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Letzte Aktualisierung: 17.07.2019

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Dreimal Rossini-Oper in neuer Spielzeit

Frankfurts Intendant Loebe beklagt finanzielle Kürzungen

von Karl-Heinz Stier

(09.05.2019) Der Spielplan der Oper Frankfurt in der Saison 2019/20 bietet mehr als 500 Veranstaltungen – insgesamt davon 187 reine Musikevents. Auf dem Programm stehen erneut 12 Premieren mit 96 Aufführungen, 9 davon werden im Opernhaus und 3 im Bockenheimer Depot aufgeführt. Darüber hinaus sind 15 Wiederaufnahmen sowie 9 Liederabende in der Oper geplant.

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Intendant Loebe bei der Erläuterung seines neuen Spielzeit-Programms
Foto: Karl-Heinz Stier
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Das Programm weist über 500 Veranstaltungen der Frankfurter Oper aus
Foto: Karl-Heinz Stier
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„Wir schreiten den Raum ‚Oper‘ in alle denkbaren Richtungen ab und zeigen die Vielfalt bei bestmöglicher Qualität, szenisch wie musikalisch. Das Haus profitiert ungemein von der Kontinuität“, sagte Intendant Bernd Loebe.

Gleich dreimal – allesamt Frankfurter Erstaufführungen - entdeckten die Programmverantwortlichen Unbekanntes von Rossini. Den Auftakt macht am 8. September im Opernhaus Otello in der weniger bekannten Vertonung des „Schwans von Pesaro“. Sie ist dieÜbernahme einer Produktion des Theaters an der Wien, „in der sich drei Tenöre die Koloraturen um die Uhren hauen“. Rossini weicht dabei deutlich von Shakespeares Vorlage ab. Sein Interesse gilt weniger der Eifersucht des Titelhelden als dem Konflikt zwischen Desdemona und ihrem Vater. Die musikalische Leitung liegt bei dem italienischen Dirigenten Sesto Quatrini, der mit dieser Neuproduktion sein Hausdebüt in Frankfurt vorlegt.

Die zweite Rossini-Oper gibt es am 2. Februar 2020 im Bockenheimer Depot: La Gazetta. Don Pomponio, Neapolitaner, geschäftstüchtig und neureich, versucht seine Tochter mit einer Heiratsanzeige loszuwerden – doch sie hat andere Pläne.

In der Zwischenzeit sind mindestens 5 verschiedene Opern entstanden, denen die Heiratsgeschichte zugrunde liegt. Manche musikalische Nummer der Gazetta ist bekannt, etwa aus IL Turco in Italia oder La Cenerentola, mit der sie sogar die ganze Ouvertüre teilt.

Die dritte Rossini-Oper startet mit Bianca e Falliero am 5. April 2020 im Opernhaus. Der Inhalt: Venedig strebt die Weltmacht an, man  deckt Verschwörungen von spionierenden Botschaftern auf und isoliert sich aus Angst vor der Bedrohung. Nicht zuletzt wegen der hohen vokalen Ansprüche konnte sich die Oper zu Lebzeiten des Komponisten nicht durchsetzen. Erst 1986 wurde das Werk in Rossinis Geburtsstadt Pesaro wiederentdeckt und offenbarte seine außergewöhnlichen Qualitäten.

Und das sind u.a. weitere Premieren: Von Asmik Grigorian als Manon Lescaut (6. Oktober) ist Außerirdisches zu erwarten: in Kombination mit dem Regisseur Alex Olle und dem neuen Stardirigent Lorenzo Viotti, der zum dritten Mal nach Frankfurt kommt. Puccini begründete 1893 mit dieser Oper seinen Weltruhm, die pure Emotion als menschlicher Lebensantrieb steht bei ihm im Mittelpunkt. Die tragische Liebesgeschichte der Manon Lescaut ist eine Erzählung des Scheiterns – an den oberflächlichen glänzenden Verlockungen dieser Welt ebenso wie an einer grausamen, unmenschlichen Wirklichkeit.

Die Oper Lady Macbeth von Mzensk (3. November) erzählt von einer Frau, gefangen in einem System allgegenwärtiger Unterdrückung, Überwachung und trostloser Verrohrung. Als sie sich daraus befreien will, wird sie zur Mörderin. Regie führt Frankfurts Schauspielintendant Anselm Weber. Die Titelpartie der Katerina Ismailowa verkörpert die deutsche Sopranistin Anja Kampe.

Als nächste Premieren folgen: Gabriel Faures Penelope als Frankfurter Erstaufführung am 1. Dezember, Richard Wagners Tristan und Isolde (19. Januar), Salome von Richard Strauss (1. März), der Prinz von Homburg von Hans Werner Henze (7. Juni) und Inferno, eine Uraufführung von Lucia Ronchetti im Bockenheimner Depot. Dabei entstehen Klanglandschaften, in denen ausgewählte Episoden aus Inferno, dem ersten Teil der Göttlichen Komödie von Dante, Gestalt annehmen. Seine immer wieder eschreckend genaue Sprache und die lebendigen Portraits einer Vielzahl seiner Zeitgenossen werden zum Spiegel für unsere eigene Zeit.

Zu den Wiederaufnahmen gehören u.a.: Julietta (13. September), Don Carlo (7. Dezember), Rigoletto (24. Januar), Carmen (31. Januar), Don Giovanni (24. April) und der Rosenkavalier (10. Mai). Im Programm stehen außerdem 9 Liederabende , die „Creme de la Creme“, wie Intendant Loebe betont.

Auch in der kommenden Spielzeit ist die Oper Frankfurt andernorts zu Gast. Generalmusikdirektor Weigle dirigiert im Mai 2019 Antrittskonzert und  Konzertphasen als neuer Chefdirigent des Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Japan, im Juni Strauss Salome in einer Produktion der Hamburger Staatsoper, im März Mahlers 3. Sinfonie mit dem MDR-Sinfonie-Orchester im Gewandhaus in Leipzig, im April 2020 Brahms ein deutsches Requiem mit den Wiener Symphonikern im Konzerthaus Wien und im Mai 2020 Tschaikowskis Pique Dame an der Deutschen Oper Berlin.

Intendant Loebe  beklagte die mangelnde finanzielle Unterstützung durch die Stadt Frankfurt. Im Rahmen der zweiprozentigen allgemeinen Haushaltskürzung müssen die Städtischen Bühnen 1,4 Millionen Euro weniger verkraften. Außerdem  fallen die Tariferhöhungen der Beschäftigten allein seiner Kalkulation zur Last und statt der 4 Millionen Euro Zuschuss des Landes erhält die Oper nur 2 Millionen Euro. Die Stadt Frankfurt kappt 2 Millionen aus Gründen der allgemeinen mangelnden Unterstützung des Landes für ihre eigenen Zwecke ab.

Generalmusikdirektor Weigle weist darauf hin, dass vor den Städtischen Bühnen „ein eminent wichtiges Jahr liege“. „Ein starkes Signal der kümftigen baulichen Vorhaben würde dafür sorgen, dass auch weiterhin renommierte wie auch junge Sänger_innen, ausgezeichnete Orchestermusiker_innen, bedeutende Regisseur_innen und weitere hervorragende künstlerische und technische Mitarbeiter_innen ihren Weg nach Frankfurt am Main finden“. Weigles Vertrag endet 2023.