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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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Fairwandeln: Stadtrundgang durch Hofheims grüne Lunge

von Adolf Albus

(04.09.2019) Hofheims grüne Lunge entlang des Schwarzbachs wird im hektischen Alltag zwischen Busbahnhof und Schulzentrum oft übersehen. Bei einem interaktiven Stadtrundgang entdeckten nun 30 Interessierte die versteckten und nicht so versteckten Schätze der Grünanlage.

Foto: Stadt Hofheim
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Die Artenvielfalt war das Thema und Michael Lang von der Stadt Hofheim zeigte der Gruppe Fledermauskästen in den Bäumen, Fischtreppen im Bach und besondere Wiesen am Wegesrand. Auf dem Rathausdach wartete Imker Hubertus Fischer bei seinen Bienen und erklärte, wie er die Tiere auf ökologische Weise vor Parasiten schützt. Die kurze Wanderung endete am Waldgarten an der Vincenzstraße, wo Horst Mauer eine Führung durch das Idyll der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald führte. Für den Co2-neutralen Rückweg stellte die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft einen Brennstoffzellen-Omnibus bereit.

Los ging es am Richard-Zorn-Weg, die Stadt Hofheim Wiesen, Kräuterrasen und Stauden gepflanzt hat, um besonders Bienen Futter zu bieten. „Aber auch die Vögel haben wir im Blick, die aus der Vegetation ihr Nistmaterial beziehen“, erklärte Michael Lang. Dazu passend finden sich in der Grünanlage auch Nisthilfen und Quartiere für Fledermäuse und Vögel. Forellen und Lachse erhalten im Schwarzbach Unterstützung. „Dort beseitigen wir seit 2012 die Wehre und Stufen, welche die Fische auf dem Weg stromaufwärts behindern.“ Steine bilden nun eine Art Treppe, die von den Tieren gut angenommen wird.

„Bienen fühlen sich in der Stadt wohler als auf dem Land, zumindest wenn sie so grün wie Hofheim ist“, erklärte dann Imker Hubertus Fischer auf dem Rathausdach. Was den Laien erstaunt, kann der Imker ganz einfach erklären: Bienen sind stets auf der Suche nach Futter und das finden sie auf dem Land, bei zunehmender Monokultur, manchmal nur nach langem Flug. „Wenn zum Beispiel der Raps verblüht ist, dann gibt es für die Bienen im weiten Umkreis nichts mehr zu holen. In der Stadt ist das anders: Dort wachsen eine Vielzahl verschiedener Bäume wie Ahorn, Linden, Robinien, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen“, erläutert Fischer. Wenn, wie in Hofheim, Parks und der Wald nahe liegen, dann ist der Tisch über Monate reich gedeckt. Noch einen Vorteil hat das Stadtleben: Dort werden die Pflanzen weitaus weniger oder gar nicht gespritzt.

An der letzten Station gab es neben Erfrischungsgetränken und Essen auch eine Tour durch den Waldgarten – eine grüne Oase aus heimischen Pflanzen. Auf dem dort angelegten Lernpfad erhielten die Teilnehmenden von Horst Mauer, Vorsitzender des Ortsverbandes Hofheim e.V. der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), eine Vielzahl an Tipps für den eigenen Hausgarten und zur Anlage eines Gartenteichs.

Der Stadtrundgang war Teil der Reihe „Fairwandeln“, mit der die vhs Main-Taunus gemeinsam mit der Stadt Hofheim gefördert durch Engagement Global auf nachhaltige Themen aufmerksam machen möchte. Die Themen Nachhaltigkeit, Biodiversität und Fairer Handel sind für viele Menschen oft abstrakt. Das „Fairwandeln“ soll die Probleme und Lösungsansätze konkret machen und sie im direkten Lebensumfeld der Menschen aufzeigen. Seit knapp zwei Jahren setzt die Stadtverwaltung Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt um, was u.a. Thema dieser zweiten Tour des „Fairwandeln“ war. Dazu gehören u.a. veränderter Grünschnitt, Rückzugsorte für Vögel und Fledermäuse und neue Pflanzensaat. Eine erste Tour beschäftigte sich im Frühsommer mit dem Thema „Nachhaltiger Konsum“. Im Herbst folgt die Tour „Von Acker zu Acker“, die lokal produzierte Nahrungsmittel in den Vordergrund stellen wird.