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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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Gegen das Vergessen wirken

Bürgermeister Becker erinnert an den 90. Geburtstag von Anne Frank

von Ilse Romahn

(08.06.2019) Ärztin, Anwältin oder Schriftstellerin, selbst Mutter und Großmutter, was wäre wohl aus Anne Frank geworden, wenn sie und ihre Familie nicht von ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main in die Flucht getrieben worden wäre, nur weil sie Jüdin war. Fragen, die anlässlich des 90. Geburtstags von Anne Frank am 12. Juni aufkommen.

„Sie ist die bekannteste Tochter unserer Stadt, nicht weil sie danach gestrebt hätte, sondern weil diese Stadt sich ihrer in der Zeit des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte unwürdig gezeigt hat und mit Schuld an Leid und Tod von Anne Frank trägt“, sagt Bürgermeister und Kirchendezernet Uwe Becker. „Und jedes menschliche Wort von Anne Frank hat heute noch so viel mehr Größe als jenes Wort vom damals Großen. Fragen zur Menschlichkeit einer Gesellschaft, die sie in ihrem Tagebuch niedergeschrieben hat, sind auch heute noch aktuell. Leider sehen wir erneut das Anwachsen von extremem Nationalismus in Europa. Wir beobachten einen wachsenden Antisemitismus und wir nehmen Gruppierungen und Parteien in Deutschland wahr, die statt auf ein Miteinander unserer Gesellschaft darauf abzielen, die Gesellschaft zu spalten, Hass und Angst zu säen und die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das Tagebuch der Anne Frank wirkt gegen das Vergessen.“

Das Tagebuch von Anne Frank ist weltberühmt und Weltliteratur. Es wurde in über 70 Sprachen übersetzt, als Bühnenstücke aufgeführt und verfilmt. Es gehört zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Darin schreibt die 13 jährige Anne Frank über ihr Leben vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944. Das Tagebuch beginnt in der Wohnung am Merwedeplein, den größten Teil aber schreibt sie im Hinterhaus des Gebäudes Prinsengracht 263 in Amsterdam, wo sich die Familie und Bekannte zwei Jahre verstecken, um sich vor der Deportation zu schützen. Nach der Verhaftung findet die Helferin Miep Gries das Tagebuch von Anne Frank und übergibt es nach dem Krieg an Annes Vater Otto Frank, der als einziger seiner Familie den Holocaust überlebt hatte.

„Mit Hilfe der Bücher kann ein für junge Menschen persönlicherer Zugang in die dunkelste deutsche Geschichte gelingen. Manche Kinder und Jugendliche finden sich vielleicht auch in einigen Gedanken von Anne Frank wieder und somit bleibt der Holocaust nicht abstrakt, sondern berührt und bewegt die Leserinnen und Leser. Es erinnert uns alle daran, dass wir eine gemeinsame Verpflichtung haben für unsere Werte, unsere Rechtsstaatlichkeit und Demokratie einzutreten. In unserer offenen und toleranten Gesellschaft dürfen Ausgrenzungen, Hass und Antisemitismus keinen Platz haben“, betont Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker abschließend. (ffm)