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Letzte Aktualisierung: 19.07.2019

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Frauen-Power am Kochherd

Spitzenleistungen beim Jugendwettbewerb „Frankfurt kocht kreativ“

von Ilse Romahn

(05.10.2015)  Die weiße Zunft der Frankfurter Köche braucht auch für die Zukunft nicht schwarz zu sehen: Beim alljährlichen Nachwuchswettbewerb „Frankfurt kocht kreativ“, der dieses Mal mit dem Tag der Deutschen Einheit zusammenfiel, kreierten sechs Zweierteams alles andere als einen Einheitsbrei, sondern zauberten aus einem jedem Paar gleich vorgegebenen Warenkorb Gerichte, bei denen selbst altgediente Köchehasen die Löffel steil stellten. Und wie aus Trotz gegenüber den sonst alles beherrschenden Sterne-Köchen siegten zwei Köchinnen: Judith Scheidenberger von der Kameha Suite Frankfurt und Kim Rathmann vom Radission Blue Hotel Frankfurt.


Hatten allen Grund zu Strahlen: Das Siegerteam Kim Rathmann (links) und Judith Scheidenberger
Foto: Gerhard Seegers
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Was im Bewirtungs- und Zulieferungsgewerbe Rang und Namen hat, war an diesem Abend traditionsgemäß wieder in das renommierte Vier-Sterne Best Western Premier IB Hotel an der Friedberger Warte geströmt. Unter den Sponsoren fanden sich auch Neuzugänge wie die feine Weinkellerei Höchst oder auch eigentlich Berufsfremde wie der Banker Manfred Ruhs, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Höchst, mit seiner Pressechefin Katja Zender. Hauptsponsor war jedoch die Firma TransGourmet, die der Vorsitzende des Vereins der Köche Frankfurt, der umtriebige Marco Linnewedel, in seiner Begrüßung denn auch besonders hervorhob.

Veranstalter war dieses Mal im Gegensatz zu früher nicht der Verein der Köche, sondern der neu gegründete Förderverein für Jugend und Kochkunst e.V. Das passt sogar noch besser zum Ziel des Wettbewerbs, nämlich Auszubildenden und jungen Köchen bis 25 Jahre als Team Gelegenheit zu geben, ihr Können einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sie in ihrer beruflichen Laufbahn zu fördern.

Zum Thema „Hessische regionale Küche“ wurde für jedes Team ein Warenkorb aus regionalen Produkten bereitgestellt, die verarbeitet werden müssen, und ein anderer mit Produkten, die verarbeitet werden können. Aus diesen beiden Körben musste ein kaltes und ein warmes Amuse-bouche, danach ein Drei-Gang-Menü bestehend aus Vorspeise (warm oder kalt) oder Suppe, Hauptgang und Dessert zusammengestellt werden. Das Siegerteam ließ sich mit folgenden Kreationen die Butter nicht vom Brot nehmen: Das Amuse-bouche bestand aus Kaninchen, roten Zwiebeln, Ziegenkäse, Honig und Tomate. Die Vorspeise kreierte es aus einem Duo von Saibling, Erbse und Schmand, das Hauptgericht aus Schwein, Portweinjus, Wirsing, Pfifferlingen und Kartoffeln, und der Nachtisch war eine Kreation aus Schokolade, Kaffee und Birne.


Das Siegermenü. Es schmeckte nicht nur hervorragend, sondern sah auch kunstvoll aus.
Foto: Gerhard Seegers
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Kaum weniger gefordert als die rivalisierenden Jungköche waren die Mitglieder der Jury, wie Jugendwart Michael Schneider in seiner Rede schon angedeutet hatte, denn die Leistungsdichte war groß. Der zweite Preis wurde schließlich an Alexander Schroff und Oliver Luther vom Westin Grand Hotel Frankfurt vergeben. Den dritten Platz belegten Cedric Kouyoumdjian und David Hennig vom Le Meridien Parkhotel Frankfurt. Neben der Ehre wurde den Siegern auch Sachpreise zuteil: Für den 1. Platz gab es 500 Euro in bar, ein hochwertiges Messer von Dick, ein Kochbuch und eine Lavazza Espria Kaffeemaschine, für die Zweitplatzierten 300 und für die Dritten 200 Euro.

Über den Tellerrand hinaus blickte gewohnt souverän die Hessische Landesvorsitzende der Köche, Barbara Röder, in einer kritischen Festrede. Sie betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in der Küche – „nur durch eine gute Teamarbeit sind wir besonders stark“ – wobei die Anforderungen an das kochtechnische Know-how auch durch immer raffiniertere technische Hilfsmittel und Methoden der Lebensmittelpflege und -behandlung ständig stiegen. Sie verwies ferner auf den ständig steigenden ökonomischen Druck bei der Kalkulation der Speisen. „Früher haben sich die Hotels immer mal hübsche Gourmet-Ecken geleistet, heute müssen sie scharf rechnen, wobei der Preisdruck bei den Lebensmitteln eine zentrale Rolle spielt“, sagte sie. Die Küche sei immer mehr zum Profit-Center geworden. Hinzu kämen Nachwuchssorgen. U. a. seien die langen Arbeitszeiten dafür verantwortlich, dass sich die Zahl der Auszubildenden in der Köchezunft in den letzten Jahren halbiert habe. Viele machten sich auch völlig falsche Vorstellungen. So löste Barbara RöderHeiterkeit aus, als die von einer Bewerbung „zur Ausbildung zum Fernsehkoch“ berichtete.


Nach getaner Arbeit nahmen die drei Siegerpärchen, die Jurymitglieder und die Funktionäre der Köche Aufstellung für ein gemeinsames Foto.
Foto: Gerhard Seegers
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Auch ungelernte Mitarbeiter für die Küche seien schwer zu finden, zum Teil nur als Teilzeitarbeitskräfte, wobei die Qualifikation oftmals zu wünschen übrig lasse. Gleichzeitig entstünden im Rhein-Main-Gebiet immer mehr hochkarätige Restaurants und erhöhten den Konkurrenzdruck; gute Fachkräfte seien teuer, und wer sich in den sozialen Medien nicht auskenne und sich ihrer nicht bediene habe schon von Anfang an verloren. Angesichts der Möglichkeiten, die sich bereits heute mit 3-D-Druckern böten, aus denen Pralinen und Steaks kämen, könne es einem ebenfalls so richtig mulmig werden: „Denn dann ist nicht mehr der Koch gefragt, sondern man braucht stattdessen einen guten Programmierer.“ Oder Ballonfahrer. Denn in den USA gebe es bereits Restaurants, die das Essen mit Ballons an die Tische fliegen ließen.

Dieser Aussichten verdarben den geladenen Gästen allerdings nicht den Appetit, denn sie sahen beim Aufmarsch zum gemeinsamen Foto vor Selbstbewusstsein strotzende, ihr Metier hervorragend beherrschende kreative junge Menschen, die ihren Beruf offensichtlich lieben und sich von solchen Zukunftsperspektiven gewiss nicht unterbuttern lassen werden.

Norbert Dörholt