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Letzte Aktualisierung: 26.03.2019

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Heussenstamm-Stiftung: Ciao und Ahoi

Geschäftsführerin der Heussenstamm-Galerie Dagmar Priepke geht in Ruhestand

von Ilse Romahn

(10.01.2019) Nach gut 10 Jahren in der Heussenstamm-Stiftung und knapp 20 Jahren im Kulturamt geht die Geschäftsführerin Dagmar Priepke Ende Januar in den Ruhestand. Sie verlässt die Stiftung, die sie mit frischem Wind und Engagement für die Jetztzeit aufgestellt und mit vielen Ideen auf den Weg gebracht hat.

In diesen zehn Jahren hat Priepke zahlreiche Projekte initiiert, welche die Kunst mit dem sozialen Engagement, dem Stiftungssinn folgend, verbinden sollten und konnten. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin des ‚Eastside’ Beatrix Baumann, hat Priepke ein sozial-künstlerisches Projekt ins Leben gerufen, das Drogenabhängigen die Möglichkeit gibt, eigene Kreativwerke öffentlich zu zeigen. Mit dem Projekt „Mittendrin Outsider“ holte sie unterschiedlichste Menschen jeglichen Alters, die sich am Rand der Gesellschaft bewegen, in die Mitte der Galerie. Zu ihren spannendsten Ausstellungen gehörte sicherlich die überregional beachtete Fotoausstellung „Ihr glücklichen Augen“ des Fotografen Rudi Weissenstein, zu deren Eröffnung Weissensteins 98-jährige Witwe aus Tel Aviv anreiste.

In Priepkes Stiftungszeit erschienen allein neun Publikationen. Darunter mehrere Kataloge, aber vor allem drei Veröffentlichungen zur Geschichte der Stiftung, so erst vor wenigen Monaten über die Frankfurter Jahre der Malerin Ottilie W. Roederstein und deren Lebensgefährtin, der Ärztin Elisabeth Winterhalter. Mit dem Fotografen Harald Schröder entwickelte sie die Fotoserie „Wir zeigen Frankfurter Künstler“, die mittlerweile 16 Künstlerinnen und Künstler aus Frankfurt porträtiert.

Die Geschäftsführerin der Stiftung, die den Süden, das Meer, italienische Schlager und Espresso liebt, sagt von sich selbst: „Jetzt geht die letzte Rock’n Rollerin bei der Stadt.“ Dagmar Priepke hat sich zu allen Zeiten im Arbeitskontext engagiert. Über viele Jahre als Frauenbeauftragte am Museumsufer Frankfurt und an der Braubachstraße als Mitinitiatorin der Interessengemeinschaft dieses vielfältigen Straßenzuges. Ihr beruflicher Werdegang ist bunt: von der Deutschen Nationalbibliothek über Alice Schwarzers Feministisches Dokumentationszentrum, die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung und das Museumsufer Frankfurt.

In der Heussenstamm-Galerie hat sie ihr kreatives und organisatorisches Potenzial mit großer Leidenschaft eingesetzt und um ihre humorvolle Sicht auf das Leben und die Arbeit bereichert. Die langwierige Sanierung der Galerieräume an der Braubachstraße parierte sie 2012 mit Rilkes Gedicht über die Geduld. Ihrer Herzensangelegenheit, Kunst für alle nahbar zu machen, auch für die Menschen, die normalerweise nicht in Museen und Galerien zu finden sind, blieb sie über all die Jahre treu. Auf die Frage, ob es ihr schwerfalle, den Platz der Geschäftsführung in der Heussenstamm-Stifung zu räumen, antwortet sie mit einem Zitat von Franz Rückert: „Füge Dich der Zeit, erfülle deinen Platz und räum ihn auch getrost: Es fehlt nicht an Ersatz!“ Nun tauscht sie die Kunst gegen die Ruhe, was man sich bei dieser lebendigen Person kaum vorzustellen vermag. Und so hat Priepke bereits Pläne: zwei weitere Publikationen herausbringen und durch hiesige Espressobars flanieren. (ffm)