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Letzte Aktualisierung: 29.06.2017

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Bisher vermisstes Metropolis-Filmmaterial

aus Buenos Aires in der Murnau-Stiftung eingetroffen

(13.07.2009)  Wiesbaden – „Über Jahrzehnte hinweg galt die Originalfassung von Fritz Langs Stummfilmklassiker Metropolis (1925/26) als verschollen. Nachdem vor einem Jahr in Buenos Aires etwa 30 Minuten des vermissten Materials entdeckt wurden, erfüllt sich jetzt, nach Ankunft des Materials bei der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden, für alle an Filmkultur Interessierten ein langgehegter Traum: Im kommenden Jahr wird Metropolis erstmals seit Jahrzehnten wieder nahezu komplett gezeigt werden können“, sagte Staatsminister Stefan Grüttner, Chef der Hessischen Staatskanzlei, der sich bei einem Besuch im Deutschen Filmhaus über das bundesweit bedeutendste Filmrestaurierungsprojekt informierte.

Die im Auftrag der Murnau-Stiftung restaurierte Fassung von Metropolis aus dem Jahr 2001 ist der erste Film überhaupt, der in das Memory of the World Register der UNESCO aufgenommen wurde.

„Für unsere Stiftung bietet sich in diesem Jahr mit der Eröffnung des Deutschen Filmhauses und dem Restaurierungsprojekt von Metropolis die historische Chance, die Pflege unseres reichen filmischen Erbes einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen und gesellschaftliche Unterstützung zu generieren“, betonte Eberhard Junkersdorf, Kuratoriumsvorsitzender der Murnau-Stiftung. „Um das epochale Meisterwerk in modernster Technik für ein breites Festival- und Kino-Publikum sowie im Fernsehen und auf DVD verfügbar zu machen, wird die Restaurierung in den kommenden Monaten zu einer Hauptaufgabe der Murnau-Stiftung.“

„Metropolis gehört zu den herausragenden Kulturschätzen unseres Landes und steht weltweit exemplarisch für das Medium Film. Die Restaurierung gibt einen hervorragenden Einblick in die jahrelange umfangreiche Arbeit der Murnau-Stiftung zur Bewahrung des deutschen Filmerbes.“

Die Abgleicharbeiten sowie die Rekonstruktion der Montage der Uraufführungsversion haben die hoch gesteckten Hoffnungen des Restauratoren-Teams erfüllt. „Nun beginnt die anspruchsvolle Arbeit, das große Verschleißspuren aufweisende Material aus Argentinien technisch zu bearbeiten und in die bei der Murnau-Stiftung vorhandene Fassung zu integrieren“, berichtet Helmut Poßmann, Vorstand der Stiftung.

Metropolis – Fragment und Mythos
Bis zum heutigen Tag fasziniert Metropolis und beeinflusst auch aktuelle Filmschaffende. Zum Mythos des Klassikers hat sicherlich beigetragen, dass man dank der vielen überlieferten nichtfilmischen Quellen über Jahrzehnte hinweg von der längeren Fassung wusste, von der aber keine Kopie aufzufinden war. Bis zum Fund von Buenos Aires blieben so entscheidende Teile von Metropolis – in einer Länge von nahezu 30 Minuten – trotz zahlreicher Recherchen durch Generationen von Filmhistorikern und Archivaren verschollen. So musste auch der Restaurierungsversuch der Murnau-Stiftung und ihrer Partner vor wenigen Jahren – bei dem es erstmals gelang, Metropolis in bis dahin nicht bekannter fotografischer Güte zu präsentieren – unvollständig bleiben.

Aus kommerziellen Gründen hatte die Verstümmelung des Monumentalfilmes unmittelbar nach seiner Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo begonnen. Die von der Filmprüfstelle mit einer Länge von 4.189 Metern genehmigte Fassung lief dort vier Monate ohne Erfolg, weshalb die UfA den Film zurückzog und eine deutlich gekürzte Fassung mit einer Länge von 3.241 Metern für den landesweiten Kinostart im Sommer 1927 herstellte.

Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung- setzt sich seit ihrer Gründung vor 43 Jahren für den Erhalt, die Pflege und die Zugänglichmachung eines Großteils des deutschen Filmerbes von herausragender kultur- und filmhistorischer Bedeutung vom Beginn der Laufbilder bis zum Anfang der 1960er Jahre, nämlich 2.000 Stummfilme, 1.000 Tonfilme und rund 3.000 Kurzfilme (Werbe-, Kultur-, Dokumentarfilme), ein. Darunter finden sich neben Metropolis die großen Klassiker des deutschen Kinos wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Die Nibelungen“, „Der blaue Engel“, „Die Drei von der Tankstelle“, „Münchhausen“, „Grosse Freiheit Nr. 7“ und „Helden“, ebenso eine Vielzahl von Filmen bedeutender Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Detlef Sierck, Helmut Käutner und Wolfgang Staudte.

Seit April 2009 betreibt die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in zentraler Lage der Landeshauptstadt Wiesbaden das Deutsche Filmhaus, das filmkulturellen Einrichtungen, Interessenvertretungen aus der Filmwirtschaft sowie Film- und Medienunternehmen ein gemeinsames Domizil bietet. In dem modernen Büro- und Veranstaltungskomplex bietet das Murnau-Filmtheater einen öffentlichen Kinospielbetrieb, der Multi-Funktionsbereich dient für Veranstaltungen und Ausstellungen. (hbh)