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Letzte Aktualisierung: 10.12.2018

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Kuba – dem Herbst-Blues entfliehen. Teil II

von Helmut Poppe

(21.11.2018) Hinkommen, Kommunikation, Fortbewegung, Hotelangebote, Menschen vor Ort.

Bildergalerie
Transferbus Varadero
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Einheimischer Peso
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Frischer Fisch im Iberostar Alameda
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Ein von vielen Buffets im Iberostar Alameda
Foto: frankfurt-live, Poppe
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„Über den Wolken soll die Freiheit grenzenlos sein“, so oder ähnlich lautet der berühmte Text eines Liedes. Vor Abflug am Frankfurt Airport geparkt. Bei Taxikosten von 40 bis 50 € ab/bis Frankfurt oder dem Taunus eine eher kostengleiche Alternative. Langes Warten am Terminal auf den Abholer zum Abschluss der Reise entfällt. Zur „Freiheit“, nicht ganz zutreffend für unseren Flug nach Kuba. Nach einem um eine dreiviertel Stunde verspäteten Start dann in der Condor-Economy Klasse auf Sitzplätzen verbracht, deren Rückenlehnen nicht verstellbar waren. Elf Stunden, eine harte Prüfung. Über Schottland ging es südlich an Island vorbei rüber nach Halifax, bei Kanada entlang Richtung US-Ostküste runter nach Florida und dann über die gleichnamige Meeresenge die letzten knapp 100 Kilometer nach Varadero. Das Ausschecken am Flughafen war schnell geschehen. Auffallend viele hübsche junge Damen, die die Grenzkontrollen übernahmen, ein erster guter Eindruck. Tatsächlich scheint das weibliche Geschlecht in Kuba eine bemerkenswert selbstbewusste Rolle zu spielen. Kompliment!  Mitgebracht werden mussten fehlerfrei ausgefüllte Touristen-Visa, eine im Flieger überlassene Zollerklärung – alles mit „nein“ beantworten  - , nach der Krankenversicherungsbestätigung wurde nicht gefragt. Am Flughafen rasch einige Pesos, genannt CUCs -  konvertible Pesos - nur für Touristen, eingewechselt zu einem Kurs von 1 zu 1. Der Transfer zu den auf der Halbinsel östlich von Varadero gelegenen knapp 60 Hotels  verlief etwas langwierig, da der Bus, modern und mit Klimaanlage, chinesische Marke außerdem, erst einmal sechs andere Hotels ansteuern musste.

Das Einchecken im Iberostar Varadero war problemlos. Ein ausgesprochen netter Portier brachte uns durch die gepflegte Hotelanlage in einem Elektrowagen zu unserem Zimmer.  Warmherzig ohne Ende, er begrüßte die neuen Gäste wie alte Familienmitglieder mit einer Umarmung, charmant! Und … dafür war man ja auch gekommen, gleich ins Nachteben, was hier Rumba und Salsa hieß, die neuen Mittänzer wurden freundlich empfangen. So lässt sich der Jetlag leicht umgehen. Um 4 Uhr morgens deutsche Zeit fällt man dann ins Bett auf eine ausgesprochen gute Matratze gekühlt von einer im Hintergrund laufenden dezenten Klimaanlange.

Kommunikation: Telefonieren ist in Kuba für Deutsche ein Buch mit sieben Siegeln, auch wenn die Betreiber bei uns felsenfest behaupten, dass mit verschiedenen zu wählenden Sternchen, Rauten und weiteren kryptischen Nummern, es möglich sei nach Deutschland zu telefonieren. Uns ist es jedenfalls nicht gelungen. Empfehlung also, sich ein kleines Guthaben schon in Deutschland auf Skype anzuschaffen. 5 Euro können durchaus genügen und mit den fast überall zur Verfügung stehenden WLANs ist mit Skype nach Hause zu telefonieren kein Problem. Anrufe wiederum kann man erhalten – das Netz „H“ und die die Telefonverbindung wurden auf unseren Mobiltelefonen nämlich bei entsprechender Aktivierung angezeigt.

Transport: Sehr gut funktioniert das gut ausgebaute Bussystem mit Doppeldeckern in Varadero.  Für 5 Euro kann man mit einer Tageskarte beliebig oft zwischen den Hotels und der Stadt fahren. Personen, die auf dem offenen Oberdeck sitzen möchten, sollten dort angekommen, erst in Fahrtrichtung schauen und sich dann einen Platz aussuchen. Man weiß nämlich nie, was an tief hängenden Ästen einen überraschen kann. Varadero selbst war unserer Ansicht nach nicht sonderlich besuchenswert, einmal denken wir, reicht. Nostalgie und kubanische Klischees  werden bedient für solche, die mit einem der bunten Oldtimer-Taxis fahren möchten.  Böse Stimmen sagen, man sollte vor dem Einsteigen  erst nach dem Motor schauen. Wir fanden die Sache mit den Bremsen und den Reifen wichtiger. Menschen, die türkisblaues Karibikmeer suchen, seien lange Spaziergänge am Strand empfohlen, entweder Richtung zum eher einsamen Osten Richtung Marina und Mangroven-Dickicht, wo es sich bestimmt lohnt zu tauchen und zu schnorcheln. Richtung Varadero hat man ab und an Aussicht auf die  Hotels hinter den niedrigen Dünen. Nur, wenn man nicht das jeweilige all inclusive Bändchen vorzeigt, kommt man nicht an der Barrierenaufsicht vorbei. Was die Hotels anbelangt, es gibt deren auf der Halbinsel knapp 60. Wir hatten uns für eines aus der Kette Iberostar entschieden und beglückwünschten uns im Nachhinein zu der Wahl. Empfehlenswert ist auch die ebenfalls spanische Hotelkette Melia. Andere, in die wir kurz hineinschauen konnten, fanden wir eher ein wenig „betonlastig“.  In den letzten 10, 20 Jahren ist enorm viel Geld, schätzungsweise eine halbe Milliarde Euro nach eigenen Hochrechnungen, hier in Infrastruktur und Hotels investiert worden. Varadero ist damit einer der drei oder vier größten kubanischen Touristen-Hotspots und stellt die wichtigste Devisenquellen dar. Beschäftigung finden in dieser Region einige Tausend Kubaner. Sie verdienen für kubanische Verhältnisse attraktives und gutes Geld. Erhaltene Trinkgelder sind ein wichtiges Standbein hierbei, das, wenn es bei 50 CUCs/Euro im Monat liegt, fast das Doppelte eines durchschnittlichen kubanischen Monatseinkommens ausmacht. Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, dass nach jedem Schichtwechsel zahlreiche einheimische Busse die Bediensteten „Trabajaderos“  von den Hotels zu Zentralbahnhöfen Richtung Wohnung fahren. Ein Großteil der Beschäftigten muss für die Hin- und Rückfahrt durchaus bis zur benachbarten Provinz Manzanas pro Tag 2 bis 3 Stunden aufwenden. Touristen dürfen diese Busses nicht nutzen, auch solche einheimische Busse, die nach Havanna fahren, nehmen einen nicht mit. Mehr zu Havannafahrten lesen Sie in einem der folgenden Beiträge dieser Serie.

Insgesamt lässt sich zu den angebotenen Dienstleistungen sagen, dass sie freundlich und umfassend erfolgten. Wir sahen keine Mängel. Mit einem Lächeln und einem freundlichen Händedruck kommt man immer gut an. Auf, Deutsche, lasst uns trainieren!

Kurzinformationen zum Hotel Iberostar Alameda:

Hoher Erholungswert. Warmherziges Personal. Geschmackvoll eingerichtete Zimmer.
Schöner Strand. Abseits von Betonburgen.
Tolle tropische Anlage mit einem kleinen See, mit von Königspalmen gesäumten Wegen, mehreren (Themen-)Restaurants und Pool. Im Zimmer: Internationale TV-Programme, ein deutsches. Gut funktionierende  Klimaanlage. Mehrere 220-Voltanschlüsse. Gute Matratzen. Regelmäßiger Room-Service. Kühlschrank wird nachgefüllt, Handtücher ausgewechselt.  Gut ausgestatteter Fitness-Raum. Coiffeur-Salon, guter Schnitt, günstige Preise.

Klitzekleines Manko, wer glaubt, dass viele Tanzmöglichkeiten angeboten werden, irrt. Abends mitunter shines aber keine Salsakurse oder Rueda. Angesichts des "Massenphänomens" latino dances in Europa eine entgangene Chance fürs Hotel. Schade.

Der Pool ist ok, für Bahnenschwimmer nicht geeignet, da teils zu flach und Kanten. Bingo-Time nachmittags am Becken, da hilft Oropax oder auf den Strand Richtung Osten ausweichen. Tour nach Havanna: Colonial lohnt sich schon wegen der schönen Fahrtstrecke. Museum Colonial besuchen, ein MUSS! Hierüber mehr in einem folgenden Beitrag.

Abendveranstaltungen: viele kubanische Musik- und Tanzdarbietungen. Highlight: eine "weiße Nacht" mit 5 verschiedenen Gruppen, tatsächlich 5-Sterne-Qualität von Klarinetten-Klassik und Artistik mit einer starken Frau bis hin zu Latino Jazz-fusion. Alleine das, ein Grund für die Hotelauswahl.  Essen und Trinken mehr als ok. Erstaunlich die importierte Käse- und Weinauswahl. Ein wahrer Knaller – man ist ja so bescheiden – die morgendlichen knusprigen Croissants. Hierzu die tropische Konfitüre und frisch gepresste Gojavensäfte, ein Genuss! Tipp an die Adresse des Hotels: konfektionieren und als Mitbringsel-Souvenir anbieten. Angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. In unserem Fall keine 1000 € für 2 Personen, 7 Tage all inclusive. Gebucht über einen ‚letzte Minute‘-Anbieter mit dem entsprechenden englischsprachigen Namen. Dessen Service beschränkte sich auf Reisebestätigung und die Belastung des Kreditkartenkontos mit einem nicht unbedingt vertrauenserweckenden Namen, der eher – jaja - man ist in Lateinamerika – an einen einheimischen Tanz erinnert. Anrufe in München oder Berlin beim „customer care“ wurden nicht durchgestellt. Dies erweckt kein Vertrauen. Das nächste Mal dann halt woanders.

 

Wetter und Meer: Da gibt es nicht viel zu sagen, heiß bei 32 Grad, sonnig und abends ein kühlender Passatwind. Nur am letzten Tag ein wenig Regen.  Das Wasser bei 26 Grad. Am letzten Tag an manchen Stränden wegen starker Strömung Badeverbot. Ansonsten flacher kinderfreundlicher Einstieg.

 

It’s the economy (stupid). Dieser Spruch der dem damaligen Präsidenten Clinton zugedacht war und der boomenden Wirtschaft, hat auch auf Kuba seine Gültigkeit. Leider eher anders herum. Spricht man mit US-Amerikanern kubanischer Herkunft, diese dürfen in der  Tat in das Land zurückkehren und zwar seit Obama direkt aus Florida ohne den Umweg über Kanada nehmen zu müssen, höret man in der Regel hinter vorgehaltener Hand harsche Kritik. Es stimmt, ein Großteil der Gebäude entlang der Uferstraße Malecon ist in einem sehr schlechten Zustand. Auch viele Häuser in den alten Vierteln und selbst das Qohiba-Hotel sehen grau und verschlissen aus. Bei einem Bruttoinlandsprodukt von - konkrete und belastbare Zahlen widersprechen sich –  pro Person deutlich unter 10.000 € und das somit nur einen Bruchteil des deutschen ausmacht, stehen für Investitionen wenig Mittel zur Verfügung. Wie Gelder zurückgeholt werden, sieht man alleine schon  an den drastischen Abgabenzwängen, welche kubanische Ärzte, die an das Ausland wie zum Beispiel Brasilien ausgeliehen wurden, an den Staat zurückzahlen müssen. Ähnlich sieht es bei privatwirtschaftlichen Initiativen im Lande aus. Der „Cuentapropismo“, Unternehmen, die auf eigene Rechnung arbeiten, unterliegen zahlreichen Regelungen und Abgabezwängen. Dem ungeachtet hat sich die Anzahl der in privatwirtschaftlichen Unternehmen Beschäftigten in den letzten Jahren stark entwickelt. Ausländische Investoren bemängeln eine schlechte Zahlungsmoral öffentlicher Stellen, eine starke Überregulierung und einen hohen Fachkräftemangel. Hier drückt sich eine gewisse Überakademisierung in der Bildungspolitik aus. Ein Land, das in der Ausdehnung größer als Deutschland ist und über gute landwirtschaftliche Ressourcen verfügt, ist erstaunlicherweise nicht in der Lage sich nur zu einem hohen Teil aus dem eigenen Landwirtschaftsangebot zu ernähren. Als Gründe hierfür werden fehlenden Düngemittel, Maschinen und …  zu wenig Manpower genannt.

Nach wie vor ist der Stolz – und das nicht ganz zu Unrecht – auf das eigene System und erst recht das Land groß. Immer noch wirkt der emblematische Kommunismus mit Köpfen und Ikonen wie Che Guevara und Fidel.

 

Ein Wort noch zur Verlässlichkeit von Internet-Reisebewertungsportalen und Papier-Reiseführern.

Bei einem Vergleich zwischen der Beschreibung und angetroffener Realität fällt auf, dass die geäußerte Kritik in Online-Portalen häufig nicht nur unhöflich gegenüber kubanischen Dienstleistern sondern auch häufig überzogen ist. Wenn jemand unbedingt für 30 Euro am Tag All Inclusive in Top Qualität wünscht, darf er sich nicht wundern. Was Reiseführer in Papierform anbelangt, sind diese auch eher mit Vorsicht zu genießen. Man gewinnt leicht den Eindruck, dass hier häufig Alternativreisende schreiben, die dringend 220-Volt-Steckeradapter und Chlortabletten empfehlen oder  von http-Protokollen reden, wenn sie Internet meinen. Entweder sind solche Reiseautoren in den letzten Winkel der Sierra im Osten Kubas vorgedrungen oder die Auflage des Führers ist in den letzten zwanzig Jahren nicht aktualisiert worden.

Lesen Sie im folgenden Beitrag Berichte zu Reisen, Angeboten und Ausflügen rund um Varadero und nach Havanna.

Den ersten Beitrag „Kuba – dem Herbst-Blues entfliehen“ finden Sie bei Klick hier.