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Letzte Aktualisierung: 15.10.2019

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Kultur erleben in Ravenna und Umgebung

von Gesine Unverzagt

(24.06.2019) „Wenn ich die italienische Geschichte verstehen will, nehme ich den Zug nach Ravenna“, meinte der berühmte Altertumsforscher Arnaldo Momigliano. Auch ich möchte mehr von der großartigen Kultur Italiens erfahren und mache mich auf den Weg, das UNESCO Weltkulturerbe von Ravenna und Umgebung zu entdecken.

Bildergalerie
Foto: Gesine Unverzagt
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Am Flughafen von Bologna suche ich vergebens den Fahrer, der mich nach Ravenna bringen soll. Nach einer gewissen Wartezeit, erwische ich ihn auf seinem Telefonino. Er bittet um Geduld, denn er sei da, würde nur gerade einen Espresso trinken.

Willkommen in Italien!
Nach nur einer Stunde Fahrt, erreichen wir unser Ziel. Ich bin überwältigt von soviel Kultur. Seit 1996 gehören die oktogonale Basilika San Vitale, das Mausoleum der Galla Placidia, die Taufkapelle der Arianer, die Neonische Taufkapelle, die Basilika von Sant’ Apollinaire Nuovo, Basilika von Sant’ Apollinaire in Classe, die Bischofskapelle in Classe und das Mausoleum des Theoderich zum UNESCO Weltkulturerbe. Puh, wo anfangen? Am besten ich besorge mir einen Guide.

Zu den wichtigsten frühchristlichen Monumenten gehört die Basilika San Vitale, im 6. Jh. erbaut. Die Farbenpracht der eindrucksvollen Mosaiken im gesamten Innenraum ist traumhaft schön, besonders die Porträts von Justinian und seiner Frau Theodora.

Wir setzen unsere Besichtigungstour fort mit der Basilika Sant’ Apolliaire Nuovo und dem Mausoleum der Galla Placidia, eine Kapelle aus dem 5.Jh. in Form eines lateinischen Kreuzes. Großartig auch hier die farbenfrohen Mosaiken.

Von dem Kulturschock erhole ich mich in der Osteria Passatelli, einem ehemaligen Kino mit einem köstlichen Menu. Hier sind die Gäste schon mittags gekleidet, als ob sie in die Oper gehen würden. Hochhackig, behängt mit allerlei Schmuck und sorgfältig geschminkt, stolzieren die Damen an uns vorbei. Auch die Männer in pastellfarbenem Pullover, die Sonnenbrille lässig nach oben auf den gegelten Kopf geschoben, pflegen die italienische Bella Figura. Wie schaffen sie es, das Gewicht zu halten bei dem köstlichen Essen und der vielen Pasta?

Etwas ganz besonderes ist am Abend geplant - ein Konzert mit einem Gitarristen und einem Flötisten in der orthodoxen Taufkapelle Battisterio Neoniano. Bei Vivaldi und Chopin gebe ich mich entspannt der Musik hin, mit Blick auf die herrlichen Mosaiken auf blauem Untergrund.

Nur wenige Kilometer südlich von Ravenna ist in Classe die Basilika Sant’ Apollinaire unbedingt sehenswert. Das Innere der Kirche besteht aus drei Schiffen, mit zwei Reihen von jeweils zwölf Säulen. Auch die Basilika Sant’ Apollinaire ist berühmt für ihre eindrucksvollen Wandmosaiken.

Wir verlassen die Stadt der Mosaiken, um in der Provinz Ravenna das Fischerdorf Cervia zu besuchen. Neben weiten Sandstränden ist der Ort berühmt für die Salzgewinnung. Entspannend ist eine Fahrradtour am Meer entlang und durch den Pinienwald. Gern kommen Besucher zu den Salinen um die Vogelvielfalt zu beobachten oder einfach nur um hier den Sonnenuntergang zu genießen.

Inmitten dieser Salinenlandschaft befindet sich das Restaurant Al Deserto, ein originelles Fischrestaurant mit einem ebenso originellen Patron. Mit Charme und Temperament unterhält Roberto Bagnolino seine Gäste, die von weither kommen, um sich an den köstlichen Fischgerichten bei ausgelassener Atmosphäre zu erfreuen.

Ebenfalls wichtig für die Salzgewinnung war Comacchio, eine Lagunenstadt, die mit ihren zahlreichen Brücken an Venedig erinnert. Über die Trepontibrücke, die mehrere Kanäle überspannt, erreichen wir eine gemütliche Altstadt mit viel Flair. Im Sommer findet alljährlich an der Uferpromenade das Comachio Beach Festival mit internationalen Stargästen statt.

Zurück in Ravenna setzen wir die Besichtigungstour fort, um als Letztes das Mausoleum des Theoderich zu besuchen, Pflicht für jeden historisch Interessierten.

Am letzten Abend meines kurzen Kulturtrips, gönne ich mir in einer Straßenbar einem Aperol Spritz und bin begeistert von den Leckereien, die zum Apero gereicht werden. Erfüllt genieße ich das Straßenleben, bewundere die schönen Menschen, die an mir vorbeischlendern und fotografiere die köstlichen Häppchen als Inspiration für meine Gäste daheim.

Infos: www.turismo.ravenna.it und www.turismo.comunecervia.it