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Letzte Aktualisierung: 18.10.2019

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Musikfest „Eroica“ erfolgreich beendet

von Ilse Romahn

(01.10.2019) Musik als Bekenntnis: Dieses Motto schwang mit bei zahlreichen Veranstaltungen des diesjährigen Musikfests der Alten Oper Frankfurt, denn Ludwig van Beethovens dritte Sinfonie, die „Eroica“, gab diesmal das Thema vor – als Werk, das davon zeugt, wie mittels Kunst Haltungen und Botschaften transportiert, Bekenntnisse abgelegt werden können.

Musikfest Eroic!
Foto: Alte Oper
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Das vielfältige Programm, das den Bogen von Beethovens „Eroica“ bis zu Musik unserer Tage zog und auch Begegnungen mit anderen Künsten und Genres einschloss, endete am Sonntag, 29. September 2019, mit einem Kindertag im ganzen Haus.

In den beiden Festivalwochen wie auch in einem Prologkonzert Anfang September hatten sich rund 21.500 Besucher*innen in insgesamt 40 Veranstaltungen auf das Konzept des Musikfests eingelassen und sich dabei nicht nur eingehend mit einem Meisterwerk der Musikgeschichte befasst, sondern auch andere Werke mit Bekenntnischarakter in neuem Kontext erfahren, Querbezüge zu Jazz, Film, Weltmusik und Performance entdeckt und das Rahmenprogramm mit Einführungen, Künstlergesprächen und Nach(t)konzerten wahrgenommen. 

Das titelgebende Werk stand im Festival insgesamt viermal auf dem Programm – in Interpretationen, die sich aus verschiedenen Richtungen mit dem Werk auseinandersetzten. „Klassische“ Deutungen steuerten das Gustav Mahler Jugendorchester unter Herbert Blomstedt und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Lorenzo Viotti bei. Zwei konträre Interpretationen der „Eroica“ konnte das Publikum an einem Sonntag in unmittelbarer Folge erleben: die eng mit der historischen Aufführungspraxis verknüpfte Sicht auf das Werk von Jordi Savall und seinem Orchester Le Concert des Nations sowie zuvor die sehr freie, Improvisationen einschließende Deutung des jungen Stegreif.orchesters. Beethovens Dritte sei „unglaubliche Musik, die genau so gedacht ist“, bei der es „keine Note gibt, die keinen Sinn hat“, begründete Savall im anschließenden Künstlergespräch seine werktreue Haltung – und erwies zugleich dem Stegreif.orchester hohen Respekt für dessen „wunderbare Dekonstruktion“ des Werks. 

Das Musikfest widmete sich weiteren Werken Beethovens, die etwa in einem Klavierabend mit Sir András Schiff oder einem Kammermusikkonzert mit dem Tetzlaff Quartett erklangen. Es beleuchtete die Musik rund um die Französische Revolution, aus der Beethoven Impulse bezog. Und es lieferte Denkanstöße, etwa in Gestalt von musikalisch-textlichen Reflektionen zum Thema Heldenmythos von Michael Wollny und Alex Nowitz oder an einem Film-Musik-Abend mit dem historischen Stummfilmdokument „Die Stadt ohne Juden“, an dem sich nicht nur dank der neu komponierten Musik von Olga Neuwirth bedrohliche Bezüge zur Gegenwart einstellten.

Für Intendant und Geschäftsführer Dr. Stephan Pauly sind es Abende wie dieser oder auch jener des SWR-Symphonieorchesters mit Nicolas Altstaedt, die ganz besonders haften bleiben: „Die Eindringlichkeit und Unbedingtheit etwa, mit der Nicolas Altstaedt den expressiven Solopart von Schostakowitschs zweitem Cellokonzert gestaltet, hat nicht nur mich beeindruckt. Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, dem Publikum nicht nur im klassischen Sinne ‚schöne‘ Momente mit Musik zu bescheren, sondern auch Gedanken darüber anzuregen, wie Lebenswichtiges mittels Musik zum Ausdruck gebracht werden kann.“ Versichern konnte sich Stephan Pauly dabei einmal mehr der starken Unterstützung hiesiger Partner: „Auch was sich wiederholt, ist längst nicht selbstverständlich. Die hervorragende Zusammenarbeit mit unseren Partnern wie den Bachkonzerten, der Museums-Gesellschaft, dem hr-Sinfonieorchester oder dem Künstlerhaus Mousonturm ist von unschätzbarem Wert, sie bereichert die Programmvielfalt innerhalb des Musikfests auf enorme Weise. Und so danke ich einmal mehr von Herzen für dieses Engagement, das wieder wunderbare Früchte getragen hat.“