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Letzte Aktualisierung: 19.08.2019

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Hessische Perspektiven für Brüssel

von Ilse Romahn

(18.07.2019) Themenschwerpunkt Klimaschutz zum Start der Sommertour von Europaministerin Lucia Puttrich: „Hessen will mitreden, wenn Brüssel die Prioritäten der nächsten Jahre setzt.

„In Hessen werden an sehr vielen Stellen wichtige Beiträge zum Klimaschutz geleistet. Als Hessische Landesregierung können wir diese Initiativen unter anderem dadurch unterstützen, dass wir die Vernetzung fördern“, fasst die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich den ersten Abschnitt ihrer Sommertour zusammen.

Puttrich trifft derzeit mit zahlreichen Akteuren in Hessen, Berlin und auf europäischer Ebene zusammen, um hessische Perspektiven zu den Themen zu entwickeln, die die Europäische Kommission als Schwerpunkte ihrer Arbeit in den kommenden fünf Jahren definieren will. „Wir Hessen wollen mitreden, und deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um sich zu positionieren. Dazu spreche ich gezielt mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, um Impulse von Experten aufzunehmen.“

Eine ehrgeizige Klimapolitik wird eines dieser zentralen Themen sein. Die finnische Ratspräsidentschaft, die seit 1. Juli im Amt ist, habe dem Kampf gegen den Klimawandel oberste Priorität eingeräumt und auch die künftige EU-Kommission werde hier einen Schwerpunkt setzen, sagt Lucia Puttrich weiter.

In Hessen gibt es verschiedene Institutionen, deren Expertise in der Forschung und der Umsetzung von Maßnahmen überregional anerkannt ist, sagte Puttrich nach ihren Besuchen beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach, bei der ESWE Verkehrsgesellschaft in Wiesbaden und an der Uni Kassel. „Der Deutsche Wetterdienst spielt in der weltweiten Zusammenarbeit der Wetterdienste eine wichtige Rolle und sein Präsident Gerhard Adrian ist nicht ohne Grund vor kurzem zum Vorsitzenden des Weltverbands WMO gewählt worden. Wer die Daten sieht, die aus Offenbach kommen, weiß: Der Klimawandel ist längst Realität.“

Bei der ESWE in Wiesbaden informierte sich die Ministerin darüber, wie lokale Nahverkehrsgesellschaften mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen und wie die Schadstoffbelastung in der Landeshauptstadt verringert werden soll. „Hier geht es nicht nur um den Umstieg der kompletten Busflotte auf Elektromobilität, sondern um ein integriertes Gesamtkonzept, das verschiedene Verkehrsmittel miteinander verbindet und die Infrastruktur modernisiert und digitalisiert.“ Wiesbaden habe sein Konzept in enger Abstimmung mit Darmstadt und Mainz entwickelt. „Das ist richtig, weil der Klimawandel nicht an Ortsschildern Halt macht. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um voneinander zu lernen und wirksame Konzepte überregional zu entwickeln. Deshalb ist auch die Vernetzung mit anderen Metropolregionen wichtig, um Erfahrungen auszutauschen. Was zum Beispiel in Bordeaux schon funktioniert, muss in Hessen nicht komplett neu erfunden werden. Hier können wir als Landesregierung auf europäischer Ebene unterstützen und ich denke dabei auch an unsere Partnerregionen“, betonte die Hessische Europaministerin.

Welche Auswirkungen der Klimawandel auf unterschiedliche Lebensbereiche hat, wird im Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung (CliMA) an der Universität Kassel fachübergreifend untersucht. „Wir haben unter anderem über die Folgen für die Landwirtschaft gesprochen. Im vergangenen Jahr mussten wir auch in Hessen mit extremen Witterungslagen von Starkregen bis Dürre umgehen. Das hat dramatische Folgen für den Ackerbau und die gesamte Vegetation. In Kassel und Witzenhausen erforschen  Experten deshalb in Pilotprojekten neue Anbaukonzepte, die den neuen Gegebenheiten Rechnung tragen.“

Im Gespräch mit einem Vertreter der „Fridays for Future“-Bewegung in Gießen stand vor allem die Erwartungshaltung der jüngeren Generation an die Klimapolitik der EU im Fokus. Die Diskussion dürfe nicht darauf reduziert werden, dass Schülerinnen und Schüler dem Unterricht fernbleiben, um für ihr Anliegen zu protestieren. „Ich kann die Ungeduld vor allem junger Menschen beim Thema Klimaschutz verstehen“, betonte die Hessische Europaministerin nach dem Gespräch. Auch wenn wir uns nicht in allen Punkten einig waren, teilen wir aber die Gesamteinschätzung: Wir müssen bei diesem wichtigen Thema mehr tun und schneller handeln.“

"Wir brauchen eine Vielzahl an geeigneten Initiativen in unterschiedlichen Lebensbereichen greifen, um eine globale Lösung beim Klimaschutz zu finden“, betont Lucia Puttrich abschließend. Auch innerhalb der EU müssten Kompetenzen noch besser gebündelt werden. „Wir müssen voneinander lernen und Organisationen vernetzen, um die maximale Schlagkraft zu entfalten. Da schlummert gewaltiges Potential. Wir wollen deshalb unser Netzwerk in Brüssel zur Verfügung stellen und die Landesvertretung als Plattform nutzen, damit sich Experten noch besser und einfacher austauschen können.“

Weitere Themenschwerpunkte der Sommertour von Europaministerin Lucia Puttrich werden Mobilität, Sicherheit, Forschung und Digitalisierung sein.

www.hessen.de