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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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Königin Silvia von Schweden mit dem Karl Kübel Preis ausgezeichnet

von Ilse Romahn

(09.09.2019) Die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie zeichnete Königin Silvia von Schweden in Bensheim mit dem Karl Kübel Preis 2019 aus. Die schwedische Monarchin erhielt den Award, der mit 25.000 Euro dotiert ist und in diesem Jahr zum 20. Mal verliehen wurde, für ihr herausragendes Engagement für Kinder weltweit.

Königin Silvia von Schweden bei der Verleihung des Karl Kübel Preises 2019 durch Stiftungsratsvorsitzenden Matthias Wilkes
Foto: Karl Kübel Stiftung / Thomas Neu
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Bereits am Vormittag hatten sich zahlreiche Fans der Königin vor dem Musiktheater Rex versammelt, um der beliebten Monarchin zuzujubeln. Die gebürtige Heidelbergerin nahm den Award von Matthias Wilkes, Stiftungsratsvorsitzender der Karl Kübel Stiftung, in Anwesenheit von rund 250 geladenen Gästen entgegen.

„Wir freuen uns sehr, Ihrer Majestät am heutigen 110. Geburtstag unseres Stifters den Preis übergeben zu dürfen“, sagte Wilkes. „Königin Silvia versteht es in beispielhafter Art und Weise, sich mit ihrer Kinderrechtsorganisation World Childhood Foundation gegen Ausbeutung und Missbrauch von Kindern einzusetzen.“ In über 100 Projekten weltweit hilft diesen Kindern, die von sexueller Ausbeutung oder Missbrauch betroffen oder bedroht sind. Das Preisgeld kommt der World Childhood Foundation zugute.

Als langjähriger Wegbegleiter im Engagement für Kinder hielt Peter Maffay, Sänger und Karl Kübel Preisträger 2016, eine berührende Laudatio: „Ihre Majestät hat immer genau hingeschaut, wo andere weggesehen haben. Sie sind die beste Botschafterin für Kinder in Schweden und auf der ganzen Welt.“

„Ich bin stolz darauf, diesen renommierten Karl Kübel Preis entgegenzunehmen! Uns verbindet ein wichtiges Anliegen: dass Kinder ohne Vernachlässigung und Gewalt aufwachsen können“, sagte Königin Silvia bei der Überreichung des Awards. Die Weltgesundheitsorganisation geht für Deutschland von einer Million betroffener Mädchen und Jungen aus, die sexuelle Gewalt erlebt haben oder erleben. „An dieser erschreckenden Zahl wird sich so schnell auch nichts ändern, wenn wir Erwachsenen dieses Tabuthema nicht offen ansprechen, wenn wir nicht aufmerksam sind, Kinder ernst nehmen, ihnen zuhören und verantwortungsvoll handeln“, betonte die Monarchin.

In ihren Childhood-Häuser erhalten missbrauchte Kinder schnelle und kindgerechte Hilfe durch multiprofessionelle Teams aus Ärzt*innen, Psycholog*innen und Anwält*innen. Dies ergänzt sich hervorragend mit der Arbeit der Karl Kübel Stiftung, die darauf ausgerichtet ist, möglichst viele Professionen zu Kinder- und Familienthemen an einen Tisch zu holen. Dies wird zum Beispiel beim Kampf der Stiftung gegen Kinderhandel deutlich: In Ländern wie den Philippinen sensibilisiert sie Menschen vor Ort, schult Fachpersonal und vernetzt lokale Akteure mit Regierungsvertretern, Polizei etc. So schafft sie funktionierende Systeme, um den Kinderhandel zu stoppen und Verbrecher konsequent vor Gericht zu bringen.

Auch in Deutschland engagiert sich die Karl Kübel Stiftung dafür, Kinder vor Vernachlässigung und Gewalt zu schützen, etwa im Bereich der Frühen Hilfen. Um die Synergien zwischen beiden Stiftungen noch stärker zu nutzen, wird derzeit ein gemeinsames Projekt in Deutschland geplant.

Verleihung des Heeg-Medienpreises
Im Rahmen der Veranstaltung wurde ebenfalls der nach dem verstorbenen Stiftungsratsmitglied benannte Dietmar Heeg Medienpreis verliehen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und steht in diesem Jahr unter dem Motto „Familie – Schutzraum für Kinder“. Aus rund 90 Bewerbungen wählte die Jury eine TV-Dokumentation und einen Zeitungsbeitrag aus.

Antje Lang-Lendorff wurde für ihren Artikel „Unser Glück wohnt immer noch bei uns“, der in der taz am Wochenende erschien, ausgezeichnet. Schnörkellos skizziert die Journalistin darin die Geschichte einer Familie, die versucht, trotz einer vernichtenden Krankheitsdiagnose ein glückliches Leben zu führen. Ihre beiden Kinder leiden an der unheilbaren, sehr seltenen Krankheit Friedreich-Ataxie und werden mit der Zeit alles verlernen: Laufen, Sprechen, Sehen, Schlucken. Wie geht man mit einer solchen Diagnose im Alltag um? Das Wechselbad der Gefühle, das damit verbunden ist, spiegelt sich in prägnanten Dialogen, wie dem folgenden der beiden Brüder wider: „Wir werden irgendwann im Rollstuhl sitzen.“ - „Na und? Hauptsache er ist schnell.“

Die TV-Dokumentation „Ich bin Sophia!“ von Norbert Lübbers begleitet ein zehnjähriges Mädchen, das als Junge geboren wurde, und dessen Familie. Mit viel Fingerspitzengefühl vermittelt Lübbers in seinem Film, wie Sophia ihre eigene Veränderung erlebt. Dabei berührt er grundsätzliche ethische Fragen der Geschlechtsumwandlung. „Ich bin Sophia!“ zeigt eindrucksvoll die Komplexität des Themas Transsexualität.

„Beide Beiträge lassen uns die Entwicklung der Familien, ihre hellen und dunklen Momente hautnah miterleben. Sie wecken unser Mitgefühl, aber auch unsere Bewunderung“, erklärte Jury-Mitglied Christopher Wittich.

Zum feierlichen Abschluss der Veranstaltung sang Sängerin Christina Stürmer gemeinsam mit Kindern der Bensheimer Singschule St. Georg das Lied „Seite an Seite“.

Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie   www.kkstiftung.de