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Letzte Aktualisierung: 18.07.2019

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Material Holz als künstlerische Aufgabe

Neue Ausstellung im Städel Museum

von Karl-Heinz Stier

(26.06.2019) Die Wechselbeziehungen zwischen Holzschnitt und Holzskulptur erhellt das Städel Museum im Schaffen von Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938), Erich Heckel (1883 – 1970) und Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976) in seiner Ausstellung am Frankfurter Museumsufer.

Bildergalerie
Ausstellungsplakat und Katalog
Foto: Karl-Heinz Stier
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Erläuterungen gaben Direktor Philipp Demandt und Kuratorin Regina Freyberger
Foto: Karl-Heinz Stier
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Kirchners Badende Frauen (Moritzburg) 1909
Foto: Städel-Museum
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Selbstbildnis von Schmidt - Rottluff 1919
Foto: Städel-Museum
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Schließlich verbinden die beiden unterschiedlichsten künstlerischen Medien das Material Holz, das eng mit der Kunst des deutschen Expressionismus verknüpft ist. Titel der Ausstellung: „Geheimnis der Materie. Kirchner, Heckel und Schmidt Rottluff“. Sie wird heute eröffnet und dauert noch bis zum 13. Oktober.

Für die drei Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ begann die Auseinandersetzung mit diesem natürlichen Werkstoff über den Holzschnitt – ein druckgraphisches Verfahren, bei dem die Darstellung wie ein Relief in eine meist dünne Holzplatte geschnitten wird. Das große experimentelle Potential dieser Drucktechnik reizte die drei Künstler genauso wie die Arbeit mit dem Material. Zudem beschäftigten sie sich  über einen etwas längeren Zeitraum hinweg mit der Holzbildhauerei. Etwa zeitgleich entstanden erste Skulpturen, die in ihrer Bearbeitung formal und inhaltlich auf den Holzschnitt zurückwirkten - und umgekehrt.

In der Ausstellung werden 98 Holzschnitte, 12 Skulpturen und 5 Druckstöcke präsentiert. Ein Großteil der Werke stammt aus eigenem Bestand des Städel-Museums, aus der Sammlung Carl Hagemann und durch Leihgaben internationaler Museen. Der Holzschnitt dominiert im druckgrafischen Schaffen.

Die Motive fand Kirchner in der unmittelbaren Umgebung. Wiederkehrendes Thema war der Mensch, meistens in Bewegung. Über das Schnitzen von Skulpturen erschloss er sich den Körper in seinen Volumina, über den Holzschnitt die Vereinfachung der Form. Die Ausstellung zeigt etwa Kirchners „Badende Frauen“ (Moritzburg, 1909) , die beispielhaft zeigen, wie der  Künstler seine Modelle in einer absichtslosen Haltung, in der freien Natur, auf Decken im Atelier liegend, auf Schemeln sitzend, tanzend oder bei der Unterhaltung.

Erich Heckel gilt als der Lyrische, auch In-sich–Gekehrte. Im Holzschnitt und der Holzskulptur war er Autodidakt. Knapp 15 Jahre arbeitete er in intensiver Auseinandersetzung mit dem natürlichen Material. Er erprobte  die Besonderheiten unterschiedlicher Holzarten und die Möglichkeiten ihrer Bearbeitung. Der natürliche Wuchs des Holzes bedingte Heckels bildhauerische Gestaltung. Dies verdeutlicht eindrücklich seine Skulptur „Stehende mit aufgestütztem Kinn“(1912).

Schmidt- Rottluff ging in seinem Schaffen dem Elementaren und Existenziellen nach. Das, was er beim Sehen oder Erleben empfunden hatte, versuchte er zu gestalten und ins Allgemeine zu übersetzen. Im Holzschnitt arbeitete er nahezu ausschließlich in Schwarz. Holzschnitt, Holzstock und Holzskulptur standen in enger Wechselwirkung. Das zeigen vor allem die verfremdeten Gesichter und Köpfe aus den Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg, wie sein „Selbstbildnis“ von 1919.

In seinen Erläuterungen zu Beginn der Pressekonferenz wies Städel Direktor Philipp Demandt darauf hin, dass der reiche Bestand expressionistischer Kunst im Städel Museum den Kern der Ausstellung darstelle. „Das Städel ist eines der wichtigsten musealen Zentren weltweit, an denen die Arbeiten auf Papier der Expressionisten in höchster Qualität und Dichte erfahren werden. Wir müssen diesen Bestand nicht nur umfassend erforschen, sondern auch immer wieder unter neuen Aspekten beleuchten und der Öffentlichkeit zugänglich machen“. Regina Freyberger, die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Graphischen Sammlung ab 1750 am Städel, betonte: Den Künstlern ging es nie nur um die sichtbare Welt, sondern um das Geheimnis der Materie. Dieses Geheimnis wird in den Holzschnitten und Skulpturen immer dann besonders spürbar, wenn die Strukturen und Besonderheiten des Holzes Teil der Gestaltung werden“.

Öffnungszeiten: Di. Mi, Sa und Feiertage 10 bis 18 Uhr,  Do und Fr 10 bis 21 Uhr. Montags geschlossen. Eintritt: 16 Euro, ermässigt 14 Euro.

Infos unter (069)605098-200 oder info@städelmuseum.de

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen - für 34.90 Euro.