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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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Internationalisierung auf hohem Niveau

Lederwarenmesse in Offenbach auf Erfolgskurs

von Karl-Heinz Stier

(10.09.2019) Zum 70. Geburtstag zeigte sich die Offenbacher Lederwarenmesse (ILM) von ihrer besten Seite. „Die Präsenz führender Marken, ein sorgsam zusammengestellter Aussteller-Mix, nützliches Praxis-Wissen und darüber hinaus ein beliebter Branchentreffpunkt – das ist das, was uns attraktiv und profitabel macht“, so bilanzierte Arnd Hinrich Kappe, Geschäftsführer der Messe Offenbach die 151. Ausgabe der ILM, die gestern in den Offenbacher Messehallen zu Ende ging.

Bildergalerie
Jubiläums - Messeplakat
Foto: Karl-Heinz Stier
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Geschäftsführer Kappe mit Angaben zu Herbstmesse 2019
Foto: Karl-Heinz Stier
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Schwerpunkt der Messe: Damentaschen – der Durchschnittswert einer exportierten Ledertasche: 56,78 Euro
Foto: Karl-Heinz Stier
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Runde Formen dominieren über alle Preislagen hinweg.
Foto: Messe Offenbach
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Auch viele der 300 Aussteller, die ihre neuesten Taschen-, Gepäck- und Accessoire-Kollektionen für Frühjahr/Sommer präsentierten, kamen zu ähnlichen Urteilen. Hier zwei  Meinungen:

„In Offenbach wird gearbeitet! Aussteller und Händler schätzen die angenehme Orderatmosphäre“, so  Georg Picard vom gleichnamigen Unternehmen in Obertshausen im Kreis Offenbach. „Wichtig ist der persönliche Austausch, der direkte Kontakt zu den Anbietern und das Anfassen der Produkte vor Ort. Das kann nur eine gute Messe wie die ILM“, meinte ein Händler aus Süddeutschland stellvertretend für viele seiner Kollegen. 

Geschäftsführer Kappe wies zu Beginn der Messe darauf hin, dass 56 Prozent der Aussteller aus dem Ausland kommen. 29 Länder waren vertreten, davon an der Spitze Italien mit 50 Firmen, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. Aber auch weit entfernte Nationen wie Australien waren gekommen. „Eine verstärkte Nachfrage verzeichnen wir vor allem von hochwertigen Taschenherstellern aus Italien. Das unterstreicht den hohen modischen Anspruch unserer Messe, sie ist ein verlässlicher Markt“, bemerkt Kappe. Veranstalter und Anbieter legten in Offenbach traditionell Wert auf einen hohen Praxisbezug z.B. auf Vortragsreihen wie Shop-Design oder Trends in Sachen Mode und Design. Außerdem wurden die Runways Shows komplett überarbeitet. Es gab Trendvorträge zur nächsten Saison, die Modeentwicklung für die übernächste Saison oder neu ist ein „Concept Square“, der als Platz zum Arbeiten oder auch als zum Kontakte-Knüpfen dienen sollte.

Ihre Besten der Branche ehrte die ILM in einer glamourösen Veranstaltung im Capitol. Und das waren die von einer namhaften Experten-Jury ermittelten Preisträger:
Den ILM Award 2019 „Best in Basics“ geht an die Ledermanufaktur Braun Buffel in Kirn für die  klassische Herrentasche „Arizona 2.0“ in weichem vollnarbigem Rindleder und einer „perfekte Verarbeitung“.

In der Kategorie „Best in Fashion“ überzeugte die Bree Collection aus Hamburg mit der hochwertigen Damenhandtasche „Nature Beauty“, die in der Formsprache durch die Auswahl ausschließlich europäischer Materialien bestach.

Den Award in der Kategorie „Best Newcomer“ erhielt das junge Unternehmen MDLR aus Hachenburg für ihren Mix aus Design, Funktion und Kommunikation. Je nach Geschmack und Anforderung lassen sich die sportlich-urbanen  unisex Taschen und Accessoires miteinander verbinden. Der ILM Award ist mit insgesamt 6 000 Euro dotiert.

Einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie im 1.Halbjahr 2019 gab Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer im Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie bei der Eröffnung der Messe. Danach hat sich die Umsatzentwicklung abgeschwächt. Die Verkaufserlöse lagen bei - 0,7 Prozent auf 332 Millionen Euro, etwa in der Höhe des Vorjahreszeitraumes. „Der Wandel im Einzel–  und Online-Handel setzt sich weiter fort. Nur wenige Hersteller konnten sich positiv entwickeln.“

Stütze der deutschen Lederwarenhersteller war der deutsche Markt. Die Verkaufserlöse lagen hier in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 3,1 Prozent höher (236, 7 Millionen Euro). 72 Prozent des Gesamtzuwachses kamen vom Inlandsmarkt. Angesichts der Unsicherheit im Welthandel blicken die Lederwarenhersteller „nur verhalten in die Zukunft“. Mehr als die Hälfte erwarten eine gleichbleibende Auftragslage und für das zweite Halbjahr 2019 ein stabiles Exportgeschäft.

Der Bundesverband des Deutschen Lederwaren-Einzelhandel, der erneut ein Verlust der Lederwarengeschäfte diesmal von 36 Unternehmen beklagt, geht mit gedämpftem Optimismus und mit Hoffnung in die letzten Monate dieses Jahres. Nach ersten Hochrechnungen wurden im letzten Jahr Lederwaren im Wert von 2,7 Milliarden Euro verkauft. Diese Zahl umfasst alle Vertriebswege – vom Fachgeschäft über den Online-Handel bis zu den Lebensmitteldiscountern.

Was die modischen Taschentrends für die Saison Frühjahr/Sommer angeht, so sieht Modeexperte Martin Wuttke „mehr Ruhe, mehr Klasse, mehr Chic“ als zentrale Botschaft. Monochrome Looks - oft frei von Drucken - signalisierten einen erkennbaren Modewechsel. Bling – Bling sei nicht mehr gefragt. „Simplizität, Authentizität sind der Neue Luxus. Natürlichkeit und Nachhaltigkeit gelten als neue Trendsetter“. Es werde mehr Wert auf Qualität und Langlebigkeit der Produkte wie Leder gelegt. Insbesondere die Jugend achte sehr darauf. Übrigens kaufe der Kunde nicht „öko“ sondern schaue darauf,  wie das Produkt von außen aussieht. Beim Reisegepäck sei das Aluminium nach wie vor ein festes Thema.