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Letzte Aktualisierung: 10.12.2018

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Kuba – dem Herbst-Blues entfliehen. Teil III

von Helmut Poppe

(30.11.2018) Der Nordwesten Kubas im Schnelldurchgang. Beschäftigten wir uns in den bei ersten beiden Beiträgen mit den Themen Transport und Kommunikation, ging es im zweiten Teil um Hotels, Leute und Wirtschaft. Der jetzige und vorletzte Artikel No. 3 der Serie widmet sich touristischen Aktivitäten, sprich Besichtigungen. In einem Tag vom Touristenort Varadero nach Havanna und zurück.

Bildergalerie
Königspalmen, einst für den Hausbau
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Hafenfestung, Havanna
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Hotel Melia Cohiba
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Plaza de la Revolucion
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Zigarren in allen Größen
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Boots-Restaurant, Havanna Hafen, Kapelle
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Museo Colonial
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Blick aus Museo Colonial
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Vorneweg sei gleich angemerkt und wärmstens empfohlen, immer im Handgepäck auch bei Kurz-ausflügen auf Kuba das Handy mitzuführen (auch wenn das eigentlich wenig hilft, es sei denn man kämpft sich durch kryptische Sternchen und Nummern, die einem in Deutschland genannt werden) , auf ein WLAN trifft man allemal. Auch ins Kleingepäck gehören Ladekabel, Notakku (auch Powerbank genannt) und -  ganz wichtig - die Krankenversicherung, denn was uns auf dem riesigen Plaza de la Revolucion passiert ist, hätte übel enden können

Pech gehabt: laut der einheimischen Zeitung Granma begrüßte die Insel am 10. November, also einen Tag vor unserer Ankunft, den 4 millionsten Reisegast. Schade,  man hätte doch so gerne eine eine Extra-Behandlung genossen.  Nun denn, wir schlossen uns als 3 Millionste 999.998ste den vielen anderen an. Es blieben lang wirkende Erinnerungen an imposante Kolonialvillen, schönem Interieur, tropischer Landschaft und schönen Klängen

An Kurzausflügen nach Havanna steht dem Touristen ein großes Angebot zur Verfügung: Mehrtagestouren mit Besichtigung der nächtlichen Revues oder solche,  die nur einen Tag dauern. Für die Hin und Rückfahrt muss man jeweils etwa drei Stunden einkalkulieren. Somit bleiben für Besichtigungen vor Ort in der Landeshauptstadt etwa drei bis vier Stunden. Abenteuerlustige und solche, die eventuell auf eine fundierte Führung verzichten möchten, machen sich auf dem Weg mit Einheimischen in Privatwagen. Wir wählten unter Führung der deutschsprachigen wirklich kompetenten  Juana, das ist wohl ihr Name , an den wir uns erinnern, des Fahrers Vornamen begann auch mit J, es waren halt die zwei „J“s, die klassische Stadtrundfahrt namens „Colonial“. Nach einer dreistündigen Anfahrt über eine von Königspalmen gesäumten Schnellstraße überquerten wir ein 109 Meter hohes in den 50er-jahren gebautes Viadukt,  das über eine imposante Schlucht führte und einen Blick in das neugierig machende  Hinterland erlaubte. Für seine Zeit war die Brücke eine Meisterleistung des Straßenbaus. Schade, dass wir auf der kurzen Fahrt und in der knapp bemessenen Aufenthaltszeit auf Kuba, das ja in der Ausdehnung um einiges größer ist als Deutschland nur so viel gesehen haben, wie im Vergleich ein Frankfurter aus der kurzen Autofahrt nach Wiesbaden vom Taunus. Bei Hin- und Rückfahrt auch wieder Musik in einem Café-Restaurant an der Straße. Man gewann den Eindruck, dass die überall anzutreffenden Gruppen sich auf die klassischen sechs Titel aus Buena Vista beschränken. Auf jeden Fall mitreißend gespielt. Wenn man bedenkt, dass man vor  fast 30 Jahren auf einem Flohmarkt in Miami Beach von einem Exilkubaner Orquestra Aragon als Geheimtipp empfohlen bekam, freut man sich nun, genau diese Lieder jetzt wieder zu hören. Als Anekdote: damals nach der Rückkehr in Deutschland wurden die Rumbas, Sons und Chachachas als „Touristen- Musik“ bezeichnet. Wim Wenders brachte sie später dann groß heraus.

Einmal in Kubas Hauptstadt, die über 2 Mio. Einwohner zählt bei 11 Mio.in ganz Kuba, angekommen, ging es entlang der Uferhauptstraße Malecon . Dort sieht man immer noch Warnhinweise, dass Flöße (balseros) am Strand verboten sind. Geparkt wurde vor dem  Hotel Cohiba, ein kleines Rätsel hierzu versteckt sich  in der Bildergalerie.  Kleiner Hinweis:  Cohiba ist der Name einer berühmten  Zigarrenfirma. (Herr Schröder lässt grüßen). Von dem Luxushotel – innen drin ganz modern - ging es den  Berg hinauf entlang prächtiger alter kolonialer Villen, die auch ein wenig an solche erinnern, die auf den Kanaren stehen hoch zur Plaza de la Revolucion. Dort blicken eindrucksvoll und riesengroß die Ikonen des kubanischen Kommunismus auf die Touristenscharen hinunter. Der Platz von der Größe und Anmutung typisch für sozialistische oder kommunistische Prunkplätze. Achtung aufgepasst: der unbedarfte Tourist verliert mit dem Blick auf sein Fotohandy rasch den Sinn für die Realität außenherum. Glück gehabt,  was drückt da unter der Sohle, Padautz, der Metallrahmen zu einem riesengroßen Loch, ein 1 x 1 m großer Kanaldeckel, nicht abgedeckt auf den Touristen wartet. Schön angereiht unten,  auch ein Meter tief, im Dunkeln  eine interessante Sammlung kubanischer Soda-Dosen. Unser Rat: Wenn es dann einmal krachen sollte, auf jeden jedem Fall die Kopie der Krankenversicherung dabei haben, ein Handy mit Ladegerät und einen Ersatzakku.

Auf Motivhungrige warten auf diesem Platz eine Menge bunter Vintage-Taxen, die durch die Bank 50 Jahre und mehr unter der Haube haben. Insgesamt gewann man den Eindruck, dass die Jungs nicht viel zu tun hatten. Vielleicht lag es an der Nebensaison.  Anschließend ging es dann wieder aus der Stadt zurück durch den Hafentunnel auf die andere Seite des Hafens zur Festung. Dort bewachen imposant angereiht Kanonen die Hafeneinfahrt. In den alten Gemäuern kann man  Zigarren und Kaffee als Mitbringsel kaufen. In einem zugegeben edel gemachten Rahmen.  Schade nur, dass hier nicht eine kundenfreundlich Probeverkostungen geboten werden, wie man es aus anderen Ländern gewohnt ist. Insgesamt fanden die Teilnehmer die zum Verkauf stehenden Kaffees und Zigarren, sagen wir es einmal vorsichtig, hochpreisig. Ein Highlight war das anschließende Mittagessen, das uns von der Reiseleitung  bei der Buchung als nicht ‚sonderlich‘ angekündigt wurde. Ganz im Gegenteil, die Atmosphäre war beeindruckend  in diesem Restaurant, schnell und professionell, ein Dreigang-Menü mit Aperitif und mitreißender kubanischer Musik. Vom Tisch des Bootsrestaurants ein Blick auf ein norwegisches Kreuzfahrtschiff mit geschätzter 1 km Länge und  Preisen von 5000 € für zwei Wochen (siehe Bildergalerie). Der Hafen war übrigens bis vor einigen Jahren ein riesiges ökologisches Problem. Ihn einigermaßen sauber zu bekommen, erforderte  einen enormen Aufwand.

Das Highlight der Stadtbesichtigung fand am Nachmittag statt mit der außerfahrplanmäßigen Besichtigung des Museo Colonial in der Altstadt. Verblüffend und auch rührend  die vielen hübschen deutschen Porzellan-Teile in dem Palast. Als die Museumsführerin das tropische Lamellenfenster zum Platz öffnete, strömten uns die Klänge von … na was soll es schon sein? ‚Havanna‘ entgegen, dieser Latino HipHop-Song begleitet durch eine Tanzdarbietung einer einheimischen Jugendgruppe wurde nur leicht überlagert von dem Surren einer Drohne. Gut möglich, dass für die demnächst anstehende 500-Jahresfeier der Hauptstadt eine Videopräsentation vorbereitet wurde.  Wer auf Menschentrauben vor Bars verzichten möchte, meide Besuche der zahlreichen angeblich von Hemingway favorisierten Bars wie Floridita und Co. Wir fanden, es ist die Mühe nicht wert.

Die Tour kostete uns 65 Pesos „CuCs“ pro Person, die konvertiert wurden 1 zu 1 in Dollar und selbst bei dem derzeit hohen USD- Kurs insgesamt einen durchaus angemessenen Preis darstellen.  

Lesen Sie mehr in unserem letzten Beitrag zu der Serie „Kuba, dem Herbst-Blues entfliehen“, der in einigen Tagen erscheinen wird mit Wissenswertem über Sicherheit in Kuba, über kleine Exkursionen rund um Varadero, mit Informationen was Urlaub in Kuba kostet, wo man Schnäppchen findet, und wie sich vielleicht die Zukunft in diesem sympathischen Land entwickeln wird.

Den ersten Artikel finden Sie hier.

Beitrag 2 hier.