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Letzte Aktualisierung: 22.11.2017

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Gaudeamus igitur uff hessisch

Volkstheater Hessen mit „Meister – Heister“

von: von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(03.05.2015)  Offenbach - Es geht wahrlich fröhlich zu in der Burleske von Adolf Stoltze, aufgeführt im Ledermuseum Offenbach von einem Volkstheater-Ensemble, das vor Spielfreude geradezu strotzte, die Pointen punktgenau setzte und in Wort und Gesang zeigte, wie liebenswert die hessische Sprache ist.

Steffen Wilhelm, der den Einakter bearbeitet und inszeniert hat, reicherte die Aufführung mit Liedern aus den 20/30er Jahren an und brachte das Offenbacher Publikum mit seinem „warm up“ sofort in Stimmung.

„Meister –Heister“ ist eine derb-komische Verwechslungsgeschichte, die in der Bude des verbummelten Studenten Max Meister (Tim Grothe) in Frankfurt spielt. Immer in Geldnot und nach einer langen Maskenball-Nacht mit seiner Liebsten Lotte Kletterose ((Iris Reinhardt-Hassenzahl) braucht er mal wieder Zaster, um seine Kleider beim Kostümverleih auszulösen. Von seinem Freund Moritz Heister (Johannes Schedl), der vorbeigekommen war, leiht er sich dessen Kleidung, um Bares zu besorgen. Weil Max stundenlang auf sich warten lässt, will Moritz nicht länger ohne Hemd und Hose in dessen Bett verharren. Er greift zu Rock, Bluse und Korsage der liebenswerten Zimmerwirtin Pinschel (Silvia Tietz) und löst damit bei Max Freundin Lotte zunächst Tränenströme – „so klaane Dippcher koche leicht iwwer“ - , bei der Vermieterin Sprachlosigkeit und dem Onkel Jeremias Pennerich aus der Wetterau (Andreas Walther-Schroth) , der gutgläubig Max´ Studium finanziert, moralische Empörung aus. Selbstverständlich wird dann doch alles gut, denn – so Lotte: „Ich bin e Frohnatur unn er kaa Flöhhaub!“


Silvia Tietz und Iris Reinhard-Hassenzahl
Foto: StuGraPho
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Silvia Tietz als Zimmervermieterin spielte und sang sich sofort in die Herzen des Publikums, und die entzückende Iris Reinhardt-Hassenzahl unterstrich ihre Rolle als selbstbewusstes „Frankfurter Mädche“ mit Mimik und Bewegungen gekonnt treffsicher. Die lächerliche Empörung des moralinsaueren Onkels wurde zum Vergnügen des Publikums von Andreas Walther-Schroth wahrlich glaubhaft vermittelt.

„Da hockter de Dokter!“ Ja, dreist und trotz Schulden und verbummelten Vorlesungen feuchtfröhlich, so kam Tom Grothe als Max daher und Johannes Schedl spielte augenzwinkernd und kumpelhaft den etwas nachdenklicheren Freund Moritz. Nicht vergessen soll die Wäscherin (Sabine Isabel Roller) werden. Die Rolle war klein aber fein und die Mimin auch.

„Ein Freund, ein guter Freund..., Wir stammen all vom Goethe ab... Es find sich alles in de letzte Dutt...“ alle Mitwirkende sangen sich in die Herzen des Offenbacher Volkstheater-Publikums.


Iris Reinhardt-Hassenzahl, Andreas Walther-Schroth, Sabine Isabel Roller,
hinten: Tim Grothe und Johannes Schedl
Foto: StuGraPho
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Und Adolf Stoltze kann nur dann überzeugend gespielt werden, wenn die Schauspieler den Dialekt gut beherrschen und für den mundartkundigen Zuschauer auch nicht der kleinste falsche Ton zu hören ist. Es war keiner zu hören, das Spiel war so echt und recht, dass man sich freuen muss, dass das Volkstheater nicht aufgegeben hat und weiterlebt.

Kostüme und Requisiten Claudia Rohde
Bühnenmalerei Edwin Gut
Musik Gabriel Groh
Organisation Hauke Hummel

Meister – Heister ist noch bis 2016 zu sehen.

Die Termine und Aufführungsstätten sind zu erfragen und Tickets zu erhalten unter www.volkstheater.eu und der Tel.Nr. (069)20099