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Letzte Aktualisierung: 24.06.2019

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Lausitzer Seenland: Mit Boot und Zelt zu neuen Ufern

von Ilse Romahn

(29.03.2019) Still und heimlich ist tief im Osten der Republik aus einem ehemaligen Braunkohlegebiet ein Eldorado für Aktive entstanden: das Lausitzer Seenland. Im April wird die Saison eröffnet.

Familie mit Kanu und Zelt im Lausitzer Seenland
Foto: Tourismusverband Lausitzer Seenland / Nada Quenzel
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Wie ein blaues Band ziehen sich zwischen Berlin und Dresden mehr als ein Dutzend Seen durch die Landschaft. Die meisten dieser Gewässer waren noch vor 50 Jahren in keiner Karte zu finden. Es sind ehemalige Braunkohletagebaue – renaturiert, geflutet und mit einer exzellenten touristischen Infrastruktur versehen. Aus dem Lausitzer Bergbauland ist das Lausitzer Seenland entstanden, Europas größte künstliche Wasserlandschaft. Es ist ein junges und außerhalb der Region noch kaum bekanntes Reiseziel. Ab 1. April werden die Seen für den Wassersport freigegeben, und auch die meisten Campingplätze starten in die Saison. 

Der erste Meilenstein bei der Transformation der Lausitz war 1973 die Eröffnung des Senftenberger Sees. Bis heute kommen immer wieder neue Seen hinzu.  Erst vor wenigen Jahren hat die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) den Geierswalder und den Partwitzer See der Öffentlichkeit übergeben. Ende April folgt der Bergheider See am Besucherbergwerk F60. In diesem Jahr wird nach dem Koschener auch der zweite schiffbare Kanal eröffnet. Insgesamt zehn Seen sollen innerhalb der nächsten Jahre miteinander verbunden werden. Ein riesiges, zusammenhängendes Wasserrevier mit Häfen und Marinas entsteht.

Maritimes Lebensgefühl mitten in Deutschland
Der Senftenberger See ist und bleibt das Flaggschiff der Region. Als einer der ersten gefluteten Seen hat sich das 1300 Hektar große Gewässer mit seiner langen, zerklüfteten Insel bei Surfern, Seglern und Kanuten längst einen Namen gemacht und ist mittlerweile auch bei Stand-Up-Paddlern beliebt. Seit Herbst letzten Jahres wurde er saniert. Am 1. April wird der See wieder zur Nutzung freigegeben.

Über den im Jahr 2013 eröffneten, einen Kilometer langen Koschener Kanal gelangen Wassersportler vom Senftenberger See weiter zum benachbarten Geierswalder und von da bald auch weiter zum Partwitzer See. Etwas abgeschieden, wenige Kilometer südöstlich liegt der Bärwalder See. Er ist mit 13 Quadratkilometern der größte See Sachsens. Auch er ist das Relikt eines ehemaligen Tagebaus. Vor genau zehn Jahren wurde seine Flutung beendet. An windigen Sommertagen bietet sich hier ein in Sachsen seltener Anblick: Kitesurfer. Der Bärwalder See ist der bislang einzige See in dem Bundesland, auf dem die Sportart offiziell erlaubt ist.

Es ist die Mischung aus großen und kleinen Gewässern, die den Reiz der Region ausmacht. Auf insgesamt elf Seen können Kanuten ihre Boote ins Wasser lassen. Surfern und Seglern stehen neun Gewässer zum Kreuzen zur Verfügung. Auch Tauchen, Angeln und Motorbootfahren ist vielerorts möglich. Mehrere Segel-, Surf- und Tauchschulen ermöglichen Neulingen den Einstieg. Auf dem Halbendorfer See gibt es eine Wakeboard- und Wasserskianlage. Und auf dem Partwitzer See kann man sogar Jetski fahren.

Veranstaltungstipp: Am 27. und 28. April wird die Saisoneröffnung im Lausitzer Seenland mit den Seenlandtagen gefeiert. Der Bergheider See wird erstmals für Kanus, Segelboote und Surfer freigegeben. Die gigantische Abraumförderbrücke des Besucherbergwerks F60 bietet hier eine spektakuläre Kulisse.  

Camping mit Seeblick
Wassersport und Camping: Das gehört traditionell zusammen. So auch im Lausitzer Seenland. Zu den bekanntesten Anlagen in der Region zählt das „Hafencamp“ am Senftenberger See. Der Platz ist voll und ganz auf Wassersportler eingestellt: An der eigenen Marina mit Bootsvermietung liegen Tret-, Ruder-, Motor- und Segelboote bereit und für Anfänger wie Fortgeschrittene finden regelmäßig Segelkurse statt. Das Spektrum der Schlafmöglichkeiten reicht von Zeltwiese und Stellplatz, über Campinghütte und Ferienzimmer bis zum romantischen Baumhaus für zwei.

Die Alternative am Bärwalder See ist „Marina Camping“. Mit nur 36 Stellplätzen und einer Zeltwiese ist es eine ebenfalls eher familiäre und ausgesprochen ruhige Anlage. Auch der Weg zu den Bootsstegen ist nicht weit. Die Marina Klitten mit Liegeplätzen und Slipmöglichkeiten ist in wenigen Minuten zu Fuß erreicht.

Für Surfer und Segler und diejenigen, die es noch werden wollen, ist der „Ferien & Freizeitpark Geierswalde“ ideal. Nur wenige Meter vom Strand mit Surf- und Segelschule sowie Bootsvermietung entfernt, bietet der Platz auf über zwei Hektar genügend Freiraum für Wohnmobile und Caravane.

FKK-Camping und Campen mit Hund
Eine Besonderheit im Lausitzer Seenland bietet der „Campingplatz Halbendorfer See“. Anhänger der Freikörperkultur werden auf dem großzügig gestalteten FKK-Campingplatz mit 60 Stellflächen begrüßt. Ein 400 Meter langer FKK-Badestrand und ein Bootsverleih sind ganz in der Nähe. Nicht außergewöhnlich, sondern fast schon normal ist die Möglichkeit für einen naturnahen Urlaub mit dem Vierbeiner. Von 23 heißen 17 Campingplätze Hunde und ihre Besitzer willkommen. Fünf davon liegen an einem See mit Hundestrand: Beispielsweise das „5-Sterne-Komfortcamping Senftenberger See“ und das „Themencamping Grünewalder Lauch“.

Der Tourismusverband Lausitzer Seenland gibt in seiner neuen Campingkarte einen Überblick über alle Plätze. Sie kann unter www.lausitzerseenland.de/de/service/infomaterial.html bestellt oder heruntergeladen werden. Detaillierte Informationen zum Wassersport finden sich auf www.lausitzerseenland.de/de/erleben/wasser.html. ■