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Letzte Aktualisierung: 16.11.2018

Besuch im Circus Busch

Eine Betrachtung von Ingeborg Fischer

von Ilse Romahn

(21.12.2016)  Zirkus – das bedeutet für mich Clowns, ein Trapez über der Manege mit Kommandos durch die Luft fliegender Menschen, der Geruch nach galoppierenden Pferden, das Fauchen der Raubkatzen – eine Vorfreude mit Herzklopfen.


Der Circus Busch an der Frankfurter Eissporthalle
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An der Eissporthalle in Frankfurt gastiert der Circus Busch bis 8.Januar 2017, und dieses Ereignis wollte ich mir nicht entgehen lassen. Vom Parkplatz zum Circus-Eingang sind es nur ein paar Meter. Und direkt vor dem Zirkuszelt am mit bunten Lichtern geschmückten Tor standen sie, die jungen Leute, die gegen Tiere im Zirkus protestieren. Im vorigen Jahr gab es bei Busch noch eine atemberaubende Tiger-Dressur…vorbei … Elefanten gibt es nicht mehr im Zirkus und Vorführungen von mit Bällen jonglierenden Robben sind schon so lange Vergangenheit, dass sich kaum jemand noch daran erinnern kann. All das hat Zirkus früher für mich ausgemacht. Nun, die Zeiten haben sich geändert, man denkt anders über Tierschutz und manches stimmt auch. Aber trotzdem! Ich hätte die Protestierenden gerne mal gefragt, ob sie zu Hause etwa einen Wellensittich im Käfig halten, der doch so gerne im Schwarm in Australien fliegen würde. Nun ja!

Da ich von der schreibenden Zunft bin, habe ich dann an der Kasse um Presseunterlagen und ein Programm gebeten. Leider konnte mir dies niemand zur Verfügung stellen, ich wurde auf die Pause vertröstet, aber die Dame, die mir Infos über die Künstler versprochen hatte, ist nicht erschienen. Schade!

Aber als ich endlich im Zirkus-Rund saß, kam das Herzklopfen wieder. Es roch nach Sägemehl, eine Live-Kapelle spielte und zwei niedliche Zirkuskinder begrüßten das Publikum.

Allez Hopp!
Die Zuschauer im gut besetzten Zelt waren zunächst interessiert, konzentriert und spendeten den Jongleuren, Akrobaten und dem Clown im Koch-Kostüm reichlich Beifall. Leider verzichtet man ja heutzutage auf die klassischen Clowns, weil mit den Clowns-Masken Schrecken und Untaten einhergingen. Aber der Circus-Busch-Clown war erste Sahne, besonders auch als Dirigent, wobei er Zuschauer in seine Späße mit einbezog.


Pferdedressur von Natascha Wille-Busch
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Fast gleich zu Beginn des Programms durften auch Pferde und weiße Ponys mit Zipfelmützchen ihre Runden in der Manege drehen. Es war vergnüglich und wie immer scherte ja ein unerzogenes Pferdchen aus und wollte nicht folgen, was die Kinder jubeln ließ. Neben einer Dressur-Reiterin hoch zu Ross konnten noch kleine Hunde eine fröhliche Schau mit erstaunlichen Kunststückchen zeigen.

Und in Ermangelung von Tigern oder Löwen gab es eine Katzen-Dressur. Ich glaube sogar einen Luchs erkannt zu haben? Die eigenwilligen Tiere waren verblüffend folgsam und die kleine Dressur-Dame konnte sich unter großem Beifall verneigen.

Doch noch weit vor der Pause begannen Teile des Publikums ungeduldig zu werden. Kinder hüpften den Gang zum Zelt-Ausgang hoch, um sich Getränke zu kaufen. Oder wurden von genervten Eltern hoch gezerrt und kamen später mit Popcorn oder Würstchen zurück. Es war ein Auf- und Ablaufen – auch von unzähligen Erwachsenen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Publikum so viele große und kleine Menschen mit einer Blasenschwäche gibt. Oder ob ein unstillbarer Durst und entsetzlicher Hunger es rechtfertigen, sich derart störend zu verhalten.

Selbst als nach der Pause dann eine wirklich grandiose Vorführung mit Groß-Papageien gezeigt wurde, ging das Gelaufe weiter. Ich war entzückt von dem Können der bunten Vögel. Sie konnten Rad und Roller fahren, schoben kleine Puppenwägen, fuhren mit Rollschuhen. Es war eine beeindruckende Show. Als zum Schluss sogar kleine Wellensittiche zu den großen Artgenossen flogen, um dann wieder flugs in einer Kiste zu verschwinden, brandete wieder großer Beifall auf. Der Großteil des Publikums hat sich ja wirklich fangen lassen vom Geschehen in der Manege, aber das Hin und Her von nervenden vielen kleinen Menschen ging weiter. Das empfand ich als außerordentlich unhöflich den Akrobaten und Mitwirkenden gegenüber. Im Theater bleibt man doch auch auf seinem Platz sitzen. Und ich habe selten so viele unerzogene Kinder gesehen.


Die Dressur der Dromedare
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Als das Zirkus-Orchester orientalische Musik anstimmte, da kamen sie: die Dromedare! Sie zauberten die Sahara ins Zirkus-Zelt und viel Zirkus-Nostalgie in die Herzen.

Ein Schütze mit Armbrust und Partnerin zeigte seine treffsichere Kunst, leider war der Aufbau seiner Utensilien schleppend lange. Und auch die Vorführung eines Akrobaten in einem Ungetüm mit Lauftrommel ließ einem den Atem stocken. Nur der Aufbau des Geräts dauerte gefühlte Stunden.

Über dem Manegen-Himmel schwangen leider keine Flying Peoples am Trapez, aber ganz oben doch 2 sehr mutige, schwindelfreie Künstler. Und eine anmutige Dame am Seidentuch zeigte schwebend Akrobatik vom Feinsten.


Artistische Leckerbissen von Komberly Lester
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Ein Zirkus-Besuch lohnt sich immer noch und immer wieder. Es ist etwas sehr Besonderes, und das will ich mir auf keinen Fall nehmen lassen.

Zum Schluss-Beifall beim Finale hatten leider schon viele das Zelt verlassen. Als zwei eilige Damen an mir und meinem Platz vorbei zum Ausgang wollten, habe sie so lange blockiert, bis der lang anhaltende Applaus von den wahren Zirkusfreunden zu Ende war. Denn den hatte sich die bunte Truppe in der Manege von Circus Busch wahrlich verdient.

Fotos: Veranstalter