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Letzte Aktualisierung: 22.02.2019

Elektroautos gab es schon vor 160 Jahren

Museum für Kommunikation stellt Höhepunkte in 2019 vor

von Karl-Heinz Stier

(04.02.2019) Elektrofahrzeuge scheint der Hoffnungsträger einer möglichen Verkehrswende zu sein. Doch neu ist das Fahren mit Strom nicht. Schon die ersten Automobile, gebaut Mitte des 19. Jahrhunderts, waren batteriebetrieben – noch vor den Verbrennungsmotoren. So auch der Fuhrpark der Post, denn das ständige Fahren und Anhalten im städtischen Zustellungsverkehr war dafür optimal.

Bildergalerie
Elektrischer Paketzustellwagen im vorigen Jahrhundert
Foto: MKF Bert Postelmann
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Paik Nachschöpfung Pferd
Foto: MKF Stefanie Kösling
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Programmvorstellung 2019 mit Dr. Helmut Gold und Dr. Corinna Engel
Foto: Karl-Heinz Stier
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Sogar nach dem 2. Weltkrieg gab es noch 700 solcher Autos – bis in die 70iger Jahre. Das Frankfurter Museum für Kommunikation nimmt sich in einem besonders ausgewählten Thema der Diskussion um Elektroautos und Elektromobilität in der Ausstellung „Geschichte und Gegenwart einer Zukunftstechnologie“ vom 21. März bis 13. Oktober an.

Mit einer ganz besonderen Szenografie informiert „elektro +/- mobil“ über die aktuelle Debatte und bezieht das Publikum mit ein. Kommt der Boom des Elektroautos, was wären die Konsequenzen? Was bedeutet es für die Umwelt? Was für die Gesellschaft?  - sind nur einige der Themen. In der Entwicklungsabteilung setzen sich Besucherinnen und Besucher hinter das Steuer und fahren los. Auf großen Bildschirmen ziehen Themen und Informationen an ihnen vorüber. Im viersitzigen Chassis bestimmen sie selbst mit dem Gaspedal, ob sie anhalten und mehr erfahren wollen. „Und wer meint, Elektroautos seien völlig geräuschlos, wird eines besseren belehrt“,  so Projektleiter Joel Fischer. Die Ausstellung zeigt Geschichte und Gegenwart der Elektrofahrzeuge im Postbetrieb – auch in  Sonderführungen im Depot des Museums in Heusenstamm und kontrastiert dieses spezielle  Einsatzgebiet mit alltäglichen Mobilitätsansprüchen.

Eine weitere Attraktion des Museums: eine Ikone der Medienkunst kehrt zurück – Nam June Paiks Pre Bell Nam. Dank der Funde von Doubletten der Kommunikationsgeräte, die der koreanische Künstler 1989 für die Gestaltung des  Reiters verwendete, wird derzeit mit originalen historischen Ersatzteilen eine Nachschöpfung hergestellt. Die Authentizität des Kunstwerks bleibt damit erhalten und eine erneute Aufstellung auf dem Museumsplatz im Schaumainkai 53 ist „unbedenklich“. Aktuell befindet sich  das Pferd in der Restaurierungswerkstatt im Sammlungsdepot in Heusenstamm. Anlässlich seiner Aufstellung zeigt das Museum ab 13. Juni eine begleitende Ausstellung in ihren Kunsträumen. Die Ausstellung soll zum Verständnis von Medien-Kunst, den Eigenarten des  Mediums im Allgemeinen und der Bedeutung von Paks Werk im Besonderen beitragen. Vorbereitend findet am 14. März eine internationale Tagung zu Fragen und Aspekten der Bewahrung und Restaurierung von Medienkunst am Beispiel von Nam June Paik statt.

Vom 25. September bis August 2O2O präsentiert das Museum für Kommunikation eine weitere Ausstellung „Gesten. Gestern, heute, übermorgen“. Mit dem Daumen nach oben signalisieren wir unser Okay, mit der „Scheibenwischergeste“ unser Unverständnis, und wenn wir eine imaginäre Kurbel betätigen, möchten wir in der Regel, dass jemand sein Autofenster herunterlässt. „Mit unseren Händen imitieren wir Objekte und wie wir mit ihnen umgehen. Sie begleiten unser Sprechen und sind ein wichtiger Teil der Alltagskommunikation. In einer zunehmend technisierten Welt revolutionieren Gesten auch unseren Umgang mit Gegenständen wie Autos, Fernsehen, Computern, Haushaltsgeräten oder Spielkonsolen“, betont Museumsdirektor Dr. Helmut Gold. Die Ausstellung macht Gesten und ihre vielfältigen Bezugspunkte zu aktuellen kulturellen und technischen Entwicklungen und Wandlungsprozessen erfahr-und erlebbar. In dem u.a. von der Technischen Universität Chemnitz entwickeltem Projekt treffen „interaktive Installationen auf geschichtsträchtige Exponate sowie auf Kunstwerke, die sich mit Gesten allgemein als menschlich hervorgebrachte Zeichen auseinandersetzen“. Besucher können erkunden und ausprobieren: wie hängen Gestik und Sprechen zusammen? Wie kann die Geste der flachen Hand zu einem virtuellen Flugzeug werden? Wie blättert man in einem Gestenlexikon?

Gegen Ende des Jahres, genauer ab 12.Dezember, beginnt ein weiterer Höhepunkt: „Das Geheimnis. Ein gesellschaftliches Phänomen“. Ob am Arbeitsplatz, beim Arzt oder in der Familie – kaum ein Bereich im Leben kommt ohne Geheimnis aus. Geheimnisse können schön sein, erschreckend, böse oder banal. Es gibt sie, seit Menschen zusammenleben, und ihre Geschichte ist eng mit der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden. „Im 21. Jahrhundert scheint sich die Bedeutung von Geheimnissen verändert zu haben. Soziale Netzwerke, neue Kommunikationsformen und Überwachung bedrängen die Räume und Sphären, die das Entstehen und Bewahren von Geheimnissen ermöglichen, während Transparenz zum Leitbegriff nicht nur in Politik und Wirtschaft wird“, sagt Dr. Corinna Engel, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit des Museums. Die Ausstellung fragt nach dem Zusammenspiel von Transparenz und Schutz, von Macht und Vertrauen sowie von persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung.

In einem Rückblick auf das Jahr 2018 zeigt sich Direktor Dr. Gold zufrieden. „Es war ein erfolgreiches Jahr“, bekräftigte der Museumsleiter. Mit 112 625 Besuchern verzeichnete es einen Zuwachs von 3,81 Prozent. „Dies ist umso erfreulicher, weil aufgrund der Erneuerung der Lichtanlage das Haus vier Wochen schließen musste“.

Die mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Mediengeschichte/n neu erzählt“ begonnene Ausrichtung erhalte 2019 weiter Profil: Mit neuen Themenführungen, medienpädagogischen Angeboten und der Besetzung der Projektstelle von Leben & Lernen X.O wolle das Museum konzeptionell auf den digitalen Wandel reagieren. Bei Leben & Lernen X.O werde die Reihe der Debatten-Dienstage mit prominenten Rednern aus Deutschland fortgesetzt, ab März starte eine Podcast-Reihe und eine Ausstellung zu „Digital und Ich“. Sie ist als Arbeitstitel 2019 in der Konzeptionsphase.