurde an dem Pilotprojekt gearbeitet. Angestoßen wurde es 2014 durch eine Spende des International Women’s Club Frankfurt. Finanzielle Hilfe gab es auch durch den Freundeskreis Botanischer Garten und die Stiftung Palmengarten. Hauptsächlich finanziert jedoch wurde das Projekt aus Mitteln der Stabsstelle Inklusion, Dezernat für Soziales, Senioren, Jugend und Recht (150 von insgesamt 180 Tsd. Euro). Für Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld hat sich der Entschluss, das Projekt zu fördern, als richtig erwiesen: „Wenn ich das Ergebnis betrachte, fühle ich mich noch mal in der Entscheidung bestätigt. Das Geld ist hier im Sinne der Inklusion sehr gut angelegt“.

Wird das Pilotprojekt von den Besucherinnen und Besuchern gut angenommen, soll es Basis sein, auch weitere Teile des Botanischen Gartens und später auch des Palmengartens barrierefrei zu gestalten.