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Letzte Aktualisierung: 25.06.2019

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Menschenbilder mit einem Schuss Surrealismus

Neue Ausstellung mit Nelly Stockburger bei Blei & Guba

von Norbert Dörholt

(22.03.2019) Bilder von ganz eigentümlichem Reiz stehen im Mittelpunkt der 193. Ausstellung in der Galerie Blei & Guba in Kelkheim, die vom 29. März bis 24. Mai 2019 dort gezeigt werden. Die Künstlerin Nelly Stockburger stellt unter dem Titel „Menschenbilder“ naturalistische Darstellungen aus, die mit surrealistischen Elementen versehen sind. Vieles, gemalt auf Acryl, wirkt dreidimensional, was den Reiz für den Betrachter noch erhöht.

Bildergalerie
Auf jedem der Bilder von Nelly Stockburger kann der Blick des Betrachters lange verweilen. Er findet ständig irgendwo noch etwas Besonderes.
Foto: Nelly Stockburger
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Foto: Nelly Stockburger
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Foto: Nelly Stockburger
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Foto: Nelly Stockburger
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Foto: Nelly Stockburger
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Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 29.März, um 18.30 Uhr in der Galerie im Gewerbegebiet Münster, Max-Planck-Straße 18, in 65779 Kelkheim. Geöffnet ist die Ausstellung dann montags bis freitags jeweils von 8.30 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06195/9810100

Nelly Stockburger wurde 1948 als Tochter des Arztes, Malers und Bildhauers Alfred Georg Stockburger und seiner Ehefrau Lore Henke, einer Fotografin, geboren. Schon als Kind durfte sie mit in die Ausstellungen der großen Maler des 20. Jahrhunderts, die bleibenden Eindruck bei ihr hinterließen.

Nach dem Abitur machte Nelly Stockburger eine Fotografenausbildung. Bis heute sind Gesichter ihre Lieblingsmotive geblieben, malerisch und fotografisch. Mit 18 Jahren verließ Nelly ihr Elternhaus und zog Anfang der 70er Jahre mit ihrem Ehemann und drei Kindern nach Trier in das sehr konservative Haus der Schwiegereltern, wo sie nicht glücklich wurde.

Über den ersten Kinderladen in Trier lernte sie neue, deutlich antibürgerliche - Freunde kennen. Nelly Stockburger fühlte sich in dieser Szene gleich zuhause, weil das emanzipatorische Denken zu den Idealen passte, die sie vom Elternhaus her kannte. In einer neuen Liebe bekam sie ein viertes Kind und hoffte, die Welt verbessern zu können. Sie lebte mit ihren Kindern mehr als 15 Jahre lang in alternativen Gemeinschaften, die nicht dem Bild der üblichen Kleinfamilie entsprachen.Sie wurde schließlich Psychologin und arbeitete rund 40 Jahre als Psychotherapeutin.

Anfangs standen feministische Fragen im Mittelpunkt ihrer Arbeit Später spezialisierte sie sich auf Probleme der Geschlechterrollen und der Sexualität. Privat und politisch bevorzugte Nelly Stockburger ein Frauenleben in den hohen Idealen der Selbstbestimmung.

Nach dem Auszug aus dem Elternhaus malte sie nur noch selten. Gegen Ende ihrer Berufstätigkeit schrieb sie ein autobiografisches Buch „Briefe von draußen-– Über Liebe und Revolution“. Mithilfe des Schreibens verarbeitete sie einige traumatische Erlebnisse und wurde wieder frei fürs Malen.

In der aktuellen Ausstellung sieht man eine Reihe von Menschenbildern, die dem Betrachter sehr nahe kommen. Jedes Bild zeigt individuelle Charaktere, die man nicht nur wegen der 3D-Wirkung der Bilder glaubt greifen zu können. Nelly Stockburger malt mit Acryl auf Leinwand. In der Technik der alten Meister setzt sie viele dünne Schichten übereinander, bis die betonten Bildpartien plastisch hervor treten. Gesichter können dadurch sehr lebensecht erscheinen. Gerne vermischt sie in einer surrealistischen Weise Menschen, Tiere und Pflanzen. Damit unterstreicht sie den ganzheitlichen Zugang der Menschen zur Natur.

Obwohl ihre Bilder deutlich ihre Affinität zur Schönheit zeigen, idealisiert und romantisiert sie nicht einfach die Realität. In ihren Bildern bleibt sie nicht als Betrachter „draußen“. Die Künstlerin füllt ihre Wahrnehmung von Menschen mit ihrer persönlichen Liebe zum Leben auf, bis auch ihre Objekte in warmen Strahlen der Hoffnung erscheinen. In ihrer Malerei trägt sie das revolutionäre „Prinzip Hoffnung“ (Ernst Bloch) weiter, das ihr ganzes Leben begleitet hat.

(Nelly Stockburger, e-Mail: nellys.postkasten@t-online.de)