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Letzte Aktualisierung: 18.09.2019

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Neue Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim ist Anja Kampmann

von Ilse Romahn

(31.05.2019) Als 46. „Amtsinhaberin“ tritt Anja Kampmann die Nachfolge von Giemens Meyer an und wird für ein Jahr im Stadtschreiberhaus in Bergen wohnen und arbeiten können. Außer dem Wohnrecht erhält sie ein Preisgeld von 20.000 Euro.

Die Stadtschreiberin Anja Kampmann
Foto: Stadt Frankfurt / Juliane Henrich
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In der Begründung der Jury für die Wahl der neuen Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim heißt es: Anja Kampmann wurde 1983 in Hamburg geboren. 2016 erschien ihr Gedichtband „Proben von Stein und Licht", 2018 dann ihr Roman „Wie hoch die Wasser steigen", dem man anmerkt, dass sie als Lyrikern begonnen hat – es ist nicht einfach ein Roman, sondern auch ein großes Gedicht. Einerseits spielt es in einer gleißenden Gegenwart, andererseits in einer schwierig zu umreißenden, fernen Zeitlosigkeit.

Waclaw, die Hauptfigur, arbeitet auf Bohrinseln im offenen Meer, bei globalen Konzernen, welche die Bedingungen diktieren und die frühere Sklavenhaltergesellschaft nahtlos ins computergesteuerte und coole Selbstvermarktungs-Bussiness des 21. Jahrhunderts überführen. Nach dem Tod seines besten Freundes, den er bei dieser Arbeit kennengelernt hat, reist Waclaw zu verschiedenen Stationen, die alle etwas mit seinem Leben zu tun haben. Doch wie wenig greifbar dieses Leben geworden ist, stellt sich im Lauf der Zeit heraus: Wie bei allen literarischen Texten, die nach der Lektüre noch im Kopf bleiben, kommt es nicht so sehr auf eine nacherzählbare Handlung an, sondern auf die Atmosphäre und die Worte, in denen und mit denen sie spielt. Und das Besondere ist, dass sich Waclaw wie eine phantasmagorische Gestalt bewegt, die etwas aus der Literaturgeschichte mit zu transportieren scheint.

In Bergen-Enkheim wurde vor über 45 Jahren das symbolische Amt des Stadtschreibers erfunden, das Schule gemacht hat und von zahlreichen anderen Städten in Deutschland aufgegriffen wurde. Der Stadtschreiberpreis wird von einer Stadtschreiberjury vergeben, der sowohl Fachjuroren als auch Bürgerjuroren angehören.

Namhafte Amtsinhaber waren nach Wolfgang Koeppen unter anderem Peter Härtling, Jurek Becker, Günter Kunert, Ulla Hahn, Eva Demski, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Herta Müller, Arnold Stadler, Katharina Hacker, Friedrich Christian Delius, Thomas Lehr und Marcel Beyer.

Der Literaturpreis wird am Freitag, 30. August, um 19 Uhr, im Festzelt auf dem Berger Marktplatz verliehen. Giemens Meyer hält eine Abschiedsrede und übergibt symbolisch den Schlüssel für das Stadtschreiberhaus an seine Nachfolgerin, die sich mit einer Antrittsrede dem Publikum vorstellt.

Als Festredner für die Preisverleihung konnte Hanns Zischler gewonnen werden.

Veranstalter des Stadtschreiberfestes sind die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim und der Ortsbeirat Bergen-Enkheim.

Weitere Informationen zum Stadtschreiberpreis finden sich unter http://www.frankfurt.de mit dem Stichwort Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim, Stadtschreiber oder direkt unter http://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php/detail.php?id=24263958 (ffm)