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Letzte Aktualisierung: 09.12.2019

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Expo Real 2019

Coworking und mangelnde Gewerbeflächen im Mittelpunkt des zweiten Messetages

von Ilse Romahn

(09.10.2019) Wirtschaftsdezernent Markus Frank und Planungsdezernent Mike Josef sehen Handlungsbedarf – aber auch Lösungsansätze.

Standfläche Metropolregion FrankfurtRheinMain auf der Expo Real 2019
Foto: Stadt Frankfurt / Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH
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Die Podiumsdiskussion während des traditionellen FAZ-Immobilienforums bei der Expo Real 2019 am Dienstag, 8. Oktober, stellte die kritische Frage nach der Vereinbarung von Gewerbe und Wohnen: „Es wird eng. Verdrängungskampf zwischen Gewerbe, Wohnen und Bildung.“ Dabei diskutierten Wirtschaftsdezernent Markus Frank, Torsten Becker, Geschäftsführer von Stadtplaner tobeSTADT, Planungsdezernent Mike Josef, die Baurechtsexpertin Nina Cohen, FPS Rechtsanwälte sowie der Frankfurter Projektentwickler Andrzej Lyson, Geschäftsführer Planungsbüro Dipl.-Ing. Andrzej Lyson, über die Interessenskonflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzungsformen im Stadtgebiet und mögliche Lösungsansätze.

Wirtschaftsdezernent Frank sagte, dass nach „Untersuchungen der Wirtschaftsförderung seit 2015 mindestens 28 Hektar, also etwa 40 Fußballfelder, ehemals zielkonform genutzte Gewerbe- (GE) sowie Industrieflächen (GI) nicht mehr für gewerbliche Zwecke zur Verfügung stehen. Stattdessen sind die Flächen für die Entwicklung von Wohnraum, häufig gemischt genutzte urbane Wohnquartiere, vorgesehen. Die Weiterentwicklung von Frankfurt am Main als Wohn- und Wirtschaftsstandort setzt aber eine tragfähige Finanzierungsbasis voraus. Hierfür sind innovative Unternehmen unterschiedlicher Größenklassen und Branchen mit jeweils spezifischen Standortanforderungen unerlässlich. Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, auch schwache Gewerbestandorte bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.“

Unterstützung erhielt der Wirtschaftsdezernent dabei von seinem Magistratskollegen, Planungsdezernent Josef. Dieser verwies dabei auf das in kommenden Wochen vorzustellende Gewerbeflächen-Entwicklungsprogramm (GEP): „Das GEP bietet eine solide Grundlage, Investoren und Projektentwicklern verbindliche Planungssicherheit zu geben und höchst spekulativen Grundstücksgeschäften zum Nachteil der Frankfurter Gewerbebetriebe Einhalt zu gewähren.“

„Gewerbe und Industrie sollen eine Heimat in Frankfurt haben. Gewerbe und Wohnen müssen dabei immer mehr zusammenrücken, zum Beispiel Handwerksbetriebe. Der Zuwachs von circa 15.000 bis 20.000 neuen Arbeitsplätzen pro Jahr steht auch für die Attraktivität unserer Stadt. Frankfurt am Main ist eine Stadt des Handwerks, Handels und Gewerbes. Bezahlbare Gewerbeflächen müssen erhalten werden“, sagte Josef.

Die Frage nach Rechenzentren beantwortete Frank damit, dass Rechenzentren in der Stadt willkommen sind: „Wir sind eine digitale Stadt. Wir haben die meisten Rechenzentren. Das soll auch so bleiben.“ Frank und Josef sind sich darüber hinaus einig, dass sie die Rechenzentren bündeln wollen.

Bereits zu früher Stunde fand das erste Panel zum Thema „Coworking: Nur Hype oder Büro der Zukunft?“ statt, welches der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt, Oliver Schwebel, moderiete. Die Panel-Teilnehmer stimmten darin überein, dass hinter Coworking vor allem der Kollaborations- und Innovationsgedanke stehe. Wichtig sei neben der guten Lage auch die Flexibilität und somit Schaffung von Attraktivität für Mitarbeiter. Die neuen Flächenkonzepte leben vom Community-Gedanken. Auch Gewerbegebiete können durch Coworking anders gelebt und genutzt werden. Es gehe um ein urbanes Lebensgefühl. Auch Kreativität spreche für Co-Working und biete ein großes Netzwerk für alle Beteiligten. Die Podiumsteilnehmer sprachen sich einhellig für das Coworking aus. Heutzutage sei es notwendig, dass jeder Projektentwickler, der eine große Immobilie baut, auch über Coworking nachdenke.

Schwebel zog ein positives Resümee am Ende des Panels und sagte: „Die Digitalisierung und der Wandel in der Arbeitswelt wird die klassische Büroimmobilienbranche nachhaltig verändern. Coworking wird dabei eine entscheidende Rolle spielen und deshalb ist es wichtig sich mit Coworking auseinanderzusetzen.“ (ffm)