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Letzte Aktualisierung: 18.01.2019

ENERGIEWENDE - Hessens Industrie produziert immer effizienter

von Helmut Poppe

(10.12.2018) Hessens Gewerbe und Industrie produzieren immer energieeffizienter: Während die reale Bruttowertschöpfung im vergangenen Jahr um 3,4 Prozent zulegte, wuchsen der Stromverbrauch nur um 0,1 Prozent und der gesamte Energiebedarf in diesem Sektor nur um 0,2 Prozent.

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Foto: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
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Dies geht aus dem aktuellen Energiemonitoring-Bericht des Hessischen Wirtschaftsministeriums hervor. „Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch entkoppeln sich, die Energiewende in Hessen kommt voran“, kommentierte Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir am Freitag.  

Der Minister verwies auf die langfristige Betrachtung: In den Jahren 2000 bis 2017 ist Hessens Wirtschaftsleistung um 13,7 Prozent angestiegen, der temperaturbereinigte Endenergieverbrauch dagegen um 6 Prozent zurückgegangen. Anders ausgedrückt: Mit derselben Menge an Endenergie kann Hessens Wirtschaft heute 21 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen schaffen. Allein 2017 stieg die Endenergieproduktivität um 1,7 Prozent. „Die sauberste Energie ist immer noch die, die gar nicht erst erzeugt werden muss. Deshalb ist mehr Effizienz ein untrennbarer Bestandteil der Energiewende“, erläuterte der Minister.

„Die sauberste Energie ist immer noch die, die gar nicht erst erzeugt werden muss. Deshalb ist mehr Effizienz ein untrennbarer Bestandteil der Energiewende“ 
Hessens Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir

Wie der Bericht weiter feststellt, deckten in Hessen erzeugte Erneuerbare Energien im Jahr 2017 erstmals ein Fünftel (20,0 Prozent) des hessischen Bruttostromverbrauchs – ein Plus von 3,1 Prozentpunkten binnen eines Jahres. 103 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 300 Megawatt (MW) wurden neu in Betrieb genommen. Der Zubau von Photovoltaik-Anlagen summierte sich auf eine installierte Leistung von 73,5 MW. Die Investitionen in Anlagen zur erneuerbaren Stromerzeugung kletterten um 3,5 Prozent auf 561 Millionen Euro. 

„2018 hat sich die Entwicklung fortgesetzt“, sagte Al-Wazir. „Zur Jahresmitte lag der Anteil der Erneuerbaren Energien bereits bei 22,5 Prozent. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir im Gesamtjahr 2018 dem von der Landesregierung für das Ende der Legislaturperiode formulierten 25-Prozent-Ziel im Stromsektor zumindest sehr nahe kommen.“ 

Große Potenziale im Gebäudebestand 

Bei der energetischen Modernisierung von Wohngebäuden lag Hessen mit einer Modernisierungsrate von 0,99 Prozent in den Jahren 2010 bis 2016 genau im Bundestrend, wie das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) ermittelt hat. Al-Wazir erklärte dagegen eine deutlich höhere Rate für nötig und kündigte zusätzliche Anstrengungen an: „Eine energetische Modernisierung kann den Energiebedarf erheblich senken – bei höherem Komfort.“ Für solche Vorhaben wurden im vergangenen Jahr hessenweit knapp 900 Mio. Euro Fördermittel bei der KfW abgerufen. 

Ladepunkte nahezu verdoppelt 

Deutlich gewachsen ist die Zahl der in Hessen zugelassenen Elektrofahrzeuge: Anfang 2018 waren 19.822 Hybridmodelle (+ 38,5 Prozent) und 4.139 reine Elektroautos (+ 59,7 Prozent) auf hessischen Straßen unterwegs. Ihnen standen landesweit 1.179 Ladepunkte zur Verfügung – annähernd doppelt so viele wie im Jahr 2017 (642).  

Beschäftigung im Plus 

In Hessen waren im Jahr 2016 insgesamt 17.630 Personen im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Das Plus von 1,8 Prozent war der erste Zuwachs seit 2012. Neue Stellen in den Bereichen Windenergie (+ 460 Beschäftigte) und Biokraftstoffe (+ 200 Beschäftigte) glichen Verluste u. a. in der Photovoltaik (- 300 Beschäftigte) mehr als aus. Leicht rückläufig war die Entwicklung bei den Energieversorgern, die rund 13.000 Personen in Hessen beschäftigten.  

Hessen ist Energieforschungsland 

Entgegen dem Bundestrend stiegen die Mittel des Landes Hessen zur Förderung der Energieforschung deutlich an. Das Volumen wuchs um 3,9 Mio. Euro auf insgesamt 9,1 Mio. Euro. Mit 4,8 Mio. Euro entfiel über die Hälfte auf Projekte zur Energieeinsparung. Vorhaben zur E-Mobilität wurden mit 1,6 Mio. Euro gefördert.