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Letzte Aktualisierung: 19.03.2019

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Messingobjekte des Jugendstils und Art déco im Horex Museum Bad Homburg

von Ilse Romahn

(06.03.2019) In der Reihe „Inspiration Technik“ präsentiert das Horex Museum Bad Homburg in Zusammenarbeit mit der Brass Collectors Club Germany vom 10. März bis 20. Juli die Sonderausstellung „Schimmernde Schönheiten“.

Messingobjekte des Jugendstils
Foto: Knud Schöber, Brass Collectors Germany
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Gemeint sind damit wunderschöne Messingobjekte aus der Zeit des Jugendstils und des Art déco. Sie zeigen den Einfluss der kunsthandwerklichen Formen auf das Industriedesign, spiegeln die Formen des beginnenden 20. Jahrhunderts wider. Für die damals aufkommenden neuen Techniken und deren Materialien waren die üppigen Formen des Historismus mit seinen überschwänglichen Verzierungen nicht geeignet. So rückte die Metalllegierung Messing in den Vordergrund.

Sie konnte mit vorindustrieller, noch kunsthandwerklicher Technik gestaltet werden und entsprach vortrefflich dem neuen, bürgerlichen Repräsentationsbedürfnis. Das Kunsthandwerk löste sich immer mehr von den traditionellen Vorbildern. Der Einfluss des Jugendstils und Art Déco weitete sich aus. Auch alltägliche Gegenstände wie Kaffeemühlen, Tee- und Kaffeeservice, Lampen und Leuchter, Rauch- und Schreibutensilien, Vasen und Bowlenservice entsprachen nun den neuen Formen und waren in dem edel wirkenden Material Messing relativ einfach zu gestalten. Das „Gold des Bürgertums“ verlieh durch seinen Schimmer und Glanz auch schlichten Stücken einen wunderschönen Ausdruck. Noch in den 1950er-Jahren knüpfte man daran an, als der Motorradhersteller Horex Rauchgarnituren und Schreibutensilien sowie Uhren zu besonderen Anlässen verschenkte. Damit wurde auch das bürgerliche Repräsentationsbedürfnis aufgegriffen, das sich in elegant ausgestatteten Herrenzimmern wiederspiegelte – mit Garnituren, wie sie die „Schimmernden Schönheiten“ zeigen.

Der Formenreichtum des beginnenden 20. Jahrhunderts zeigt sich gleichermaßen im Design der neuerdings ausgestellten Siegerpokale. Es sind dies die Trophäen von Fritz Kleemann (1901-1975), dem Gründer der Horex-Werke, die er in den 1920er-, 1930er- und in den 1950er-Jahren bei Automobil- und Motorradrennen gewann. Diese einzigartige Sammlung, die bis zuletzt in Privatbesitz von Fritz Kleemann war, ist ein Geschenk seiner Nachkommen an das Horex Museum. Die Gestaltung von Pokalen, die entgegen den Messingobjekten in großen Mengen produziert wurden, folgte ebenfalls der neuen Formensprache. Sie zeigten Weinblatt- oder Rankendekore, übernahmen die sich verjüngenden Formen vieler Jugendstilobjekte oder zitierten kunsthandwerkliche Techniken aus der Bearbeitung des Messings: Glättung und Hammerschlagdekor bestimmten die Oberflächen und pflanzliche Motive zeichneten die eleganten Linienverläufe aus.

Und schließlich sind im Horex Museum noch bis zum 25. August die Horex-Maschinen zu sehen, die Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr und Frank Vollmer vom Horex-Club Taunus unter dem Motto „Die Legende lebt“ zusammengestellt haben. Die Leihgaben aus mehreren Horex-Clubs zeigen die Vielfalt der Marke, die ihren Sitz in Bad Homburg hatte, bis sie Ende der 1950er Jahre die Produktion aufgeben musste. Anschauen kann man sich bis Ende August auch noch die Werkstattfotografien des Industriedesigner Louis Lucien Lepoix (1918-1998). Er hatte für HOREX unter anderem die Verkleidungen für die Regina und den Rebell-Roller sowie das Design für ein nie verwirklichtes Kleinstautomobil entworfen.

10. März bis 20. Juli Ausstellung Schimmernde Schönheiten Messingobjekte des Jugendstils und Art Deco 

bis 25. August 2019 Ausstellung Die Legende lebt! Horex-Motorräder und Werkstattfotografien von Louis Lucien Lepoix

Horex Museum, Horexstraße 6, 61352 Bad Homburg. Öffnungszeiten: Mittwoch 10 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr. Eintritt: 2,50 €