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Letzte Aktualisierung: 30.05.2017

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Killer und Selbstmörder

`Die Nervensäge` in der Komödie

von: von Karl-Heinz Stier

(20.03.2017) Autor Francis Veber liebt in seinen Stücken Verwechselungen und spielt gern mit den Erwartungshaltungen seiner Zuschauer, führt sie in die Irre und wartet mit überraschenden Wendungen auf. So auch geschehen in dem neuesten Programm „Die Nervensäge“, das in der Frankfurter Komödie in der Neuen Mainzer Straße Premiere hatte.

Wenn auch im wesentlichen Dialoge gepaart mit allzu starker Lautstärke und überdimonsioniert zwischen Ralph (Christian Fischer) und Francois Pignon (Markus Majowski) in exzellenter Weise ihre persönlichen Probleme herausspielten, so war die „Nervensäge“ nicht frei von Klamauk. Doch die running gags gaben dem Stück die Würze, wie das stets unerwartete Herunterkrachen des Rolladens, das Zücken der Pistole, mit dem Ralph seinen Zimmerkumpan erschießen will, das Hin– und Herschleppen und Verstecken des Koffers mit geladenem Gewehr oder das verzweifelte Chanson von Edith Piaf „Non, rien de rien….“, das Francois  auch als begabten Sänger ausweisen könnte.

Was war die Ausgangslage des Veber-Stückes, das 1970 unter dem Titel „Der Kontrakt“ in Paris als Welterfolg uraufgeführt,  nicht lange danach mit Lino Ventura und Jaques Brel verfilmt wurde und auf Deutschlands Bühnen  das grandiose Scheitern zweier höchst unterschiedlicher Männer in der Komödie am Kurfürstendamm auch die deutschen Zuschauer begeisterte?

Berufskiller Ralph soll einen Mafia-Kronzeugen, sobald er das Gerichtsgebäude in Montpellier betritt, per Fernschuss liquidieren. Im Hotel gegenüber hat er sich ein Zimmer mit Blick auf den Tatort reservieren lassen. Alles ist präzise geplant. Das Gewehr liegt bereit. Aber irrtümlicherweise wurde das Hotelzimmer doppelt vergeben- auch an Francois, frisch von seiner Ehefrau verlassen und zutiefst verzweifelt, will  er hier seinem tristen Dasein ein Ende setzen. Ein Selbstmordversich scheitert. Doch plötzlich glaubt Trauerkloß Pignon in Ralph einen neuen Freund fürs Leben gefunden zu haben. Mit seinen unaufhörlichen Quengeleien, seinem pausenlosen Gequassel und seinem Selbstmitleid treibt er den eiskalten Killer langsam aber sicher in den Wahnsinn.

Die schauspielerische Fähigkeit der Mitwirkenden ist lobenswert.  Markus  Majowski als „Nervensäge“ und ehemaliger Hemdenvertreter brilliert als verlassener Ehemann, hin- und her gerissen zwischen aggressiven und depressiven Symptomen läuft zu Höchstformen auf, wenn auch die Dialoge gelegentlich zu langatmig erscheinen. Killer Ralph, ein kühl kalkulierender Berufskiller, geht auf seinen Zimmerbewohner ein, was man eigentlich nicht erwartet. Das Psychodrama erfährt durch den mehrmaligen Auftritt im falschen Moment durch den Hotelpagen (Gabriel Spagna), der Hoteldirektor werden will und dem man den Charakter einer weiteren „Nervensage“ nicht absprechen kann,  und dem neuen Geliebten von Francois Ehefrau Luise  Dr. Wolf (Dirk Waanders) , einem arroganten Psychiater, dem Ralph als falschem Nebenbuhler eine Beruhigungsspritze gibt, den Höhepunkt des Verwechselungsspiels. Doch mehr soll nicht für das Ende nicht verraten  werden.  Bleibt noch die Ehefrau Luise (Christine Richter), die auch gegen Ende des Stückes auftritt  - als naive, unentschlossene und beziehungsunfähige Frau.

Alles in allem: eine durchaus sehenswerte amüsante Komödie, die von Regisseurin Pia Hänggi gekonnt inszeniert und von Bühnenbilder Tom Grasshoff als Zimmer 503 des Hotels in Montpellier mit Blümchentapeten und wenig Mobilar ausgestattet wurde, dem Publikum gefallen hat. Das rhythmische Klatschen als Schlussapplaus hat das Ensemble durchaus verdient.

Weitere Aufführungen: bis 30. April (Di – Sa um 20 Uhr, So um 18 Uhr, montags spielfrei. Karten unter Tel. (069)284580 oder www.diekomoedie.de und www.eventim.de