Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 15.07.2019

Werbung
Werbung

Land hessen investiert erheblich in Erhalt des Weilburger Schlosses

Sanierung des Stadtpfeiferturms vor Abschluss / Weitere Baumaßnahmen in Planung

von Ilse Romahn

(11.12.2018) Nach umfänglichen Sanierungen in den Jahren 1936 und 1986/7 wird der Stadtpfeiferturm des Weilburger Schlosses ein weiteres Mal instandgesetzt. Die Sanierungskosten von 712.000 Euro trägt das Land Hessen. Insgesamt hat das Land in den vergangenen Jahren rund 3,5 Millionen Euro in das Weilburger Schloss investiert und wird auch in den nächsten Jahren weitere wichtige Baumaßnahmen zum Erhalt der Gebäude und Gestaltung der historischen Außenanlagen finanzieren.

Gruppenbild mit Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (3.v.l.) und VSG-Direktorin Kirsten Worms (3.v.r.) im Schlossgarten, im Hintergrund der noch eingerüstete Stadtpfeiferturm.
Foto: kunst.hessen.de
***

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein sagte bei seinem Besuch vor Ort: „Die Instandsetzung des Stadtpfeiferturms ist Teil unseres Engagements für eine herausragende Liegenschaft. Es ist wichtig, das historische Erbe zu erhalten, um auch den nachfolgenden Generationen das Vermächtnis der Vorfahren sicht- und nutzbar zu machen.“

Die Baumaßnahme betrifft den ganzen renaissancezeitlichen Treppenturm. Sie wurde direkt nach dem Ende der Weilburger Schlosskonzerte im August in Angriff genommen und soll Mitte Dezember abgeschlossen sein. Vordringlich war, den historischen Außenputz an der Fassade zu sichern und zu ergänzen, da es in der Vergangenheit zu Abplatzungen kam. Zudem werden alle Fenster des Turmes aufgearbeitet. Auch die mit einer hölzernen Balustrade umschlossene Aussichtsplattform, deren Pfosten den Außenrand des Turmdaches tragen, wird wiederhergerichtet. Aufgrund eines schadhaften Dispersionsanstriches faulten die Elemente des Geländers durch Feuchtigkeit im Innern, so dass man einen größeren Teil ersetzen muss.

Bereits abgeschlossen ist die Neueindeckung der Turmspitze mit Schiefer. Die goldene Kugel auf der Turmspitze wurde restauriert und mit einer neuen Zeitkapsel versehen. Darin befinden sich Informationen zur aktuellen und zu den vergangenen Instandsetzungen des Stadtpfeiferturms. Zudem wurde die Turmglocke mit einem Seil ausgestattet und kann wieder geläutet werden.

„Bauunterhaltung, Instandsetzung und Verkehrssicherungsmaßnahmen sind ein permanenter Prozess an solch einem historischen Gemäuer“, sagte Boris Rhein. „In den vergangenen zehn Jahren sind unter anderem das Dachwerk über dem südlichen Treppenhaus der Oberen Orangerie umgebaut, der Ostflügel des Hochschlosses auf der Lahnseite saniert oder die Mauern an verschiedenen Stellen instandgesetzt worden. Auch in den Brandschutz und die Barrierefreiheit wurde investiert.“ 

Minister Rhein kündigte bei der Baustellenbesichtigung auch für die nächsten Jahre weitere Baumaßnahmen am Weilburger Hochschloss an: die Instandsetzung der Fassade der Oberen Orangerie sowie der Westfassade des Ostflügels und der Dachkonstruktion zwischen Oberer Orangerie und Schlosskirche sowie von Teilen der Stützmauer am Gebück auf der Lahnseite. Die Projekte sollen 2019/2020 beginnen.

Hintergrund:
Das Schloss Weilburg ist die ehemalige Residenz der Grafen und späteren Herzöge von Nassau und ursprünglich ein Renaissancebau des 16. Jahrhunderts mit Ausbauphasen im 17. und 18. Jahrhundert. Zentrum des Komplexes ist die geschlossene Vierflügelanlage, die Graf Johann Ernst zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit Verwaltungs-, Wirtschafts- und Gartengebäuden zu einer weitläufigen barocken Residenz erweitern ließ. Die harmonische Verbindung der Architekturstile macht den besonderen Reiz des Schlosses aus.

Der Stadtpfeiferturm ist dem Westflügel des heutigen Museumsschlosses auf der Hofseite vorgelagert. Der Name des in den Jahren 1567/68 bis 1572 unter Graf Albrecht von Nassau-Weilburg-Ottweiler errichteten Hauptturms leitet sich von den Stadtpfeifern her, wie man früher die Weilburger Schlosstürmer nannte. Sie waren zunächst als Turmwächter im Einsatz, später als Stadtmusikanten. Auf der Höhe der Aussichtsplattform befindet sich eine Stube, die ihnen als Wohnung diente. Ein Stadtpfeifer wurde erstmals 1597 erwähnt. Der letzte schriftliche Beleg datiert von 1812.