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Letzte Aktualisierung: 17.11.2017

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Lodern zum Himmel…

„Il Trovatore“ Oper Frankfurt

von: Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(13.09.2017) Angesiedelt in eine finstere Gegenwart mit Bürgerkrieg und Gewalt hat David Bösch in seiner Inszenierung von Verdis „Der Troubadour“ die Handlung, die eigentlich im Spanien des 15.Jahrhunderts spielt. Die erste Premiere der Opernsaison an den Städtischen Bühnen Frankfurt, das ist keine Frage, war gelungen. Die Aufführung ist eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Convent Garden, und die Bühnenbilder, die erstaunlich oft wechselten, passten sich eindringlich an die abstruse Geschichte um Kindesmord, Scheiterhaufen, Brudermord an.

Bilder mit filigran düsterem Charme um eine Kanone, ein Zigeunerlager mit buntem Wagen und Lagerfeuer, im dritten Akt eine eiseskalte Landschaft, Schnee fällt vom Himmel, alles ist erstarrt, auch die Menschen, die auf ihren Tod warten. Und die Geschehnisse sind immer in Finsternis getaucht. Die Schlussszene mit Stacheldraht und  der lodernde Scheiterhaufen – projeziert auf den Bühnenhintergrund – aus dem sich ein Flammenherz hervorhebt, wenn sich das grausame Schicksal erfüllt hat, ist gespentisch. Die Bühnenbilder hat Patrick Bannwart geschaffen.

Dass der Minnesänger Manrico (Piero Pretti) mit Lederjacke und Leopardenhemd erscheint und die Hofdame Leonora und ihre Zofe Ines (Alison King) wie einfache Mädchen vom platten Land angezogen sind, befremdet zunächst. Aber die wundervolle Musik Verdis und die außerordentlichen Gesangsleistungen der Protagonisten versöhnten sofort.

Angekündigt wurde zu Beginn der Aufführung, dass Tanja Ariane Baumgartner, die die Zigeunerin Azucena singen sollte, erkrankt war. Es musste Ersatz gefunden werden, und die Partie konnte kurzfristig mit der amerikanischen Mezzosopranistin  Marianne Cornetti besetzt werden. Diese beherrschte mit ihrer Präsenz nicht nur optisch die Szene, sondern sang eine beeindruckende Azucena, die das Publikum begeisterte.

Bekannt ist ja, dass die Handlung der Oper schwer verständlich, nicht immer schlüssig und verworren ist: Eine Zigeunerin erscheint am Bettchen des jüngsten Sohnes des Grafen Luna und erschreckt das Kind. Sie wird gefangen und als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ihre Tochter Azucena muss den Tod der Mutter mit ansehen und wird beinahe irre. Voller Hass und Rachegelüste raubt sie das Kind und will es ins brennende Feuer werfen. Völlig verwirrt wirft sie jedoch ihren eigenen Sohn in die Flammen. Sie zieht aufopfernd und liebend den Knaben des Grafen, den sie Manrico nennt, als ihr Kind groß, doch die Erinnerung an den Tod ihrer Mutter sitzt tief im Herzen voller Hass. Dass sich der ältere Sohn des Grafen, Conte di Luna (Brian Mulligan), und Manrico in die gleiche Frau - Leonora - verlieben und in kriegerische Kämpfe verschiedener Lager verwickelt sind, macht alles um so verzwickter. 

Es geht stets um Feuer, Rache, Hass, Tod, aber auch um die Liebe. Dass am Ende der Conte  seinen eigenen Bruder Manrico tötet, Leonora sich aufopfert und Azucena  ebenfalls auf dem Scheiterhaufen sterben muss, das sind  Themen, die von Verdi in eine oft furiose aber auch wieder zarte Musik umgesetzt werden konnten. Unter der musikalischen Leitung des italienischen Gastdirigenten Jader Bignamini spielten die Musiker des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters brillant und führten die Sängerinnen und Sänger zu Höchstleitungen.

Piero Prettis „Stretta“ –die Quella pira - , die Arie mit dem anhaltenden hohen C, die von den lodernden Flammen erzählt, denen die Mutter ausgeliefert werden soll, singt er so, wie ein Publikum es sich von einem Tenor wünscht. Aber er kann auch leise und lyrisch, wie im Liebesduett mit Leonora. Heldenbariton Brian Mulligans Stimme als Luna ist  einnehmend  mit viel Timbre und vollem Forte. Elza van den Heever als Leonora beherrscht nicht nur die Koloraturen sondern ihr Flehen und ihre Arie um ihre Liebe zu dem Troubadour  bringt  sie weich, zart, traumhaft in die Ränge hinüber.

Caruso soll einmal gesagt haben, dass  „Der Troubadour“ nach vier sehr hervorragenden Opernkünstlern verlangt und nicht nur nach einem herausragenden. Am Premierenabend zumindest hatte man den Eindruck, dass das in Frankfurt der Fall war.

Der Frankfurt Opernchor hatte in dieser Oper seine großen Auftritte. Die Ohrwürmer aus „Il Trovatore“ sind ja bekannt und gewaltig.

Alison King sang Leonoras Freundin Ines und den Krieger Ruiz sang Theo Lebow.

Das Premierenpublikum feierte die Sänger, das Orchester und Verdis Musik mit stürmischen Applaus.

Weitere Vorstellungen: 14., 17., 23., und 30. September jeweils um 19.30 Uhr, 3.Oktober (15.30 Uhr) und 7. Oktober, 15., 23., 25., (18 Uhr) und 31. Dezember 2017 und 6., 10. und 13. Januar 2018

www.oper-frankfurt.de  Ticket-Hotline (069)21249494