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Letzte Aktualisierung: 24.05.2019

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Klein Zack und Jacques

Rémond-Theater zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(13.05.2019) Zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach sollte es etwas Besonderes sein am Fritz-Rémond-Theater. Denn - wer kennt sie nicht, die Melodien aus Offenbachs Opern und Operetten? Die süß schwingende Barcarole, den wilden Can-Can, den schmissigen Klein Zack!

Stefan Laube, Carsten Fuhrmann, Dirk Witthuhn, Susanne Eisenkolb, Elisabeth Ebner
Foto: Helmut Seuffert
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Die Aufgabe an den Autor Rogér Défossez „Geliebter Jacques…..Offenbach, den kennen Sie doch!“ lautete, ein Stück zu schreiben mit den Melodien des Komponisten, das aber nicht nur so ein Potpourri sein sollte. Er hat es dann umgesetzt in ein Geschichtchen, das in der Garderobe eines kleinen Theaters spielt, in der sich die Schauspieler – drei Damen und zwei Herren – umkleiden und schminken, um zum x-ten Mal „Die kahle Sängerin“ von Ionesco auf die Bühne zu bringen. Das langweilt alle!

Als Bühnenbild präsentiert sich am Rémond-Theater eine Garderobe (Bettina Neuhaus), unaufgeräumt, leere Sekt- und Weinflaschen stehen herum, ein überquellender Abfalleimer müsste geleert werden, ein Ständer mit Kostümen und Requisiten macht neugierig. Das Spiel kann beginnen. Das Publikum ist voller Erwartung. Am Anfang steht mal wieder – wir sitzen schließlich in einem Frankfurter Theater – ein abgedroschener Witz über die Nachbarschaftsstadt Offenbach.

Irgendeiner summt dann die Barcarole, die eingängige Melodie, die selbst von der Werbung, genutzt wird „Schöne Nacht, Du Liebesnacht“ gab es mal wieder – wir sitzen schließlich in einem  Frankfurter Theater  – einen abgedroschenen Witz über die Nachbarstadt Offenbach. Die Schauspielerkollegen und Kolleginnen, ihrer Rollen in der kahlen Sängerin überdrüssig, schlüpfen in Figuren aus Offenbachs Werken, bedienen sich aus dem Kostüm- und Requisiten-Fundus, sind Helena, die Straßensängerin La Périchole, werden Hausdiener und Baron und Baronin aus Pariser Leben. Vergnüglich ist es zuweilen, wie die Protagonisten Susanne Eisenkolb, Elisabeth Ebner, Carsten Fuhrmann, Dirk Witthuhn und Steffen Laube all das umsetzen und dann sogar den Garderobenständer zur Pariser Eisenbahn umfunktionieren. Eine wahrlich furiose Idee. Musikalisch begleitet werden die Mimen von Cordula Hacke am weißen Flügel, die auch die musikalische Leitung hatte, gekonnt, einfühlsam hervorragend. Herauszuheben ist auch die Gesangsleistung besonders der Damen – und hier explizit Elisabeth Ebner.

Die Verkleidungen werden immer grotesker. Putzfeudel werden zu Perücken, Töpfe zu Helmen. Die Handlung ist unübersichtlich, soll es vielleicht auch sein, was ist Spiel und was tut sich zwischen den Theaterkollegen?

Eine nette Überraschung ist es für die Zuschauer, als nach der Pause der Vorhang noch geschlossen ist, aber die Takte des Can-Can aus Orpheus in der Unterwelt immer wilder mit Getrampel und Jauchzern zu hören ist. Als sich der Vorhang öffnet, sieht man die Akteure lethargisch herumhängen und nur mit den Füßen stampfen. Enttäuschung? Nein, der Can-Can wird dann nachgeliefert von Männlein und Weiblein, wild mit den passenden Röcken, Strapsen bei den Damen und Rüschenhös´chen. Es wäre schade drum gewesen, darauf verzichten zu müssen. Man erwartet ihn doch stets, sobald man den Musikernamen Jacques Offenbach hört.

Es war ein netter, unübersichtlicher Abend mit schwer nachvollziehbarer Handlung, aber mit exzellenten Schauspielern, einer souveränen Pianistin Hacke und überraschenden Einfällen.

Regie führt Rainer Lewandowski.

Weitere Vorstellungen bis zum 16. Juni (DI – SA um 20 Uhr, SO 18 Uhr, montags spielfrei)  Karten ab 17.50 Euro unter (069)435166 oder www.fritzremond.de oder auf www.eventim.de