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Letzte Aktualisierung: 15.07.2019

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Landrat macht Burgführung mit Grundschulkindern

von Helmut Poppe

(08.07.2019) Hochtaunuskreis. Gleich in der ersten Ferienwoche hatten 39 Betreuungskinder aus den Betreuungszentren der Königsteiner und Kronberger Grundschulen einen spannenden Termin. Landrat Ulrich Krebs hatte sie im Rahmen seiner Sommeraktionen eingeladen, mit ihm zusammen die Burg Kronberg zu erkunden.

Bildergalerie
Landrat Krebs macht eine Burgführung
Foto: Hochtaunuskreis
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Foto: Hochtaunuskreis
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Die Schülerinnen und Schüler der ersten bis zur vierten Klassen zeigten sich gut informiert, wozu so eine Burg in früheren Zeiten mal nützlich war. Zur Verteidigung, na klar. Und sie war auch so etwas wie ein Verwaltungszentrum, erklärte der Landrat, der ja Chef einer Kreisverwaltung ist. Was eine Verwaltung heutzutage so macht, wussten die Kinder auch, zumindest die meisten.

Der Landrat, der ja mal Geschichte studiert und sich als Schüler  mit Führungen auf der Burg Eppstein Geld verdient hat (!), erzählte von der früheren Burgherrin von Kronberg, der Kaiserin Friedrich, die eigentlich Viktoria hieß und sehr viel für den Erhalt der Burg Kronberg getan hat. Die Burg hatte sie im Übrigen mal zu Weihnachten geschenkt bekommen, von ihrem Sohn, dem Kaiser. So ein Geschenk beeindruckte die jungen Burgbesucher dann doch etwas.

Die Kinder lernten viel auf der Tour, zum Beispiel, dass aus einer sogenannten Pechnase über dem Haupttor von vielen Burgen gar kein Pech auf die Feinde floss, sondern vielleicht der Inhalt des Nachttopfes, meistens aber wurden von dort Steine auf die Angreifer vor der Tür geworfen. Oder warum in Ausgänge nach draußen manchmal kleine Treppen nach oben und dann wieder nach unten gebaut wurden statt einfach geradeaus: Weil man so erst mal vorsichtig gucken konnte, ob von unten einer schießt.

Das Leben war eben nicht leicht auf einer Burg. Der Landrat sprach mit den Kindern darüber, unter welchen Bedingungen die Menschen im Mittelalter lebten. Wie mühsam vieles war und wie kalt es im Winter mit nur wenigen Feuerstellen gewesen sein muss und dass es selbst für den Burgherrn lebensgefährlich sein konnte, auch nur einen schlimmen Husten zu bekommen.

Die Kinder schauten sich auch den Festsaal an, in dessen kleiner Kapelle man noch heute heiraten kann. Sie staunten über den tiefen Brunnen in der Schlossküche. Warum alles so grau und schwarz ist in der Küche, wollte ein Mädchen wissen, das könnte man doch auch hübsch weiß streichen. Gemeinsam mit dem Landrat überlegten die Kinder. Na klar, die offene Flamme unter dem riesigen Kamin, alles verrußt. Und warum war Bier und Wein für die Menschen früher so wichtig? Sie mochten kein Wasser? Kann sein, half der Landrat, aber das Wasser war schmutzig, man konnte es kaum trinken, ohne krank zu werden: „das können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen“. Da stimmten die Schüler zu.    

Mit einem an diesem Tag ganz klaren Blick nach Frankfurt endete die Tour mit dem Landrat. Gemeinsam versuchten sich Krebs und die Kinder vorzustellen, wie die Landschaft wohl ausgesehen haben mag, als auf dem Weg von der Burg  zur Stadt am Horizont gar keine Häuser standen. In Frankfurt, erklärte der Landrat, konnte man damals von der Burg aus vielleicht gerade mal den Turm vom Dom sehen. Sonst nix. Zurück von ihrer Reise in die Vergangenheit genossen die Kinder im Innenhof der Burg noch eine große Pizza, die ihnen der Landrat spendiert hatte.

Die nächste Sommeraktion des Landrats findet im Ende Juli/August an der Antonius-Kapelle oberhalb von Kronberg statt.