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Letzte Aktualisierung: 04.06.2020

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Kampf um die biologische Vielfalt

400 Besucher bei der ersten Frankfurter Biodiversitätskonferenz

von Ilse Romahn

(21.02.2017)  Frankfurt - Vielfalt ist Frankfurts Stärke. Das gilt aber nicht nur für die Menschen, die in der Stadt leben, sondern auch für die Natur. Als „ein Zentrum der Biodiversität“ bezeichnete Professor Georg Zizka vom Senckenberg-Forschungsinstitut die Stadt Frankfurt bei der ersten Biodiversitätskonferenz am Montagabend, 20. Februar, im Casino der Goethe-Universität. Sie habe einen erstaunlichen Anteil am Artenreichtum des Landes.

400 Gäste waren der Einladung des Umweltamtes gefolgt, um sich im Campus Westend über die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt in Frankfurt zu informieren und auszutauschen. Allein 15 Initiativen waren da, um sich bei einem Markt der Möglichkeiten zu präsentieren – unter ihnen die Zoologische Gesellschaft, BUND, NABU, Bauernverband, AG Feldhamsterschutz, Mauerseglerinitiative und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Dass die Lebensräume für Flora und Fauna enger werden und auch in Frankfurt immer mehr Arten bedroht sind, betonte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. „Der Klimawandel, vermehrter Flächenverbrauch und intensivierte Landwirtschaft tragen zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Auch hier in Frankfurt gibt es Arten, die auf der Roten Liste stehen und die es zu schützen gilt.“

Der Erhalt der Stadtnatur sei gerade in einer wachsenden Stadt ein gesellschaftliches Anliegen, betonte Peter Dommermuth, Leiter des Umweltamtes. Die urbane Natur sichere Lebensräume für Tiere und Pflanzen, biete den Menschen Orte für Freizeit und Erholung und schaffe Identität und Heimat.

„Der Schwund der Artenvielfalt muss gestoppt werden“, forderte Matthias Kuprian vom Hessischen Umweltministerium. Der Verlust der Arten- und Sortenvielfalt oder auch der Vielfalt an alten Haustierrassen bringe auch wirtschaftliche Nachteile mit sich. Als besonders schützenswerte „Hessen-Arten“, die in Frankfurt zu Hause sind, zählte er auf: Barbe, Bechsteinfledermaus, Feldhamster, Grünes Besenmoos, Heldbock, Heringsmöwe, Küchenschelle, Mantelmöwe, Mauersegler, Zwerggras, Mittelmeermöwe, Nymphenfledermaus, Saatkrähe, Schneider, Speierling, Steinkauz und Wanderfalke. Jedoch: Im Kampf um den Erhalt der biologischen Vielfalt gibt es auch Erfolge. So berichtete Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Umweltamt vom Biber, der im Fechenheimer Mainbogen schon mehrere Bäume umgenagt habe. Aus dem Bonameser Nidda-Altarm, der noch vor 20 Jahren verfüllt gewesen sei, sei inzwischen der „Amazonas in Bonames“ geworden.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt könne nur im Zusammenspiel mit den verschiedenen städtischen Ämtern und den Initiativen gelingen. Wichtig seien etwa die Bachpaten, die die Bäche und Flüsse von Unrat und Müll befreiten. Gemeinsam mit der Stadtentwässerung sei das Höchster Wehr renaturiert worden. Ziel des Rückbaus der Wehre ist, den Fischen die Wanderung flussaufwärts zu ermöglichen.

Jedoch auch mitten in der Stadt, etwa im Europaviertel, wird die Biodiversität sichtbar: Die Mauereidechse hat dort ein eigenes, abgesperrtes Revier. Dass Pflanzen in der Bankenstadt gedeihen können, bewies Rothenburger am Beispiel der Frankfurt School of Finance. An deren neuem Standort an der Adickesallee wächst eine sehr seltene Orchidee – die Bocks-Riemenzunge. „Wir mussten keine große Überzeugungskraft aufbringen, um sie davon zu überzeugen, den Standort zu schützen und die Orchidee in die Freiflächenplanung aufzunehmen.“