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Letzte Aktualisierung: 11.12.2018

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Erfolgreiche Winzerinnen im Rheingau

Plaudereien beim Rheingauer Weinkonvent

von Karl-Heinz Stier

(03.12.2018) Dass es nicht nur in Rheinhessen, der Pfalz oder im Badischen engagierte und richtungsweisende Winzerinnen gibt sondern auch im Rheingau hat der Rheingauer Weinkonvent in seiner Reihe „Weinplaudereien“ unter Beweis gestellt. Unter der Initiative und Moderation von Kapitular Karl-Heinz Stier haben vier Damen ganz unterschiedlicher Temperamente, Herkunft und Vorstellungen zum Weinbau in Keßlers „Riesling Pier“ in Hallgarten diskutiert und über ihre Ausbildung und Erlebnisse als Winterinnen berichtet. Dazu haben sie auch eigene Erzeugnisse zur Weinprobe mitgebracht.

Bärbel Frosch-Brunnenstein aus Mainz-Kostheim, Dr. Cordula Fellow aus Oestrich, Moderator Karl-Heinz Stier, Schwester Thekla vom Kloster Eibingen und Hausherrin Christine Keßler von Hallgarten
Foto: Weinkovent
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Dr. Cordula Fehlow („Ich habe erst seit dem 21.Lebensjahr Wein getrunken“), seit Geburt stark sehbehindert, bewirtschaftet  als Quereinsteigerin zusammen mit ihrer Partnerin Cornelia Schimpff in Aßmannshausen, Geisenheim, Lorchhausen und Rüdesheim ihre Anbauflächen. Sie war erst Diplom-Forstwirtin in Göttingen, hat sich seit 1994 als Weinbauingenieurin in Geisenheim ausbilden lassen und über Fassküfer promoviert. Ihre Weine haben die Lagebezeichnung im Untertitel. Im Haupttitel heißen sie „Götterdämmerung“, „Donner“, "Gunther“ oder „Silicia“, angelehnt an Richard Wagners Opern, dessen inhaltliche Komponenten sie auf den Wein zu übertragen versucht. Sie schätzt alte Weine. Die meisten ihrer Trauben werden per Hand gelesen und in Holzfässern ausgebaut. Billige Weine zu  verkaufen ist nicht ihr Ziel, der Wein ist für sie ein Stück Kulturgut und kein Massenprodukt. Sie lehnt Anlagen ab, die dem Wein Alkohol entziehen.

Auch dem nächsten Gast schwebte als Berufsziel zunächst etwas anderes wie Floristin oder Gärtnerin vor. Schließlich haben ihre Eltern  Bärbel Frosch-Brunnenstein aus Mainz-Kostheim überredet, nach ihrer Ausbildung als Weinhandelsküferin, Groß- und Außenhandelskauffrau und Weinbautechnikerin 19991 in den elterlichen Betrieb einzutreten und ihn dann 2001 zu übernehmen. Sie war dreimal Weinhoheit – in Kostheim, Wiesbaden und im Rheingau. Noch heute ist sie mit ihrer 6 Hektar großen Anbaufläche Vorsitzende der Wiesbadener Winzer. Sie hat in ihrem Betrieb auch einen Auszubildenden eingestellt. Und woher kommen ihre Kunden? „ Wir müssen uns von den Discountern und Supermärkten absetzen und die Weininteressenten überzeugen, dass Winzerweine ein Stück Heimat und Verbundenheit mit der Natur sind. Das ist unsere Stärke und damit müssen wir wuchern“. Auf die Frage, ob es so etwas wie „feminine“ Weine gibt, überlegt Frau Frosch nicht lange und meint:  „Manche Frauen machen deshalb einen guten Wein, weil sie mehr Gefühl für seine Aromen haben“.

Die dritte Winzerin, ein besonderer Gast, kommt aus dem Klosterweingut der Benediktinerinnen-Abtei  St. Hildegard in Eibingen, die auf eine 850jährige Geschichte zurückblicken kann: Sie heißt Schwester Thekla (Baumgart) und setzt seit 27 Jahren  die Tradition des klösterlichen Weinbaus fort. Der Klosterwein ist eine nicht unbeträchtliche Einnahmequelle für das Kloster. Zusammen mit Kellermeister Arnulf Steinheimer „managt“ sie die 7,5 Hektar Weinberge und ein Fasslager von 70 000 Liter. Bei der Landesweinprämierung 2018 wurde das Kloster mit 12mal Gold, viermal Silber und einmal Bronze ausgezeichnet. Es verkauft seine Weine vorwiegend in Deutschland oder dem benachbarten Ausland. Und das Gut vertreibt auch den Messwein an die katholischen Pfarreien. Bei der Lese helfen die Mitschwestern aber auch Kunden mit. Beim Anbau neuer Rebsorten ist Schwester Thekla zurückhaltend. Zunächst will sie bei den traditionellen Rebsorten des Rheingaus bleiben. Auf die Frage, wie lange sie ihre Tätigkeit als Winzerin noch ausüben wolle, meinte sie „vielleicht noch zehn bis 15 Jahre“.

Schließlich kam die Hausherrin, die Winzerin Christine Keßler zu Wort, die mit ihrem Mann Peter in der Hallgartner Rebhangstraße hoch oben auf dem Berg mit herrlichen Blick auf das Rheintal ihr neu errichtetes  Weingut mit Gutsausschank seit 2017 betreibt. Beide kommen aus elterlichen Weingütern(Bickelmeier und Keßler) und bauen ihre Rebsorten auf rund 10 Hektar an. Sie studierte in Geisenheim  mit Abschluss Diplom-Ingenieurin für Weinbau und Önologie und war 1999 Rheingauer Weinkönigin. Davor Ortsweinkönigin und Prinzessin in Oestrich. Bei ihr hat der Wein nicht mehr als 8 Prozent Säure. Aus der Zertifizierung ökologischer Weinbau sind sie mittlerweile ausgeschieden (Mehr über das Weingut Im Riesling-Kurier 3/2018).

Alle vier Winzerinnen versicherten bei den Plaudereien, dass bei ihnen nach wie vor der Riesling-Anbau an erster Stelle stehe (zwischen 70 und 80 Prozent), gefolgt vom Spätburgunder (zwischen 10 und 15 Prozent). Das zeigte sich auch bei den Weinproben, die die vier Winzerinnen mitgebracht haben: Riesling trocken Kabinett (Keßler), Riesling classic (Klosterweingut Eibingen), Riesling Spätlese feinherb (Weinkellerei c & c in Oestrich). Frau Frosch hat zum Abschluss einen trockenen Rotwein Cabernet-Sauvignon für ihre Probe mitgebracht.

Der neue Kapitelältesten Thomas Palinkas nahm die Weinplauderei zum Anlass, der scheidenden Rheingauer Weinkönigin Tatjana Schmidt für ihre bisherige Tätigkeit zu danken. Sie überreichte ihrer Nachfolgerin Katharina die extra angefertige Kette des Rheingauer Weinkonvents. Die Kette dient als Zeichen für die Aufnahme in den Weinkonvent, die Mitgliedschaft wurde  - wie es bisher auch so Sitte war -  für ihre Amtszeit geschenkt. Jede der beiden Damen erhielt außerdem vom  Kapitelältesten einen Blumenstrauß, Katharina noch eine Urkunde zur Aufnahme in den Konvent.