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Letzte Aktualisierung: 15.07.2019

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Fragwürdige „Weidehaltung“ bei Rindfleisch

von Karl-Heinz Stier

(03.07.2019) Steak, Rinderfilet oder Entrecote aus USA, Südamerika oder Australien prägt derzeit das Angebot in deutschen Supermärkten. Beliebt ist das importierte Fleisch auch deshalb, weil viele Verbraucher glauben, dass die Tiere ausschließlich auf der Weide gehalten werden.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Ob und wie lange die Rinder auf Weiden stehen und welches Futter sie bekommen, wird meist nicht geprüft. Der Begriff „Weidehaltung“ ist nicht geschützt und liefert daher keine verlässlichen Informationen über die Tierhaltung.

„Die Methoden der Rindermast in Übersee-Ländern stehen zum Teil im deutlichen Widerspruch zu den Vorstellungen der Verbraucher von artgerechter Haltung – und den Werbeprospekten des Handels“, kritisiert Wiebke Franz von der Verbraucherzentrale Hessen. Insbesondere in den USA, aber auch in anderen Überseeregionen, wird ein Großteil der Rinder die letzten drei bis vier Monate ihres Lebens in Feedlots gesperrt und mit energiereichem Futter bis zur Schlachtung gemästet. Gras wächst in solchen Freiluft-Viehgattern, in denen sich meist viele Tiere drängen, nicht. Diese intensive Form der Tierhaltung gilt als effizient, weil weniger Platz, Wasser und Futter pro Kilo Gewichtszunahme benötigt wird als auf der Weide. Doch die nicht artgerechte Fütterung kann Stoffwechselstörungen, Entzündungen und Krankheiten zur Folge haben.

Verbraucher können im Handel nicht erkennen, ob sie mit ihrem Kauf Feedlots unterstützen. „Das vermeintlich gute Image von Premiumfleisch aus Übersee verschleiert die wahren Haltungsbedingungen“, kritisiert Franz. Rindfleisch gilt als hochwertig, weil es durch die intensive Endmast marmoriert und zart ist. Die fehlende Transparenz der Haltungsbedingungen und die langen Transportwege sprechen allerdings gegen das Import-Rindfleisch. Auch deshalb fordern die Verbraucherzentralen eine einheitliche und verpflichtende Kennzeichnung der Haltung analog zu den Eiern bei Fleischprodukten. „Wenn ‚Weidefleisch‘ auf den Teller kommen soll, sind regionale Anbieter zu empfehlen. Hier können Verbraucher nachfragen, wie lange die Tiere auf der Weide standen“, so Franz.