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Letzte Aktualisierung: 18.09.2019

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Neuer hr-Podcast „Verurteilt!“: Zwischen Recht und Rechtsempfinden

Heike Borufka und Basti Red über authentische Urteile und ihre Hintergründe

von Ilse Romahn

(22.05.2019) Wie funktioniert unser Rechtssystem? Warum ist es notwendig, dass im Gerichtssaal dem gefühlten Recht eindeutige Paragrafen gegenüberstehen? Die Gerichtsreporterin des Hessischen Rundfunks (hr), Heike Borufka, und der Frankfurter Podcaster Basti Red sprechen im neuen Podcast „Verurteilt!“ über echte Kriminalfälle, echte Urteile, das echte Leben und die deutsche Justiz.

Heike Borufka und Bastian Red
Foto: hr/Tim Wegner
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Ab Donnerstag, 23. Mai, gibt es alle zwei Wochen ein neues Gespräch. Der erste Fall: Ein Mann schlägt seine schwer krebskranke Frau mit der Bratpfanne nieder und sticht anschließend zwölfmal mit dem Küchenmesser zu. Vor Gericht muss entschieden werden: War es Mord oder Totschlag?

Heike Borufka ist langjährige Gerichtsreporterin des Hessischen Rundfunks. Basti Red ist vielen bereits als Podcaster bekannt – unter anderem Fußball-Fans von Eintracht Frankfurt. In zehn Folgen nehmen die beiden jeweils einen Gerichtsfall unter die Lupe und sprechen über das Urteil. Mit Information, Empathie und Einordnung. Dabei versuchen sie, wichtige Fragen zu beantworten: Wie kommen Anklagen zustande? Wie Strafbefehle und Urteile? Wie machen sich Richter und Staatsanwälte unabhängig von der öffentlichen Meinung? Im Gespräch zeigt sich, wie unser Rechtssystem funktioniert.

Der Podcast
Der hr-Podcast „Verurteilt!“ startet am 23. Mai 2019. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge, die zeitunabhängig gehört werden kann. Die erste Staffel umfasst 10 Folgen. Verfügbar über www.hr-inforadio.de, in der ARD-Audiothek unter www.ardaudiothek.de und auf vielen Podcast-Plattformen. Als Video ist der Podcast auf www.hessenschau.de, in der hr-Mediathek unter https://www.ardmediathek.de/hr/ und bei YouTube zu sehen.

Heike Borufka ist seit Ende der neunziger Jahre die Gerichtsreporterin im Hessischen Rundfunk. Seither hat sie über viele Prozesse berichtet, darunter über die Hauptverhandlung gegen den „Kannibalen von Rotenburg“, den Kindsmörder Magnus Gäfgen, den NSU-Prozess und den Mörder der achtjährigen Johanna Bohnacker aus der Wetterau. Über die Familie des getöteten Kindes hat sie 2012 ein langes Radio-Feature gemacht, das mit dem „Regino-Preis für herausragende Justizberichterstattung" ausgezeichnet wurde. 2014 ist ihr Buch „Tatort Frankfurt“ über kleine und große Prozesse erschienen. Als Beteiligte des Multimedia-Projekts über das sensible Thema Kindesmisshandlung ist auch sie 2018 mit dem deutschen Reporterpreis ausgezeichnet worden.

Basti Red ist Podcaster („drei90“, „Fussball2000“), wurde von „11Freunde“, dem Magazin für Fußballkultur, zum „Frankfurter Original“ gekürt und mit dem Podcastpreis 2019 ausgezeichnet. Im Dezember wird er mit seinen Podcast-Kollegen von „drei90“ in der Frankfurter Batschkapp auf der Bühne stehen.

Die ersten beiden Fälle 
1. Fall (Folge1)
Der Angeklagte war mehr als 30 Jahre glücklich verheiratet. An der Seite seiner Ehefrau haben sie deren erste Krebserkrankung gemeistert. Als sie wieder erkrankt, geht alles schief: Die Ärzte patzen, der Krebs ist aggressiv. Die Frau leidet und mit ihr der Ehemann. Er kann es nicht mehr ertragen, dass sie immerzu Schmerzen hat. An Heiligabend verliert er die Nerven, nimmt die Bratpfanne und schlägt sie seiner Frau von hinten auf den Kopf. Dann greift er nach dem Messer und sticht zu.

Der Podcast fragt: War das Mord? Wie geht das Gericht damit um? 
2. Fall (Folge 2)
Anfang 2019 beginnt vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess gegen einen Therapeuten, bei dem die Ermittler knapp 63 000 kinderpornografische Bilder und Videos gefunden haben. Er soll mit einem hilfsbedürftigen Pädophilen, der sich an ihn gewandt hatte, nach Asien gereist sein – zu einem Zweck: um Jungs zu missbrauchen. Die Anklage führt 115 Fälle auf. Doch dann bricht sie zusammen. Berufsverbot für immer? Fehlanzeige. Sicherungsverwahrung für einen, der nicht mehr erreichbar ist? Fehlanzeige.

Der Podcast fragt: Was ist da passiert? Warum ist die Justiz hier gescheitert?

Jede Folge behandelt einen neuen Fall, darunter auch den Fall Susanna. Im Mai vergangenen Jahres wurde die 14-Jährige von einem Flüchtling in Wiesbaden getötet, vermutlich auch vergewaltigt. Ein Fall, an dem sich die ganze Kritik an der Flüchtlingspolitik entzündet hat. Ein Fall, der in der politischen Debatte instrumentalisiert wird. Ein Fall, der ganz junge Menschen zu Protagonisten der Justiz macht: als Angeklagte, als Opfer, als Zeugen. Und ein Fall, der Berufsjuristen viel abverlangt, weil sie sich freimachen müssen von öffentlicher Meinung. Geht das?

hr