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Letzte Aktualisierung: 21.05.2019

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Frankfurt-Thema: Hinter die Kulissen der Baustellenkoordinierung im Straßenverkehrsamt geschaut

von Ulf Baier

(06.03.2019) Frau Bangert liebt diese Frankfurt-Karte auf ihrem Monitor. Ein Klick und ein Teil der Junghofstraße schimmert violett. Klickklick, das System zoomt ran und der Betrachter sieht auf beiden Seiten der Verkehrsachse jeweils ein farbiges Feld. Hier entstehen gerade zwei neue Bürohäuser, direkt gegenüberliegend.

Planung ist alles - Kerstin Bangert hat ihre Baustellen im Blick
Foto: Stadt Frankfurt / Simone Rössler
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Ein Blick auf den Stadtplan sagt Bangert sofort: Das könnte eng werden für den Straßenverkehr. Doch dazu kommt es nicht, dank der Karte. Denn die ist „klarer und eindeutiger“ als das geschriebene Wort, wie Kerstin Bangert sagt. Sie kümmert sich im Frankfurter Straßenverkehrsamt um das verkehrliche Baustellenmanagement.

Konflikte lassen sich so frühzeitig erkennen, wie das Beispiel Junghofstraße zeigt. „Jeder wollte auf seiner Seite die gleichen Arbeiten durchführen“, erinnert sich die Fachfrau. Mit der Folge, dass auf der Straße nichts mehr gegangen wäre. Die Verwaltung wirkte auf die Bauherren hin, ihre Arbeiten so abzustimmen, dass eine Fahrspur übrig bleibt und eine Einbahnstraße eingerichtet wurde. Früher wäre das nicht so einfach gegangen. „Es hätte Hunderte von Mails gegeben und wir hätten auf die harte Tour erfahren, dass es ein Problem gibt“, sagt Bangert. Da hilft die Karte besonders, um „in die Zukunft zu schauen“, wie die Ingenieurin ihren Job beschreibt. Oberbürgermeister Peter Feldmann freut sich über die Innovation: „Nur modern ausgestattete Verwaltung kann die wachsende Stadt sozialverträglich für alle gestalten.“

Die Belastungen für Bürger reduzieren sich
Baustellen bringen allerlei Unannehmlichkeiten mit sich. Gesperrte Fahrstreifen, aufgerissene Gehwege und andere Ärgernisse gehören zu den unvermeidlichen Wachstumsschmerzen der Stadt. Diese möglichst gering zu halten, ist die Aufgabe der Verkehrlichen Baustellenkoordinierung, wie das dreiköpfige Team von Kerstin Bangert offiziell heißt. Das Computerprogramm „Kommunalregie“ eines Magdeburger Herstellers und dessen Karte erleichtert dessen Arbeit ungemein.

Kündigt sich ein verkehrsrelevantes Projekt an, wird das Programm frühzeitig mit Daten gefüttert – entweder von dem Team im Straßenverkehrsamt, der Mainova, anderen Partnern in der Stadtverwaltung oder den kommunalen Gesellschaften. Insgesamt kommen so pro Jahr 7000 Vorgänge zusammen, wie es in der Verwaltung heißt. Verkehrswege und Areale wechseln dann ihre Farben, je nach Projekt und Bauherr. Die neue Stromleitung unter der Düsseldorfer Straße lässt diese hellblau schimmern; das Neubaugebiet Hilgenfeld am Frankfurter Berg ist gelb unterlegt. Die Farben stehen für unterschiedliche Gewerke. Gelb etwa symbolisiert die Erschließungsgebiete in der Zuständigkeit des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE), magentafarben sind Bauvorhaben anderer wie Deutsche Bahn, Hessen Mobil oder die privaten Projekte in der Innenstadt.

Doch es sind nicht nur die mannigfaltigen Vorteile des virtuellen Stadtplans mit seinen vielen Farben, der die Planung in Frankfurt „im deutschen Sprachraum einmalig“ macht und Fachpublikum aus München, Mainz, Potsdam und Wien interessiert. „Es ist ein anderer Workflow entstanden“, sagt Bangert über das IT-System, welches das Ordnungsamt schon länger nutzt, um etwa Straßen für Veranstaltungen zu sperren. Es sind neue Prozesse entstanden, die Aufwand für die Verwaltung und Belastungen für die Bürger reduzieren. „Wenn für eine neue Wasserleitung gegraben werden muss und kurz danach will die Telekom noch mal ran, lässt sich das zusammenfassen“, erläutert Bangert.

Weniger Lärm für die Bürger, nur eine anzuordnende Umleitung für die Verwaltung und geringere Baukosten – die Vorteile liegen auf der Hand. „Das verkehrliche Baustellenmanagement zeigt, dass sich die Zukunft nur vernetzt gestalten lässt. Innovation in der Verwaltung ist ein ständiger Prozess, dessen Ergebnisse sich im Praxistest zu bewähren haben“, spannt Oberbürgermeister Feldmann den Bogen zum Thema Verwaltungsmodernisierung.

„Es gibt überall eine Lösung!“
Bei der Arbeit hilft die Bauplanung für die kommenden zwölf Monate. Doch der Horizont im Straßenverkehrsamt reicht darüber hinaus, teilweise bis zu fünf Jahren. „Wir setzen uns frühzeitig mit den Beteiligten zusammen“, berichtet Bangert. So passiert es schon einmal, dass das Team in den Medien von einem Projekt liest, lange bevor die Investoren einen Bauantrag gestellt haben. Im Gespräch lässt sich dann klären, wie die Baustelle bedient werden kann, obwohl eine wichtige Straße gesperrt ist. Ein Thema, das bald wieder aktuell ist, wenn das nördliche Mainufer versuchsweise gesperrt werden soll. Eine Herausforderung, der Bangert entspannt entgegen schaut. „Es gibt überall eine Lösung“, sagt die Frau, die nach eigenem Bekenntnis „Baustellen liebt“.

„Verwaltungshandeln sollte gerade bei der Stadtentwicklung sollte Möglichkeiten aufzeigen, wie die Beteiligten zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen und die Beeinträchtigungen für die Bürgerinnen und Bürger möglichst kleine bleiben. Ideal ist es, wenn wir auf diesem Wege Konflikte schon im Vorfeld entschärfen können“, sagt Oberbürgermeister Feldmann. Einen Kompromiss genau in diesem Sinn gab es etwa beim Projekt „Omniturm“ an der Ecke Große Gallusstraße/Neue Mainzer Straße. Mit wenigen Klicks erscheint auf dem Stadtplan wieder ein großer Ausschnitt, blaue Linien deuten Versorgungsleitungen unter der Fahrbahn an. Eine Maustaste später öffnet sich auf Bangerts zweitem Monitor ein weiteres Fenster, eine Tabelle mit der Historie des Vorhabens. In ihr steht, dass die Verwaltung genehmigt hatte, nachts und am Wochenende die Straße aufzugraben. So bekam der neue Büroturm seine Versorgungsleitungen und der Verkehr in der Innenstadt stand nicht still.

Szenenwechsel, der Monitor zeigt jetzt eine gelbe Karte mit Pfeilen und Symbolen für Verkehrszeichen. Es handelt sich um den „Beschilderungsplan“. Er zeigt den Arbeitern auf der Straße, welches Symbol wo am Fahrbahnrand oder als Pfeil auf dem Asphalt zu erscheinen hat. Auch das gehört dazu: Die „verkehrsrechtliche Anordnung“, wie es im Behördendeutsch heißt. Auf deren Grundlage verfügt die Abteilung Verkehrsangelegenheiten im Straßenverkehrsamt, dass Fahrbahnen wegfallen, langsam zu fahren ist oder Strecken gesperrt sind.

Diese Informationen sind der Rohstoff für andere. Etwa die Mitarbeiter der Verkehrsleitzentrale vor ihren Monitoren. Sie sorgen dafür, dass es auf der Straße läuft, für Auto- sowie Radfahrer, Busse, Bahnen und Fußgänger. Die Spezialisten sind die Herren über Ampelprogramme, Schilder mit wechselnden Symbolen und Informationstafeln am Straßenrand. Sie müssen im Bild sein, wo es ohnehin zäher läuft und bei einer Umleitung nicht den Verkehr in die nächste Baustelle lotsen. Womit wir wieder bei Bangerts Karte wären. (ffm)