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Letzte Aktualisierung: 18.10.2019

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Historisches Archiv der Deutschen Bank ist nun national wertvolles Kulturgut

von Ilse Romahn

(08.10.2019) Institut sammelt und erforscht historische Unterlagen zur fast 150-jährigen Geschichte des Finanzunternehmens.

Das hessische Verzeichnis national wertvollen Kulturguts ist um einen Eintrag reicher: Zentrale Bestände aus dem Historischen Archiv der Deutschen Bank zählen jetzt dazu. Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn hat mitgeteilt, dass diese Erweiterung im Bundesanzeiger veröffentlicht worden ist. Das Archiv besteht seit 1961 und umfasst Quellen zur Geschichte der Deutschen Bank seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Eintragung in das Verzeichnis werden Kulturgüter besonders geschützt – zum Beispiel vor Beschädigung und Abwanderung ins Ausland. 

„Die Dokumente ermöglichen einen umfassenden Einblick in die fast 150-jährige Geschichte eines der wichtigsten Bankinstitute der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Vorgängerstaaten“, so Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn. „Geschäfts- und Personalakten, Depot- und Kontounterlagen, historische Wertpapiere, Zeitungsausschnitte, Karten und Pläne, Fotos und Filme: Sie alle spiegeln politische und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen in der Geschichte Deutschlands wider. Ich freue mich, dass wir einen solch bedeutende Sammlung in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufnehmen können.“

Im Archiv lagern unter anderem Dokumente zur Finanzierung von Staatsprojekten wie der Bahnverbindung Istanbul-Bagdad im Osmanischen Reich. Zeugnisse der Industriegeschichte, etwa Unterlagen zur Gründung von Firmen wie AEG oder Mannesmann, sind hier ebenso zu finden wie Dokumente zu Filmfinanzierungen – etwa zum expressionistischen Stummfilm „Metropolis“ aus den 1920er Jahren, der als erster Film ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Einen wichtigen Forschungsschwerpunkt bildet auch die Arbeit der Deutschen Bank zur Zeit des Nationalsozialismus. Hierzu wurden Studien herausgebracht, etwa zum Thema „Arisierungen“ und Goldtransaktionen während des Zweiten Weltkrieges. 

Am 29. August 1961 entschied sich der Vorstand der Deutschen Bank für den Aufbau eines Historischen Archivs in seiner Frankfurter Zentrale – als Reaktion auf den Kalten Krieg: Nach dem Bau der Berliner Mauer konnte die Bank nicht mehr auf die Unterlagen ihrer früheren Zentrale in Ost-Berlin zugreifen. In Vorbereitung des 100-jährigen Jubiläums im Jahr 1970 wollte die Deutsche Bank jedoch zumindest das in Westdeutschland verstreute Material zusammentragen. Nach dem Mauerfall 1989 kam die Deutsche Bank wieder in den Besitz der Akten ihrer früheren Berliner Zentrale. Die Archivverwaltung der DDR übergab dem Historischen Archiv 12.600 Aktenbände. Längst sammelt das Archiv aber nicht mehr nur, sondern vermittelt auch historisches Wissen – zum Beispiel mit Buchveröffentlichungen. Deswegen wurde es 1996 zum Historischen Institut der Deutschen Bank erweitert. 

Jedes Bundesland hat sein eigenes Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes, in dem es besonders schützenswerte Kulturgüter zusammenträgt. Zeugnisse des kulturellen Erbes sollen dadurch vor Beschädigung und Zerstörung geschützt und ihre Abwanderung ins Ausland verhindert werden. Im hessischen Verzeichnis stehen zum Beispiel weitere historische Firmenarchive, etwa von Merck und Hoechst, sowie Nachlässe und Briefsammlungen des Freien Deutschen Hochstifts mit handschriftlichen Aufzeichnungen von Johann Wolfgang von Goethe. Auch der weltweit einzigartige Fürst vom Glauberg und der in Waldgirmes gefundene bronzene Pferdekopf, der über die zivile Besiedelung Germaniens durch die Römer Aufschluss gibt, finden sich dort.