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Letzte Aktualisierung: 25.03.2019

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Oberbürgermeister Feldmann und Kulturdezernentin Hartwig ehren Max Weinberg posthum mit der Goetheplakette

von Ilse Romahn

(11.12.2018) Als der Maler und Künstler Max Weinberg am 18. April im Alter von 90 Jahren verstarb, hat die Stadt Frankfurt nicht nur eine ihrer schillerndsten Charaktere verloren, sondern auch einen wichtigen Repräsentanten ihrer einzigartigen Mischung aus kultureller Vielfalt und dem daraus resultierenden kreativen Schaffensdrang.

Posthume Auszeichnung von Max Weinberg mit der Goetheplakette: OB Peter Feldmann mit Jonatan Weinberg
Foto: Stadt Frankfurt / Maik Reuß
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„Wir alle werden Max Weinberg immer in Erinnerung behalten: seine Kunst und seine gerne von kleinen Selbstinszenierungen begleiteten Auftritte in der Öffentlichkeit. Noch in diesem April hatte ich Max Weinbergs Ausstellung ,Monumente und Meilensteine eines Künstlerlebens' in der Oberfinanzdirektion Frankfurt angeschaut und den Künstler, kurz vor seinem Tod, im Krankenhaus besucht“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der posthumen Verleihung der Goetheplakette am Montag, 10. Dezember, in Anwesenheit von Weinbergs Familie und dessen Sohn Jonatan.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres stand die Entscheidung der Stadt fest, Weinberg die von ihm ersehnte Ehrung zuteil werden zu lassen. Doch seine plötzliche und schwere Erkrankung verhinderte es, dass Weinberg, der noch in seinem Krankenbett mit Pinsel und Leinwand arbeitete, die Ehrung persönlich entgegennehmen konnte.

„Was Max Weinbergs Wirken für mich immer wieder deutlich gemacht hat: Kreativität ist ein Mittel, um Gewalt und Hass zu begegnen. Sein bewegtes Leben zeigt, welche Unbeugsamkeit ihn seit Jahrzehnten unermüdlich dazu antrieb, Kunst zu schaffen, Brücken zu bauen und Menschen zu faszinieren“, sagte der Oberbürgermeister. „Max Weinberg war - Max Weinberg. Er war mit sich selbst identisch. In ihm bündelten sich viele Identitäten: geborener Kasselaner, Hesse, Deutscher, Jude. Verfolgter des Naziregimes. Und doch verließ er 1959 Israel, kehrte nach Deutschland, nach Hessen zurück. Hier blieb er, wurde und war Frankfurter, lebte und arbeitete hier als freischaffender Künstler“, führte Feldmann aus.
 
  Weinbergs Biografie liest sich wie ein Roman über die Schrecken und politischen Verquickungen des 20. Jahrhunderts: Der am 19. Januar 1928 in Kassel geborene Künstler wuchs in einem deutsch-polnisch-jüdischen Elternhaus als eines von sieben Kindern auf. 1933 floh er mit seinen Eltern aus Nazi-Deutschland und emigrierte 1935 nach Israel. Sein Bruder Arno wurde in einer Gaskammer in Hadamar im Rahmen der „Aktion T4“ von den Nazis ermordet.

Bereits im Alter von 13 Jahren begann Weinberg, sich künstlerisch zu betätigen und verkaufte erste Bilder in Tel Aviv. Ein Studium an einer religiös orientierten Kunstschule gab er rasch auf und übte sich fortan autodidaktisch in einem selbst gezimmerten Atelier in der Malerei im Stile von Paul Cézanne und Raffael. 1948 wurde Weinberg während des Palästinakrieges in die Armee des neu gegründeten Staates Israel eingezogen.

Nach einem Studium an der staatlichen Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv zog er 1959 nach Frankfurt. Hier arbeitete er in einem städtisch geförderten Atelier in der Ostparkstraße, wo ihn jeder besuchen konnte. Vor allem während der städtischen Ateliertage oder den Künstlerfesten des Atelierhauses war er der uneingeschränkte Publikumsliebling.

„Max Weinberg war eine schillernde Gestalt der Frankfurter Kunstszene. Aufgrund seiner Biografie warf seine Kunst immer auch soziale und ethische Fragen auf. Seine Malerei wendet sich gegen Gewalt und Unterdrückung in der Gesellschaft. Viele seiner Bilder können als eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Shoah aufgefasst werden. Sein Oeuvre hat eine eigene Bildsprache, die unverwechselbar, kraftvoll, eigenwillig und auch ironisch bis sarkastisch erscheint. Es kann fast von einer ,Max-Weinberg-Ikonographie' gesprochen werden", sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Max Weinberg war trotz der Gräuel, die ihm während des Nationalsozialismus widerfuhren, auf einzigartige Weise mit Deutschland und der Stadt Frankfurt verbunden. „Menschen wie er sind das kreative und intellektuelle Fundament, aus dem sich die Toleranz und Offenheit dieser Stadt speisen. Ohne Max Weinberg wäre Frankfurt nicht nur bedeutend grauer, sondern auch deutlich kälter. Er wird immer in Frankfurt und in unseren Erinnerungen präsent bleiben“, würdigte Feldmann das künstlerische und kulturelle Vermächtnis Weinbergs.

Die Goetheplakette wird jährlich verliehen. Über ihre Vergabe entscheidet eine Jury aus Magistratsmitgliedern. Sie kann an Dichter, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten des kulturellen Lebens vergeben werden, die durch "ihr schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung" würdig sind. Preisträger sind unter anderem Schriftsteller Thomas Mann (1932), der Verleger Peter Suhrkamp (1956), der Philosoph Theodor W. Adorno (1963), der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki (1984), der Architekt Albert Speer (2003), der DJ Sven Väth (2015) sowie Rapper und Produzent Moses Pelham (2017). (ffm)