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Letzte Aktualisierung: 25.06.2019

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Günter Possmann erhält die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt

von Ilse Romahn

(11.04.2019) Apfelwein ist ein Stück echtes Frankfurt. Seit gut 250 Jahren macht die Apfelweinkultur einen großen Teil des Lebensgefühls der Stadt aus. Zu dieser Kultur leistet auch die in Rödelheim ansässige Apfelweinkelterei Possmann ihren Beitrag.

Oberbürgermeister Feldmann, Frau Rauscher, Günter Possmann und Apfelweinkönigin Larissa I. im Kaisersaal
Foto: Stadt Frankfurt / Salome Roessler
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Günter Possmann übernahm 1964 - gemeinsam mit seinem Cousin Werner Volkmar Possmann - als Inhaber und Geschäftsführer die Kelterei. Bis 2004 leitete er die Geschicke des Familienunternehmens. Er ist eine Persönlichkeit, die sich einer jahrzehntelangen Familientradition folgend für die Pflege von Brauchtum in Frankfurt einsetzt. Weit über seine beruflichen Herausforderungen hinaus an der Spitze des Apfelwein-Unternehmens liegen ihm bis heute als Seniorchef der Erhalt und die Pflege der regionalen Streuobstwiesen besonders am Herzen.

Für seine Verdienste um die Stadt hat Possmann am Dienstag, 9. April, die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt erhalten. „Wir ehren hier im Kaisersaal Menschen, die sich um Frankfurt verdient gemacht haben, so wie Sie, Herr Possmann“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der Verleihung.

Frankfurt sei eine junge, schnelllebige Stadt und manchmal sogar atemlos. Doch die Sehnsucht nach Tradition sei präsent, das zeige das Interesse und die Freude der Menschen an der neuen Altstadt, sagte Feldmann. Und fügte hinzu: „Frankfurt braucht die Tradition als Anker im Ozean der Moderne. Dazu gehört unbestreitbar die Kultur rund um den Apfelwein.“ Beim Stöffche kämen alle zusammen – alt und jung, Einheimische und Besucher, Banker und Kapitalismuskritiker. „Alle sitzen friedlich beim Ebbelwei.“ Für das Stadtoberhaupt ist eines deutlich: „Herr Possmann, Sie stehen mit Ihrem Familienunternehmen für diese Tradition.“

„Unsere Stadt steckt für mich immer noch voller Merkwürdigkeiten und ihre Verwaltung voller Überraschungen. Verleiht mir doch der Magistrat die Ehrenplakette der Stadt! Mein Dank gilt allen, die für mich gestimmt haben. Ich hoffe, dass auch weiterhin viele unserer engagierten Frankfurter ausgezeichnet werden. Ganz im Sinne ,fer Frankfurt das Beste'!“, sagte Possmann.

Die Geschichte der Familienkelterei Possmann reicht ins Jahr 1881 zurück: Gegründet in Rödelheim, waren nach Luftangriffen 1946 die Anlagen an der Eschborner Landstraße völlig zerstört. Es wurde ein großer Natursteinkeller gebaut, der ein Jahr später drei große ehemalige U-Boot-Lagertanks für Saft beherbergte. Auch das „Stöffche“ erhält in diesem kühlen und feuchten Keller seine Reife und seinen vollen Geschmack. „Die Geschichte ist toll: Aus der Not wurde eine Tugend gemacht. Aus Kriegsgeräten enstanden Tanks für den Apfelwein“, sagte Feldmann.

„Sie sind ein Stück dieser Firmengeschichte, denn sie stehen mit Apfelwein und Tradition zu Frankfurt als Stadt und als Marke. Aber das ist nicht alles: Auch um das Petri-Haus in Rödelheim haben Sie sich verdient gemacht“, sagte Feldmann. Als 1998 der Förderverein von Wilhelm Bender gegründet wurde, habe Possmann als überzeugter Rödelheimer viele Jahre aktiv im Vorstand des Fördervereins gearbeitet und geholfen, das historische Haus wieder erstehen zu lassen. „Ihr Engagement für das Petri-Haus hat kulturelles Erbe bewahrt. Das tut Rödelheim gut –denn nicht immer steht der Stadtteil auf der Sonnenseite.“

Possmann steht mit seinem wirtschaftlichen und kulturellen Engagement für Frankfurter Bürgersinn. Denn gemeinsam mit Frankfurter Handwerksbetrieben ist die Wiederherstellung des Petri-Hauses, das 1720 erbaut und 1819 vom Bankier Georg Brentano erworben wurde, gelungen. „1980 stand das Schmuckstück der Romantik vor dem Abriss. Heute ist es in der ,Romantikroute' aufgenommen: Alles mit Ihrem Engagement und der unentgeltlichen Arbeit Frankfurter Handwerker ermöglicht“, sagte das Stadtoberhaupt.

Für Feldmann verbindet Günter Possmann Unternehmergeist mit Traditionsbewusstsein und habe stets dabei ein gutes Gespür für die Stadt: „Zu Recht erhalten Sie heute die Ehrenplakette, denn Sie haben als Sohn dieser Stadt Frankfurt viel zurückgegeben. Dafür danke ich Ihnen.“ (ffm)