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Letzte Aktualisierung: 18.04.2019

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EU: Irritierender Schlingerkurs beim Pflanzenschutz

Pilzmittel stehen vor Verbot, Neonikotinoid vor Verlängerung

von Norbert Dörholt

(02.04.2019) Nach dem Verbot von drei Neonikotinoiden und der Intervention gegenüber den Mitgliedsstaaten bei offensichtlich unnötigen Notfallzulassungen scheint die EU-Kommission einerseits wachsamer geworden zu sein. So plant sie, in wenigen Wochen das weitverbreitete Fungizid Chlorothalonil vorzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Andererseits steht ein Pestizid mit einem Neonikotinoid als Wirkstoff offenbar vor der Verlängerung.

Zeigte sich irritiert über den Schlingerkurs der EU-Kommission beim Pflanzenschutz: Der Wiesbadener EU-Abgeordnete Martin Häusling.
Foto: Pressestelle EU-Parlament
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Der Wiesbadener EU-Abgeordnete Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss, kommentierte das so: „Ich begrüße, dass die EU-Kommission auf neueste Erkenntnisse reagiert und selbst dann einen Wirkstoff verbieten will, wenn der schon seit 50 Jahren auf dem Markt ist. Chlorothalonil gehört zu den wichtigsten Pilzbekämpfungsmitteln in Weizen, Gerste, aber auch in Kartoffeln, Bohnen und Erbsen. Doch im Dezember stellte sich heraus, dass das Mittel bei weitem nicht so harmlos ist wie lange Zeit gedacht: Offenbar zeichnet dieses Fungizid für die horrenden Verluste unter den Hummelpopulationen verantwortlich, wie US-Forscher im Dezember verlautbarten. Seine Abbauprodukte können offenbar die Erbsubstanz schädigen. Außerdem sind Amphibien und Fische hochgradig gefährdet.“

In einigen Ländern wie den USA, Großbritannien, Irland, den Niederlanden sei der Wirkstoff das überhaupt am meisten verwendete Pestizid; es werde aber auch in Deutschland in bedeutenden Mengen verwendet. Häusling: „Doch Fungizide hatte bisher niemand auf dem Schirm, wenn es um die Artenerosion geht.“

Wenn jedoch zutreffe, was die TAZ am Wochenende berichtet habe, konterkariere die Kommission ihren neuen Kurs. Offenbar beabsichtige sie, die Zulassung für ein Pestizid des Bayer-Konzerns mit dem derzeit grundsätzlich noch nicht verbotenen, möglicherweise reproduktionstoxischen Wirkstoff Thiacloprid verlängern zu wollen. „Dieses Verhalten der Kommission nenne ich doppelzüngig. Denn es gilt für Thiacloprid im Kern dasselbe wie für andere Neonikotinoide: Sie sind für die Natur und den Menschen ein ernsthaftes Problem und gehörten komplett verboten“, kritisierte Häusling.

Es zeige sich immer wieder, dass der chemische Krieg auf dem Acker nicht ohne enorme Kollateralschäden zu gewinnen sei. „Ob DDT, Lindan oder Neonikotinoide und nun Chlorothalonil: Wir brauchen eine Pestizid-freie Landwirtschaft, wenn wir unsere Natur und Umwelt lebenswert erhalten wollen. Solche Mittel und auch die verbliebenen Neonikotinoide vom Markt zu nehmen, das ist alternativlos“, betonte der EU-Parlamentarier.