Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 17.06.2019

Werbung
Werbung

goEast 2019: Die Jugend von Damals und Heute

von Ilse Romahn

(08.04.2019) 109 Filme aus 39 Ländern werden in diesem Jahr von Mittwoch, 10., bis Dienstag, 16. April, bei goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films zu sehen sein. Festivalleiterin Heleen Gerritsen stellte das Programm am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden vor und freute sich über 23 Deutschlandpremieren, drei Internationale Premieren und eine Weltpremiere bei goEast.

Daneben bietet das Festival ein deutlich ausgebautes Begleitprogramm mit Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Filmgesprächen und natürlich den legendären goEast Partys. Neu in diesem Jahr ist das „Paneuropäische Picknick".

„Im 19. Jahr von goEast feiert das DFF den 70. Geburtstag seiner Gründung hier in Wiesbaden als erste Filmerbe-Organisation der Bundesrepublik Deutschland", sagte Ellen Harrington, Direktorin des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum. „Wir danken der Landeshauptstadt und dem Land Hessen für die Unterstützung unserer Mission und für die Unterstützung von goEast, das sich seit 2001 für eine lebendige Debattenkultur einsetzt. Mittel der Wahl ist dabei der Film, der auf vielfältige Weise deutlich macht, dass Demokratie ein zentrales Gut eines vereinten Europas ist. goEast ist ein Schaufenster für das Kino Ost- und Mitteleuropas und fordert – 30 Jahre nach dem Fall der Mauer – zugleich Respekt für alle, insbesondere auch für die marginalisierten Teile der Gesellschaft", betonte Harrington.

Der goEast Wettbewerb besteht auch in diesem Jahr wieder aus sechzehn Filmen, die um die drei Hauptpreise des Festivals konkurrieren. „Der diesjährige Wettbewerb zeichnet sich aus durch Werke von jungen Filmschaffenden, darunter einige Debütfilme, und Werke, in denen Generationskonflikte inhaltlich eine Rolle spielen. Damit knüpfen die Filme an aktuelle gesellschaftliche Tendenzen an – auch im Westen gehen Jugendliche und Millennials auf die Straße und lehnen sich gegen die Entscheidungen und die Politik der älteren Generationen auf", sagte Festivalleiterin Heleen Gerritsen. „Im Osten wird der Konflikt noch dadurch verschärft, dass die Generationen in unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Systemen aufgewachsen sind. Ästhetisch und inhaltlich wählt die neue Generation von Filmschaffenden eine andere, neue Filmsprache", so Gerritsen weiter. „Junge Menschen und ihre Motivation im Leben, ihr Entdeckungs- und Emanzipationsdrang oder auch ihr Verhältnis zu älteren Familienmitgliedern und Autoritäten stehen oft im Mittelpunkt der diesjährigen Filme. Aber etwa auch die Frage danach, warum junge Menschen bereit sind, Opfer zu bringen für ihre politischen Überzeugungen", verriet Gerritsen.

Rund 200 Filmschaffende aus Mittel- und Osteuropa werden bei goEast zu Gast sein. Želimir Žilnik und Sami Mustafa gehören zu den Gästen des diesjährigen Symposiums „Konstruktionen des Anderen. Roma und das Kino Mittel- und Osteuropas". DemAltmeister der polnischen Neuen Welle, Krzysztof Zanussi, ist in der Hommage eineumfangreiche Werkschau gewidmet, die vielfach ausgezeichnete Regisseurin und diesjährige goEast Jury-Präsidentin Teona Strugar Mitevska präsentiert ihren Eröffnungsfilm GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA. Zum ersten Mal kooperiert goEastanlässlich 30 Jahre Mauerfallsmit dem FilmFestival Cottbus:Der Themenschwerpunkt „Bleibt alles anders? –Die wilden Neunziger" lenkt den Blick zurückauf die Umbruchszeit nach dem Mauerfall. Mit der neu geschaffenen Veranstaltungreihe „Paneuropäisches Picknick" werden sowohl die Grenzen zwischen Ost und West als auch interdisziplinäre Grenzen zwischen Film, Literatur und Kunst überschritten. Bei den Filmtalks im „goEast Salon" hat das Publikum die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre mit den Filmschaffenden des Wettbewerbs direkt ins Gespräch zu kommen.

Für Axel Imholz, Kulturdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, ist die Geschichte der Stadt vielfältig mit den osteuropäischen Nachbarländern verknüpft. Der bekannte Maler Jawlensky, der in Wiesbaden lebte und auch beigesetzt ist, und die Russisch-Orthodoxe Kirche der heiligen Elisabeth Romanow auf dem Neroberg, seien die bekanntesten Beispiele, die diese Verbindung dokumentierten. „goEast bringt internationale Filmschaffende und Filminteressierte nach Wiesbaden und schafft mit seinen Filmen und Gesprächsangeboten wichtige Einblicke und Verständnis für die Kulturen unserer östlichen Nachbarn – das ist heute ebenso aktuell und wichtig wie zu Beginn des Festivals", so Imholz. Wiesbaden schätze sich glücklich, ein so einzigartiges Festival-Highlight wie goEast in der Landeshauptstadt zu haben, betonte der Kulturdezernent.

Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der in diesem Jahr das Pilotprojekt „Paneuropäisches Picknick" fördert, freut sich darauf ganz besonders: „30 Jahre nach dem Paneuropäischen Picknick von Sopron an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich müssen wir uns heute fragen, wie einig und grenzfrei unser Europa ist und wie es um den Zusammenhalt und die Verständigung bestellt ist." Umso wichtiger sei es, die Errungenschaften der Verständigung auf allen Ebenen und in allen Ausprägungen zu wahren und auszubauen, so Müller. „Das ist der Ansatz des Paneuropäischen Picknicks in Wiesbaden: Es geht darum, eine Brücke zu schlagen zwischen dem etablierten Filmfestival und kleinen Kulturvereinen; eine Brücke zu Orten außerhalb der Filmbühnen, an denen Menschen mit mittel- und osteuropäischem Migrationshintergrund aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zusammenkommen."

Dr. Markus Ingenlath, Geschäftsführer von Renovabis,erklärte: „goEast nimmt mit der Auslobung eines Recherche-Stipendiums für Dokumentarfilme im Bereich Menschen- und Minderheitenrechte in Osteuropa aktuell brisante Themen in den Blick.Das ist ganz im Sinne der Arbeit von Renovabis: Wir wollen einen glaubhaften und ungeschönten Blick auf die Situation in unserer Nachbarschaft werfen, denn nur so kann echter Dialog gelingen", so Ingenlath. „Daneben bietet das Festival die Möglichkeit, einen anderen Informationskanal wie den Film zu nutzen und zu zeigen, dass diese politisch sensible Thematik zum breiten Spektrum unseres Auftrags gehört, wenn wir von Förderung zivilgesellschaftlicher Entwicklung sprechen", betonte Ingenlath.

Am 10. April geht goEast–Festival des mittel-und osteuropäischen Films in die 19. Runde, eröffnet wird mit GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA (GOSPOD POSTOI, IMETO I' E PETRUNIJA, Nordmazedonien, Belgien, Slowenien, Kroatien, Frankreich 2019)der nordmazedonischen Regisseurin Teona Strugar Mitevska.

www.filmfestival-goEast.de