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Letzte Aktualisierung: 21.08.2019

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Frankfurt am Main - Hotspot steigender Immobilienpreise

Ausstellung "Wohnen für alle" im Deutschen Architekturmusem (DAM) / Das Neue Frankfurt 2019

von DAM

(23.04.2019) Frankfurt am Main ist einer der deutschen Hotspots überproportional steigender Immobilienpreise. Freifinanzierter neuer Wohnraum wird häufig zu Preisen angeboten, die selbst für die Mittelschicht nur noch schwer bezahlbar sind. Der über Jahrzehnte angestaute Mangel und Verlust an geförderten Wohnungen ist auch hier besonders sichtbar.

Deutsches Architekturmuseum
Foto: DAM
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Mit dem kooperativen Wettbewerbsverfahren "Wohnen für Alle" antwortet die Stadt Frankfurt am Main, die ABG Frankfurt Holding als Bauherr und das Deutsche Architekturmuseum gemeinsam auf diese Herausforderungen. "Wohnen für Alle" schlägt für ein konkretes Bauareal exemplarisch Wohnbauten vor, die den Anspruch haben, ökonomischen Kostendruck mit innovativer Wohn- und Architekturqualität zu verbinden.

Damit wird den veränderten demographischen und soziostrukturellen Entwicklungen Rechnung getragen: Anstatt wie früher primär die Kernfamilie zu fokussieren, geht es heute beim preisgünstigen Wohnen verstärkt darum, die Vielfalt von Nutzungsgruppen und ihre diversifizierten Bedürfnisse in den Wohnkonzepten zu berücksichtigen. Das verlangt nach Lösungen, die auch über mehrere Jahrzehnte hinweg ausreichend elastisch und flexibel sind. Mehr als nur um die „eigenen vier Wände“ geht es dabei immer auch um die Frage, wie mit den Wohnprojekten lebendige, funktional und sozial durchmischte Quartiere entstehen können.

Mike Josef, Planungsdezernent der Stadt Frankfurt am Main:
„Ich bin überzeugt, dass bezahlbarer Wohnraum eine hohe gestalterische Qualität haben muss. Nur wenn sich der Neubau am tatsächlichen Bedarf der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner orientiert und bezahlbar ist, wird er auch akzeptiert. Wir sehen uns in der Tradition des Neuen Frankfurt und wollen mit dem Preis zeigen, dass es möglich ist, geförderte und freifinanzierte Wohnungen zu akzeptablen Mieten anzubieten – bei hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität. Wir wollen mit dem Preis „Wohnen für Alle“ innovative Ansätze fördern und die Frage stellen, ob wir alle Standards brauchen, oder ob wir an manchen Stellen auch flexibler werden können. Gestartet sind wir mit unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG. Aber wir freuen uns auf Nachahmer aus der öffentlichen und privaten Wohnungswirtschaft und auf die weitere Debatte zu diesem Thema.“

Peter Cachola Schmal, Direktor DAM:
„Es heisst, Architekten könnten nicht sehr viel ändern, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Politik sei da eher gefragt, Bund wie Kommunen. Die Bodenpreispolitik und die technischen Verordnungen seien die Hauptprobleme. Das mag stimmen, aber trotzdem können Architeken Inspirationen erzeugen durch ihre Vorbilder andernorts und durch ihre nun in Frankfurt entstehenden Bauten.Wir versprechen uns viel von diesen international erprobten Akteuren und sind Ihnen sehr dankbar für Ihre Bemühungen und Entwürfe. Nur realisierte Bauten können am Ende beweisen, das architektonische Qualität möglich ist , auch bei herausfordend niedrigen Baukosten. Mit den frischen Mies van Rohe Preisträgern 2019 Lacaton Vassal aus Paris, den letzten Preisträgern 2017 NL Architects aus Rotterdam und den innovativen Schweizer Architekten Duplex, sowie dem Wiener Ableger von schneider + schumacher sind mit die wichtigsten europäischen Wohnungsbauarchitekten an Bord.“

Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding:
„Die ABG Frankfurt Holding steht für bezahlbaren Wohnraum. Unsere Aufgabe ist es, in Frankfurt am Main und im Rhein-Main-Gebiet Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten zu schaffen. Die ABG ist Innovationsführerin im Bereich energieeffizienter bezahlbarer Wohnungen ebenso wie auch beim kostengünstigen Bauen. Insofern war es uns wichtig, mit Input von außen noch ein Stück weiter zu kommen. In dem Wettbewerbsverfahren besteht die größte Herausforderung darin, bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum zu errichten. Nachhaltig heißt, die zu errichteten Wohnungen werden nicht für eine bestimmte Zielklientel, sondern für eine wechselnde Mieterklientel errichtet. Auch nach Jahren müssen die zu errichtenden Wohnungen marktkonform sein. Eine ständig wechselnde Mieterklientel mit innovativen Ansätzen zu verknüpfen, stellt dabei eine große Herausforderung dar.“

Hilmar von Lojewski, Beigeordneter des Deutschen Städtetages:
Der Deutsche Städtetag verfolgt seit langem das Konzept einer antizyklischen und bedarfsgerechten Bauland- und Wohnungspolitik. Dabei sind wir stets interessiert an innovativen Lösungen in unseren Mitgliedsstädten und unterstützen deren Entwicklung und Verbreitung nach Kräften. Frankfurt knüpft mit dem Wettbewerb an eine lange Tradition innovativer und zukunftsträchtiger Konzepte für den bedarfsgerechten, nachhaltigen Wohnungsbau an. In Zeiten teilweise außer Kontrolle geratener Bodenmärkte und galoppierender Bau-, Kauf- und Mitpreise für Wohnungen kommt den Frankfurter Bemühungen, Wohnen für Alle auch am gebauten Beispiel zu praktizieren, große Bedeutung zu. Dies umso mehr, als der Wohnraummangel schnell nur die Kosten und Erstellungszahlen in den Blick nimmt, dabei aber die Qualität aus dem Fokus gerät. Der Wettbewerb kann dafür stehen, alle Aspekte der Schaffung von Wohnraum – Standort, Boden, Erstellungskosten, Mietkosten, städtebauliche und Wohnungs- und Gestaltungsqualität – zu vereinen.“

Bauen 1:1
Das zweistufige kooperative Wettbewerbsverfahren "Wohnen für Alle" ist 2018/19 erstmals durchgeführt worden. Mehr als 100 europäische Architekturbüros sind in einer ersten Phase I dem Call for Projects gefolgt und reichten über 130 realisierte Projekte zum bezahlbaren Wohnungsbau ein. Die Entwerfer zehn ausgezeichneter Projekte qualifizierten sich für eine zweite Wettbewerbsphase, die als kooperatives Wettbewerbsfahren durchgeführt wurde. Das Ergebnis der Phase II: Bauen 1:1 waren zehn Konzepte für Baufelder im Frankfurter Hilgenfeld – vier davon wurden von einer Fachjury ausgewählt, um für die weitere Planung beauftragt zu werden. Auch eine Anerkennung wurde ausgesprochen.

Das Bauareal
Ab 2020 werden auf der Basis der hier vorgestellten prämierten Konzeptentwürfe vier Wohnprojekte im Frankfurter Hilgenfeld realisiert. Das rund 17 Hektar große kommunale Stadtentwicklungsgebiet, in dem in den kommenden Jahren rund 850 bezahlbare Mietwohnungen für rund 2.000 Menschen entstehen sollen, liegt im Norden der Mainmetropole mit Blick über das Niddatal, die Frankfurter Skyline und den Taunus. Im Osten wird das Baufeld durch die Homburger Landstraße, im Süden durch die Trasse der Main-Weser-Bahn begrenzt. Über die S-Bahn-Station Frankfurter Berg besteht eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, der in Zukunft mit der Verlängerung der Linie U 5 weiter ausgebaut wird.

Der städtebauliche Plan
Bereits 2016 wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb für das Bauareal durchgeführt. Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf von Thomas Schüler Architekten Stadtplaner (Düsseldorf) und Faktorgrün Landschaftsarchitekten (Freiburg) wurde im Zuge der Überarbeitung durch das Planungsdezernat weiter konkretisiert, der Bebauungsplan wird derzeit erarbeitet. Das Wettbewerbsverfahren "Wohnen für Alle" konnte somit idealerweise Anpassungen – sowohl bei den vorgesehenen Bautypologien als auch bei der Dimensionierung einzelner Grundstücke – vornehmen und in den Bebauungsplan einfließen lassen.

Die wohnungswirtschaftlichen Grundlagen
40 Prozent der Wohnungen im Frankfurter Hilgenfeld werden im geförderten Wohnungsbau errichtet. Ergänzend sind 15 Prozent des Gesamtareals für gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte reserviert. Diese Flächen werden nach dem besten Konzept, und nicht nach dem höchsten Preis vergeben. Auch alle freifinanzierten Wohnungen sollen zu bezahlbaren Mieten angeboten werden. Damit soll das Hilgenfeld zu einem Modellquartier für bezahlbaren und guten Wohnungsbau werden. Es soll zeigen, dass es auch heute noch möglich ist, langfristig auf mehreren Ebenen und durch verschiedene Ansätze bezahlbaren Wohnraum für alle Frankfurterinnen und Frankfurter zu schaffen.

Deutsches Architekturmuseum (DAM), Schaumainkai 43, 60596 Frankfurt am Main   www.dam-online.de