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Letzte Aktualisierung: 19.07.2019

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Gute Halbjahresbilanz am Frankfurter Arbeitsmarkt

Trotz vieler Arbeitslosmeldungen bleibt Arbeitslosenquote bei 4,9 Prozent

von Ilse Romahn

(03.07.2019) Die Arbeitslosigkeit in der Stadt Frankfurt ist im Juni 2019 erneut leicht zurückgegangen. Insgesamt waren im Juni 20.178 Menschen bei der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Frankfurt am Main arbeitslos gemeldet.

Mit einem Minus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat fiel der Rückgang unwesentlich höher als im Mai aus, die Zahl der Arbeitslosen lag aber mit einem Minus von 6,2 Prozent (1.342 Personen) weiterhin deutlich unter dem Vorjahreswert. Im Kontext von Fluchtmigration wurden im Juni 1.288 Arbeitslose gezählt.

Karl-Heinz Huth, Chef der Arbeitsagentur Frankfurt: „Die sich abschwächende wirtschaftliche Lage macht sich noch nicht bei den Arbeitsmarktzahlen in Frankfurt bemerkbar. Obwohl sich im Monat Juni gut 100 Menschen mehr als im Mai arbeitslos melden mussten, ist die Gesamtbilanz positiv. Der Frankfurter Arbeitsmarkt ist sehr dynamisch. Gute Fachkräfte finden hier schnell wieder eine Arbeit. Aber wir müssen auch schauen, dass wir Menschen in Erwerbsleben eingliedern, die nicht so gute Voraussetzungen mitbringen. Immerhin haben über 62 Prozent der bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Frankfurt gemeldeten Arbeitslosen keinen Berufsabschluss. Darum gilt es schon in der Schule Jugendliche für eine Ausbildung zu begeistern. Aber auch für junge Erwachsene lohnt sich noch eine Qualifizierung oder Weiterbildung, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verringern. Unsere Beratungsfachkräfte stehen gerne mit Rat und Tat zur Verfügung, wenn es um das Thema „Lebenslanges Lernen“ oder Berufsausbildung geht.“

Im Rechtskreis Sozialgesetzbuch III (SGB III), für den die Agentur für Arbeit allein zuständig ist, lag die Arbeitslosenzahl unter dem Vormonatswert. Insgesamt waren 7.107 Personen im Juni 2019 bei der Agentur für Arbeit Frankfurt arbeitslos gemeldet. Das waren 0,5 Prozent weniger als im Mai. Im Rechtskreis des Sozialgesetzbuchs II (SGB II), für den das Jobcenter Frankfurt verantwortlich ist, gab es aktuell ebenfalls einen Rückgang der Arbeitslosenzahl zu verzeichnen. Insgesamt waren hier im Juni 13.041 Menschen arbeitslos gemeldet, 0,4 Prozent weniger als im Vormonat.

Ende September 2018, dem letzten Quartalsstichtag mit gesicherten Angaben, gingen 595.124 Personen in Frankfurt einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 21.217 oder 3,7 Prozent. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (plus 4.159 oder 5,2 Prozent), gefolgt von Lagerei und Verkehr mit einem Plus von 3.615 Beschäftigten (4,3 Prozent).

Bei der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main waren im Juni 2.203 Arbeitsstellen neu gemeldet worden. Das waren zwar über 200 Stellen oder zehn Prozent mehr als im Mai, aber seit Jahresbeginn gingen fast 15 Prozent weniger Stellen als im Vorjahreszeitraum ein. Gute Einstellungschancen bieten derzeit Berufe in den Bereichen Verkehr und Logistik, die Sicherheitsbranche, das Hotel- und Gastgewerbe und immer mehr die IT-Branche. 

Ausbildungsmarkt:
Von Oktober 2018 bis Juni 2019 haben sich bei der Arbeitsagentur Frankfurt 3.668 Ausbildungsplatzsuchende gemeldet. Etwas weniger als im Vorjahreszeitraum (minus 4,4 Prozent). Der Bedarf an neuen Azubis ist durchaus vorhanden, denn bisher 3.869 gemeldete Ausbildungsstellen gilt es zu besetzen. Hier ist ein Rückgang von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu registrieren. Aktuell sind 1.649 junge Menschen noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dieser Zahl stehen noch 1.851 unbesetzte Stellen gegenüber. Es gibt also gute Chancen, noch in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz zu finden. Durch Bewerberbörsen und freie Sprechstunden versucht die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Frankfurt, Ausbildungsinteressierte und Personalentscheider gezielt zusammen zu bringen. Die meisten Ausbildungsstellen wurden in den Bereichen Einzelhandel und Büromanagement gemeldet. Hierfür interessierte sich auch die Mehrheit der Ausbildungssuchenden.

„Unternehmen müssen sich heute fragen: „Wo stehe ich in fünf oder zehn Jahren? Wieviel meiner zurzeit Beschäftigten sind dann noch im Betrieb? Wo muss ich rechtzeitig gegensteuern, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein?“, so Huth. „Ich kann nur raten:  geben Sie den Jugendlichen eine Chance zu einer Berufsausbildung. Das beginnt schon mit einem Schülerpraktikum. Sicher ist es für einen Betrieb anstrengend, ein dreiwöchiges Praktikum intensiv zu betreuen, aber es lohnt sich. Viele Firmen geben Schülerinnen und Schüler aus einem Praktikum gerne einen Ausbildungsplatz, da diese sich bereits mit dem Betrieb vertraut und das Unternehmen sich ein Bild über die Fähigkeiten gemacht hat. Junge Menschen müssen sich ausprobieren und sehen, welche Ausbildung ihnen liegt und Freude macht. Das ist natürlich bei über 360 Ausbildungsberufen nicht leicht. Deshalb nutzen Sie die Chance und zeigen das Besondere Ihres Betriebes und der Berufe dort. Bieten Sie Ausbildungsstellen an, dann sichern Sie sich langfristig qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir helfen Ihnen nicht nur bei der Suche nach Ihren künftigen Fachkräften, sondern bieten bei Bedarf finanzielle Unterstützung, Hilfe beim theoretischen Unterricht oder sozialpädagogische Begleitung des jungen Menschen, wenn es doch mal schwierig wird.“ 

Prognose:
Huth betrachtet mit leichten Sorgenfalten den Anstieg der Arbeitslosmeldungen in den letzten Wochen: „Noch gelingt es, die Menschen zu anderen Arbeitgebern zeitnah zu vermitteln, daher stieg die Arbeitslosenquote nicht an. Die Frage ist, bleibt der Arbeitsmarkt - besonders für geringqualifizierte Menschen - so aufnahmefähig? Insbesondere für den Juli rechne ich mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Von beiden Marktpartnern – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – ist Flexibilität beim Stellenbesetzungsprozess zukünftig Voraussetzung. Arbeitnehmer müssen offen für neue Tätigkeiten sein und Arbeitgeber sollten mit Unterstützung der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters bereit sein, im Hinblick auf den Fachkräftemangel betriebliche Qualifizierungsprogramme zu initiieren. Hier hilft das neue Qualifizierungs- und Chancengesetz.“

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