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Letzte Aktualisierung: 22.10.2019

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Maryam Zaree erhält Newcomerpreis

Hessische Film– und Kinopreise 2019 verkündet

von Karl-Heinz Stier

(23.09.2019) Mit der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises setzt das Land Hessen seit 1990 jedes Jahr für seine Filmschaffenden und das Filmland Hessen Maßstäbe.

Wissenschafts- und Kultusministerin Angela Dorn bei der Verkündigung der Preise
Foto: Karl-Heinz Stier
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Neben Bayern ist Hessen eines der wenigen Bundesländer, die die Leistungen von Filmemachern mit eigenen Preisen würdigen und hervorheben. Der Hessische Filmpreis ist mit insgesamt 97 500 Euro dotiert, der Hessische Kinopreis mit 150 000 Euro. Die Preise vergibt das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen einer  festlichen Gala am 18. Oktober in der Alten Oper in Frankfurt. Über die Preisträger entschied eine unabhängige Jury ausgenommen der Newcomer-Preis, den die Kunst- und Kultusministerin Angela Dorn persönlich auswählt. Er ist 7 500 Euro dotiert.

In einer Vorabpressekonferenz im Helaba-Turm gab sie ihre Entscheidung bekannt: Die Schauspielerin Maryam Zaree lag bei den Newcomern ganz oben in ihrer Gunst. Zaree hat nun mit „Born in Evin“ als Regisseurin ihren ersten langen Dokumentarfilm vorgelegt. „Born in Evin“ ist sie selbst: ihre Mutter, im Iran politisch verfolgt, brachte Maryam 1983 im berüchtigten Evin-Gefängnis zur Welt. Zwei Jahre nach ihrer Geburt flüchtete die Mutter nach ihrer Entlassung nach Frankfurt. Da Maryam selbst keine Erinnerung an die Zeit im Gefängnis hat und ihre Mutter schweigt, begibt sie sich im Film auf eine Spurensuche zu der Zeit im Gefängnis. Sie gewährt dabei Einblicke in persönliche Abgründe, ihre eigenen und die anderer Opfer des Khomeine-Regimes. Es berührt und bewegt. Sie schafft es, auch bei Zuschauerinnen und Zuschauern Fragen zur eigenen Geschichte und Gesellschaft aufzuwerfen. „Bei ihrer filmischen Spurensuche in einem dunklen Kapitel ihrer Familie und Landes kommen auch humorvolle und selbstironische Sequenzen nicht zu kurz und ermöglicht so eine Balance zwischen tragischen und warmen Momenten“, so die Ministerin.

Sie gab auch den Ehrenpreis des hessischen Ministerpräsidenten bekannt. Er geht diesmal nicht an eine Einzelperson, sondern an das Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF), dessen Aufgabe es ist, Filmkultur lebendig zu halten und deren Stellenwert zu vermitteln. „Das DFF ist eine Institution von internationalem Rang. Es feiert und würdigt den Film und alles, was ihn ausmacht, gestern und heute. Und das seit 70 Jahren“, so heißt es in der Laudatio.

Der Preis in der Kategorie Drehbuch geht an die Autorin Frauke Lodderds mit dem Film „Am Ende des Sommers“. In diesem Stück geht es um die Geschwister Hannah und Timotheus, die in einer streng gläubigen Familie aufwachsen und in Konflikt mit ihren Eltern kommen, weil sie sich außerhalb der Gemeinschaft entwickelt und er, weil er homosexuell ist. In der Kategorie Hochschulfilm wurde Joschua Keßler mit ihrem Streifen Pech und Schwefel ausgezeichnet.

Der Regisseur Piotr Lewandowski stellte die Nominierten in der Kategorie Spielfilm vor. Es sind dies  Regisseur Dror Zahavi mit „Crescendo“, Tom Sommerlatte mit „Bruder Schwester Herz“ und „Ostwind – Aris Ankunft“ unter der Regie von Theresa van Eltz.

In der Kategorie „Beste Schauspielerin“ und „Bester Schauspieler“ wird auch noch die Entscheidung gefällt. Wie Christel Schmidt vom Hessischen Rundfunk mitteilte, treten Emma Bading in „Play“, Katharina Maria Schubert in „Tatort - Falscher Hase“ und Anne Schudt in „Zwischen zwei Herzen“ gegeneinander an. Bei den Männern sind es Peter Kurth in „Tatort – der Angriff“, Jannis Niewöhner in „Jonathan“ und Uwe Ochsenknecht in „Labaule & Erben“. Auch andere Preise wie die Kinokulturpreise und der Sonderpreis des Fernsehpreises werden erst bei der Verleihung am 18. Oktober bekannt gegeben.

Zu Beginn der Pressekonferenz nahm Ministerin Dorn auch Stellung zu den Protesten von Filmschaffenden gegen den Geschäftsführer der Hessischen Filmförderung (Hessenfilm und Medien GmbH), Hans Joachim Mendig Stellung, der sich mit dem AfD-Chef Jörg Meuthen getroffen hat. In der kommenden Woche werde es darüber eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung geben, in der sich Mendig zu den Vorwürfen äußern soll. „Wir sehen das mit wachsender Sorge. In der Filmszene gibt es erhebliche Unruhe“, betonte die Ministerin. Bisher hätten 300 Regisseure und Schauspieler den Rücktritt von Mendig gefordert.