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Letzte Aktualisierung: 18.10.2019

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Hupfdohle mit Rollator

Premiere in der Komödie Frankfurt mit „Spätlese“

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(11.09.2019) Das Bühnenbild ist nett: ein freundlich eingerichtetes Vestibül mit Korbmöbeln, viel Grün, hell und einladend. Hier treffen sich drei wohlsituierte Damen, die ihren Lebensabend in der Seniorenresidenz „Abendrot“ verbringen, regelmäßig zum Plausch.

Anna Kretschmer, Viktoria Brams (sitzend), Christiane Hecker. Achim Wolff (sitzend), David Imper, Christiane Rücker
Foto: Helmut Seuffert
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In Trauerkleidung erscheinen sie nach und nach auf der Bühne. Sie hatten wieder einmal an einer Beerdigung teilgenommen, eine Insassin war verstorben. Diese Trauerfeiern sind Höhepunkte neben Bridge-Spielen und Earl Grey trinken. 

Und schon hupft eine ins Bühnenbild, einen  Rolator schiebend. Es ist die demente Agnes (Christiane Hecker), die ihre Zimmernachbarinnen nervt mit albernen Verwechslungen – sie hält jeden Mann, den sie sieht, für Dr. Winkler, ihren Jugendschwarm. Die beiden anderen Damen sind auch sehr speziell. Josefine, weit über achtzig, erzählt nur von der Zeit als sie ein Bühnenstar war, und Maria ist eine traurige wohlversorgte Witwe. Die drei Damen reden unentwegt, und meistens aneinander vorbei. 

Es könnte  eine interessante Story werden, ist man geneigt zu glauben. Aber mitnichten! Es entwickelt sich eine Geschichte ohne roten Faden. Der kecke Pfleger Patrick (David Imper), der Strafstunden zu absolvieren hat, erscheint, hat aber wenig mit dem Geschehen zu tun. Bruno (Achim Wolff) Marke älterer Herr mit grauen Haaren, charmant, stets zu einem Handkuss bereit, zieht ein, treibt aber die Handlung nicht voran, und es erscheint auch eine Tochter, die von Maria angeblich kurz nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben wurde, aber der Auftritt gibt wenig Impulse für das, was passiert. 

Zwischen den Szenen hupft Christiane Hecker alias Agnes weiter, den Rollator schiebend, wie ein junges Mädchen über die Bretter und spielt die Alzheimer-Kranke, der man die Krankheit aber gar nicht abnehmen kann. Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ wird bemüht und andere Fernsehsendungen, die Gags nerven zunehmend. Der Pfleger erscheint als Double eines Rock-Stars, Bruno fällt ins Koma, um dann aber mit einem gigantischen Rosenstrauß putzmunter wieder seine Avancen zu machen, und auch die Tochter (Anna Kretschmer) kommt noch einmal unvermittelt, um der Mutter Maria zu verzeihen. Es war schwierig, einen Sinn im Spiel zu erkennen. 

Die Schauspielerinnen und Schauspieler meisterten ihre Rollen tadellos. Sie nutzten jede Situation, um das Publikum zu amüsieren, was ihnen dank ihrer Routine auch oft gelang.

„Spätlese“ ist noch bis zum 27. Oktober 2019 in der Komödie zu sehen. 

Regie führt Pia Hänggi, das Bühnenbild gestaltete Tom Grasshof. 

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