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Letzte Aktualisierung: 11.12.2018

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Ernährungsrat Frankfurt organisiert ersten Runden Tisch zum Thema „Mehrwegbecher“

von Ilse Romahn

(24.07.2018) Der Coffee to go Becher steht seit längerem in der Kritik: unnötige Verpackung, zu viel Müll, nicht recycelbar. Doch was sind die Alternativen? Hierzu hat der Arbeitskreis ‚Müll-/Plastikfrei leben in Frankfurt‘ des Ernährungsrats Frankfurt nun zu einem Runden Tisch „Mehrweg“ am 12. Juli in den Räumlichkeiten des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) eingeladen.

Ziel ist es, auf lokaler Ebene Herausforderungen sowie konkrete Lösungsansätze für die Verbreitung von Mehrweg in Frankfurt und damit Verringerung des Einwegmülls zu diskutieren. Als Teilnehmende waren das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit der Initiative BecherBonus vertreten, die Stabstelle Sauberes Frankfurt mit Cleanffm, Kröger‘s Brötchen, der  Einzelhandelsverband, das Deutsche Museum für Kochkunst und Tafelkultur, die Villa Orange, die Berta-Jourdan Schule sowie die FES Frankfurt, die Verbraucherzentrale Hessen und das Veterinärwesen der Stadt Frankfurt. Sie alle haben unterschiedliche Perspektiven auf das Thema „Mehrweg“ – von der Hygieneverordnung hinzu Mehrkosten für Einwegbecher mit dem neuen Verpackungsgesetz 2019 – und doch Eines gemeinsam: Sie treten in den Dialog, um ein Problem zu lösen.

Im Dialog wurden drei Kernpunkte sichtbar:

Viele Menschen möchten auch weiterhin unterwegs Kaffee trinken. Deshalb sucht der Runde Tisch nach Lösungen für ein Mehrwegsystem, das mit der to go Kultur des Verbrauchers kompatibel ist und ihn nicht überfordert.
Da nicht jeder oder jede seinen eigenen Becher mitbringen möchte, ist ein funktionierendes Rückgabesystem eine weitere Möglichkeit, um Müll zu reduzieren. Dessen Etablierung wirft jedoch einige Fragen bzgl. der Gestaltung und Umsetzung von Mehrweg auf: Kann ein System einheitlich gestaltet werden, sodass nicht jede Lokalität für sich gesondert ein System entwirft? Braucht es Rückgabestellen im öffentlichen Raum oder reichen die Cafés aus? Wie kann ein einheitliches System geschaffen werden, womöglich sogar über die kommunalen Grenzen hinaus, damit auch überregional tätige Ketten mitmachen können?

Als weitere Herausforderung wurde Aufklärung bezüglich der Handhabe und Umsetzung von Mehrweg benannt. Besonders die Unsicherheiten in puncto Hygienevorschriften im Umgang mit eigens mitgebrachten Mehrwegbehältnissen seien immer wieder Thema. Insgesamt bräuchte es mehr Sachkenntnis seitens der Gastronomen, beispielsweise in Form gezielter Schulungen, um Sicherheit im Umgang mit Mehrwegbechern zu erreichen. Und auch Verbraucher müssen leicht verständliche Informationen finden. Diese Bildungsarbeit könnenGastronomen nicht allein übernehmen.

Aus Sicht des aktuell pilotierten Frankfurter Mehrweg-Pfandsystems „Cup2gether“ (vertreten durch Lust auf besser leben) seien einige der genannten Herausforderungen lösbar, wenn alle beteiligten Akteure auf kommunaler Ebene kooperierten. Genau dafür sei der Runde Tisch ein wichtiger Schritt. Die Anwesenheit einer so heterogenen Gruppe zeige, dass es in die richtige Richtung gehe.

Ideen und Lösungsansätze wurden lebhaft diskutiert. Ein flächendeckendes Mehrwegsystem wurde präferiert. Dies solle auf einem Pfand basieren, damit sichergestellt werden kann, dass die Becher auch zurückkommen. Hierfür wurden Rückgabecontainer an öffentlichen Plätzen vorgeschlagen. Dabei seien politische Instrumente wie ein Anreizsystem für die Verwendung von Mehrweg zu diskutieren. Auch Instrumente wie Steuern, Abgaben auf Einwegverpackung oder Verbote von Einweg allgemein oder auf öffentlichen Veranstaltungen seien zu überdenken. Für diese politischen Wege sind auch lokale Initiativen ‚von unten‘ von Relevanz, sie schärfen das Bewusstsein der Verbraucher und führen auf lange Sicht auch auf politischer Ebene zu Veränderungen.

Die Beteiligung der städtischen Abfallwirtschaft und die Vernetzung der einzelnen Akteure sind essenziell. In anderen Städten zeigt diese bereits Wirkung. Um auch in Frankfurt eine bessere Vernetzung zu etablieren und Lösungen zu entwickeln, wurde einstimmig festgehalten, dass zeitnah ein zweiter Runder Tisch stattfinden soll. Bei müllfreien Snacks, bereitgestellt von gramm.genau und konstruktiven Gesprächen wurde spürbar, dass Kollaboration und innovative Gremien wie der Ernährungsrat in Frankfurt bald zum Mehrweg führen.

Als Mitglieder des Arbeitskreises veranstalteten Lukas Sattlegger und Paul Luca Raschewski vom ISOE den Runden Tisch gemeinsam mit Sabrina Neugebauer, Christine Braun vom Ernährungsrat Frankfurt/ Lenkungskreis, Franziska Geese von gramm.genau, Marlene Haas von Lust auf besser leben.  Der im August 2017 gegründete Ernährungsrat Frankfurt ist eine Initiative des Vereins Bürger für regionale Landwirtschaft und Ernährung e.V. Als Gremium schafft der Ernährungsrat Räume, in denen Menschen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung an einem Tisch sitzen und das Ernährungssystem demokratisieren.