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Letzte Aktualisierung: 23.10.2020

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Termitenhügel, Elefanten, Affenbrotbäume

Ausstellung „Lebensraum Savanne“ im Palmengarten

von von Karl-Heinz Stier

(29.05.2016)  Wenn wir an die Savanne denken, dann stellen wir uns Bilder afrikanischer Landschaften mit Elefanten, Giraffen, Affen und Nashörnern und malerischen Bäumen vor. Doch die Savanne ist mehr, eine Vielfalt von Pflanzen und der Tierwelt sowie die außerordentlich enge Verzahnung von Mensch und Natur in einem bedeutsamen Lebensraum. Der größte Teil der afrikanischen Bevölkerung lebt hier und das schon seit Jahrtausenden. Grund genug für den Palmengarten in Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und dem Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung der Goethe-Universität ihre neue Jahresausstellung dem Thema „Lebensraum Savanne“ zu widmen – „ als Kulturlandschaft, Speisekammer, Apotheke und Wiege der Menschheit“.


Lebensraum Savanne
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Zwar gibt es auf der Welt viele Savannenlandschaften – etwa 15 Prozent der Erdoberfläche – aber meist sind sie Bindeglied zwischen Wüste und Regenwald und daher vom Ökosystem von großer Bedeutung. Landschaftselemente sind hier vor allem Großtiere wie Elefanten und Huftiere. Ohne sie und die anderen „Architekten der Savanne“ und ohne natürliche sporadische Feuer würde sie in den meisten Fällen verbuschen. Savannen sind vielfach klassisches Weideland.


Termitenhügel
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Kleine Baumeister mit großer Wirkung sind auch die Termiten mit ihren Hügeln. Manche erreichen Höhen bis über vier Metern und jede in anderer Bauweise. Weltweit zählt man 3900 Termitenarten. Als tropisches Gegenstück zu den Regenwürmern tragen sie Pflanzenabfälle und Dung in die Tiefe, bringen tonhaltigen Boden an die Oberfläche und pflügen die Savanne regelrecht um, Körnchen für Körnchen. Sie überziehen totes Holz, Laub und Pflanzenreste mit einer Schicht Lehm, um im Schutz dieses Überzuges das ganze Pflanzenmaterial zu zernagen und fortzuschaffen. Termiten haben somit eine wichtige Funktion für die Bodenumwälzung. Die Produkte der Termitenhügelvegetation - Holz, Früchte, aber auch Harz, Wurzeln und Rinde - sind außerdem von hohem Wert für die lokale Bevölkerung.

Afrikanische Savannen werden auch „als Wiege der Menschheit“ bezeichnet. So sind vor 6 Millionen Jahren Ur– und Vormenschen bekannt, auch Homoniden genannt. Alle Funde wurden am Übergang vom Randbereich des damaligen Regenwaldes entdeckt. Vielfach sind die Savannen auch der Supermarkt der Natur. Die Blätter vieler Baumarten sind häufiger Bestandteil von Gemüse und Saucen. Sie gewährleisten den Vitaminbedarf der Bevölkerung. Auch der Sheabaum, dessen Nüsse zur Herstellung von Sheabutter dienen oder in der Kosmetikindustrie bei Hautlotion, Shampoos oder Lippenstifte eine Rolle spielen.


Produkte des Sheabaumes
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Nicht zu vergessen schließlich der Affenbrotbaum, der wohl eindrucksvollste und am vielfältigsten genutzte Baum der afrikanischen Savanne. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden wie jener im Buch „Der kleine Prinz“: Der Teufel riss den Baum einst aus der Erde und steckte ihn umgekehrt wieder zurück. Seitdem ragen die Wurzeln des Baumes in die Luft. Der kleine Prinz machte sich Sorgen, dass Affenbrotbäume seinen kleinen Asteroiden überwuchern und mit ihren Wurzeln sprengen könnten.


Affenbrotbaum
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Er wird häufig auch als Apothekerbaum bezeichnet. So werden zum Beispiel die Blätter bei Husten, Atemwegserkrankungen und Entzündungen des Magen-Darm-Trakts angewendet, die Fruchtpulpe bei Durchfall, Ruhr und Fieber und die Samen bei Zahnschmerzen, Wunden und Entzündungen.

Weitere Kapitel der Ausstellung widmen sich den Wildpflanzen und ihre Anwendung als Arzneimittel, die Bedeutung der Zahnhölzer, die man bei kauenden Menschen in Afrika oft antrifft und den Medizinmännern und Zauberern, die bestimmten Bäumen magische Kräfte zuordnen und Krankheiten behandeln.

Über 100 Exponate stellt die Ausstellung „Lebensraum Savanne“ vor. Sie ist bis 18.September geöffnet.

Fotos: Palmengarten