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Letzte Aktualisierung: 14.12.2018

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Fliegende Volksbühne erhält „neues Nest“

Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen

von Karl-Heinz Stier

(04.12.2018) Es war ein Rückblick auf die zehnjährige Geschichte und eine Zustandsbeschreibung der gegenwärtigen Situation. Aber es gab auch einen Blick in die Zukunft, auf Veränderungen und einen Ausblick auf den neuen Spielort. Vieles drehte sich in den Laudationes dabei um Michael Quast – und seine Mitarbeiter der fliegenden Volksbühne.

Bildergalerie
Das Ensemble der fliegenden Volksbühne mit dem Eröffnungsstück „Mein Frankfurt“
Foto: Karl-Heinz Stier
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Moderator Michael Quast bei seiner Begrüßungsrede
Foto: Karl-Heinz Stier
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Er, der erst kürzlich erfolgreich gesundet vom Operationstisch „entfloh“ und seinen Kreislauf wieder normalisierte, wie sehr er sich nach zehn Jahre fliegender Bühnenkunst auf seine neue Herausforderung ab 1. Januar auf sein „neues Nest“ im Frankfurter Cantatesaal neben dem Goethehaus vorbereitet. Es war eine schwere Geburt, wie er gestand. Dazu trug auch der Mietvertrag bei, der mit seinen behördlichen Bestimmungen ihm fast ein Herzanfall gekostet hätte. Doch sein Lebensmotto heiße nunmehr „den Kreislauf stabilisieren und Ruhe bewahren“ und nach dem Motto von Stoltze zu leben: „Das Leben ist kurz, man muss nur miteinander Spaß haben“.

Dr. Ina Hartwig, die Frankfurter Kulturdezernentin,  streifte das Leben Quasts vom Operettensänger und Operetteninszenator, bis er  den Frankfurter Dialekt für sich reklamierte - von  Goethe, Stoltze und anderen Mundartdichtern bis zu seinem Sommerfestival „Barock am Main“ im Garten des Bolongarapalastes in Höchst in seinen unnachahmlichen Rollen als Hauptdarsteller mehrerer Molierestücke in heimischer Mundart („Quast kann alles, sogar Goethe“). „Michael Quast fand Künstler und Künstlerinnen, die genau das verkörpern, was sowohl Moliere als auch Deichsel und später Rainer Dachsel mit seiner hessischen Variante im Sinn hatten“. Michael Quast habe die politische Dimension des Dialekts als direkte Sprache inszeniert und als Protagonist immer auch ein Stück politische Radikalität verkörpert.

Literatur-Verleger Dr. Karlheinz Braun erinnerte daran, dass es bereits 1906  das Rheinisch-Mainische Volkstheater als fliegende Volksbühne gegeben habe. Ihre Auftritte fungierten damals als Volksbildung. Die jetzige Volksbühne ist nach seiner Meinung als Ergänzung und Alternative zu den Städtischen Bühnen zu sehen, ein Theater, das dem Frankfurter Publikum seinen lokalen Charakter und Szenen widerspiegelt und das sich gelegentlich auch der zeitgenössischen Kommunalpolitik widmet. Braun forderte auch, bei dem Gegebenen nicht stehen zu bleiben. „Wir brauchen viele neue Originale, eine neue gegenwärtige Familie wie die Hesselbachs, neue Autoren, die dem Volk aufs Maul schauen, aber nicht den Menschen nach dem Mund reden. Und: ein solches Theater soll unterhaltsam sein“. Das müsse auch das Fernsehen des Hessischen Rundfunks beachten.

Freilich ist auch in der Feierstunde ein Spender aufgetreten, der die Volksbühne in ihrer künftigen Arbeit unterstützt. Michael Müller von der Fraport AG überreichte den Vorsitzenden der Fliegenden Volksbühne einen Scheck, bei dem -  wie Quast sagte „eine 15 davorsteht“.

Musikalisch eingeleitet hat der Empfang im Kaisersaal im Römer das Ensemble der Volksbühne mit einem von Markus Neumeyer komponierten Lied: „Mein Frankfurt“