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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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Dr. Helmut Müller scheidet als Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain aus

Karin Wolff tritt die Nachfolge an

von Dirk Metz-Kommunikation

(09.09.2019) Nach sechs Jahren an der Spitze des Kulturfonds Frankfurt RheinMain wird der Geschäftsführer, Dr. Helmut Müller, zum 31. Oktober 2019 sein Amt niederlegen. Der 67jährige hatte die Leitung des Kulturfonds im Juli 2013 übernommen und scheidet nun auf eigenen Wunsch aus.

Zu seiner Nachfolgerin bestimmte die Gesellschafterversammlung einstimmig die frühere hessische Kultusministerin Karin Wolff. Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Ulrich Krebs, dazu: „Wir danken Dr. Helmut Müller für seinen hervorragenden Einsatz im Namen der Gesellschafter. Er hat einen ganz entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass der Kulturfonds heute fest in Frankfurt RheinMain verwurzelt ist und zugleich Projekte mit nationalem und internationalem Ansehen in der Region initiiert und fördert. Gleichzeitig sind wir der festen Überzeugung, diesen erfolgreichen Weg mit Karin Wolff an der Spitze des Kulturfonds weiterführen zu können. Sie ist in der Region gut vernetzt und mit Leidenschaft bei der Sache."

In seiner Zeit als Geschäftsführer legte der frühere Wiesbadener Oberbürgermeister besonderen Wert darauf, die Vernetzung von Kulturinstitutionen in der Region zu fördern und zu festigen. So baute Müller etwa die kulturellen Schwerpunktthemen aus, die unter seinem Vorgänger Prof. Dr. Herbert Beck eingeführt worden waren. Jeder Schwerpunkt ist mit der Einladung an Kulturschaffende verbunden, sich Projekten des jeweiligen Mottos zu widmen und so unter einem gemeinsamen Dach an Themen und Erzählungen für die Region Frankfurt RheinMain zu arbeiten. In die Zeit Müllers fielen drei der vier angesetzten Schwerpunktethemen: „Impuls Romantik" (2012 - 2015), „Transit" (2015 - 2018) und „Erzählung. Macht. Identität." (2019 - 2021). „Impuls Romantik – Rheinromantik, Mainromantik" widmete sich der Gedankenwelt des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts und ihren Folgen für die Region und das gesellschaftliche Zusammenleben. Der Schwerpunkt „Transit" rückte den Charakter der Region Frankfurt RheinMain als Transitraum in den Fokus. „Erzählung. Macht. Identität.", das aktuelle Schwerpunktthema des Kulturfonds, soll Kulturschaffende animieren, den drei Leitmotiven in der Region Frankfurt RheinMain nachzuspüren und herauszuarbeiten, was die Region im Innersten zusammenhält. Der scheidende Geschäftsführer sieht in den Schwerpunkten ein erfolgreiches Mittel, um Kooperationen zwischen Kulturschaffenden über Stadtgrenzen und etablierten Strukturen hinaus zu ermöglichen: „Ob in der Kultur, in der Wirtschaft oder der Politik, wir sehen, dass durch partnerschaftliche Zusammenarbeit über tradierte Grenzen hinaus Mehrwert entsteht. Für mich war es in den vergangenen Jahren deshalb ein besonderes Anliegen, den Austausch von Kulturschaffenden und Institutionen zu intensivieren, um gemeinsam Projekte mit internationaler Strahlkraft verwirklichen zu können und so auch die Sichtbarkeit der Region zu erhöhen."

Ein weiterer Fokus Müllers lag im Bereich der kulturellen Bildung. In den nunmehr sechs Jahren seit seinem Antritt als Geschäftsführer entwickelte sich etwa das gemeinsam mit ausgewählten Schulen veranstaltete Projekt „KUNSTVOLL" ausgesprochen erfolgreich und ging 2019 in seine mittlerweile siebte Förderrunde. Das Förderprogramm bringt Künstler und Kultureinrichtungen mit Schülerinnen und Schülern zusammen. Im Zeitraum eines Schuljahres werden kreative kulturelle Projekte gemeinsam erarbeitet und präsentiert. Durch „KUNSTVOLL" sind bereits 100 Partnerschaften zwischen Schulen und Kultureinrichtungen geschaffen worden, die Schülerinnen und Schüler, unabhängig von Herkunft und Schulform, in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt haben.

Erfolgreiche Kooperationen mit Bad Vilbel, Offenbach am Main und Oestrich-Winkel
Dass in Müllers Zeit die Bedeutung des Kulturfonds noch stärker geworden ist, zeigen auch die vereinbarten Kooperationspartnerschaften mit den Städten Bad Vilbel, Offenbach am Main und Oestrich-Winkel, die maßgeblich auf Müllers Engagement zurückzuführen sind. 2016 hatte die Stadt Bad Vilbel eine dreijährige Kooperationsphase mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain vereinbart, 2017 folgten die Städte Offenbach am Main und Oestrich-Winkel. Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte das Stadtparlament in Bad Vilbel einstimmig beschlossen, nach der dreijährigen Kooperationsphase Gesellschafter des Kulturfonds zu werden. Die Zusammenarbeit mit den drei Städten, die in Müllers Amtszeit initiiert wurde, ist für ihn ein entscheidender Schritt zur kulturellen Vernetzung der Region: „Es freut mich, dass das kulturelle Netzwerk des Kulturfonds in den letzten Jahren noch engmaschiger geknüpft werden konnte. Alle drei Städte haben ein erstklassiges kulturelles Angebot: Bad Vilbel zeichnet sich durch die Burgfestspiele oder auch die Alte Mühle aus, in Offenbach bieten das Capitol und das Ledermuseum eine hervorragende Bühne für Veranstaltungen und die Brentanoscheune in Oestrich-Winkel ist ein ganz besonderes Industriedenkmal, dass zu kulturellen Highlights einlädt. Es freut mich deshalb umso mehr, dass wir mit unseren Projekten nun auch Zugang zu solch tollen Institutionen haben. Der Ballungsraum Frankfurt RheinMain wächst so auch kulturell zusammen, und das ist gut so!"

Hoher Stellenwert der Kulturförderung in der Region
Auch in der Bevölkerung trifft die Arbeit des Kulturfonds auf Anerkennung – das zeigt das „Kulturbarometer", eine breitangelegte Umfrage des Fonds, die zuletzt im Frühjahr 2019 vorgestellt wurde. Sie zeigte, dass Kultur eine entscheidende Rolle für die Attraktivität der Städte und Kreise in der Region Frankfurt RheinMain spielt - und gerade die öffentliche Hand sich in dem Bereich noch stärker engagieren sollte. 80 Prozent der Befragten sahen den Staat, also Bund, Land, Städte und Landkreise, in der Verantwortung, Kunst und Kultur stärker zu fördern. Zudem wurde deutlich, dass eine breite Mehrheit eine gemeinsame Kulturförderung der Städte und Kreise im Sinne des Kulturfonds als wünschenswert erachtet. Müller versteht die Ergebnisse als Auftrag, auch für die zukünftige Arbeit des Kulturfonds: „Ich wünsche mir, dass der Vernetzungsgedanke weiter vorangetrieben wird – und vielleicht erweitert sich der Kreis der Gesellschafter ja noch um die ein oder andere Stadt bzw. den ein oder anderen Kreis."

Auf die vergangenen sechs Jahre beim Kulturfonds blickt Müller mit Freude zurück: „Es war eine intensive und inspirierende Zeit, in der ich hoffe, der Kulturregion Frankfurt RheinMain wichtige Impulse mit auf den Weg gegeben zu haben. Die Zusammenarbeit mit den Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden hat mir wirklich großen Spaß gemacht. Das Potenzial, das in dieser Region steckt, ist noch viel größer, als ich je gedacht hätte. Nun werde ich das hervorragende Kulturprogramm unserer schönen Region aus einer anderen Perspektive genießen können, darauf freue ich mich", so sein Fazit.

Gesellschafterversammlung benennt Staatsministerin a.D. Karin Wolff als Nachfolgerin
Die Gesellschafterversammlung des Kulturfonds hat mit Karin Wolff eine neue Geschäftsführerin bestimmt, die Expertise im Kulturbereich mitbringt. Der Kulturfonds werde von der langjährigen Erfahrung von Karin Wolff profitieren, ist der Landrat des Hochtaunuskreises und Vorsitzende des Kulturausschusses Ulrich Krebs überzeugt: „Mit der Ernennung Karin Wolffs legen wir die Leitung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain in vertrauenswürdige Hände. Karin Wolff hat als langjährige hessische Kultusministerin, aber auch als Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Landtag ausgesprochene Expertise in kulturellen Angelegenheiten vorzuweisen. Sie punktet aber nicht nur mit ihrem Fachwissen und ihrer guten Vernetzung in der Region, sondern auch mit Ideen und Konzepten für den Kulturfonds".

Die ausgebildete Lehrerin war von 1995 bis 2019 Mitglied des hessischen Landtags. In dieser Zeit war sie in den Kulturthemen des Landes fest verankert. Von Beginn an war Wolff im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst aktiv, vier Jahre als dessen Vorsitzende. 1999 wurde sie zur Kultusministerin des Landes Hessen ernannt, bis 2008 führte sie dieses Amt. In dieser Funktion verantwortete sie die Schulpolitik in Hessen. Darüber hinaus war Wolff viele Jahre im Theaterbeirat bzw. im Verwaltungsausschuss des Staatstheaters Darmstadt engagiert, als Mitglied des Kuratoriums des Kultursommers Südhessen aktiv und gehörte zu den Initiatoren der Gründung der Landesmusikakademie. Auch in Mediengremien war sie vertreten, gehörte sowohl dem Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks wie auch der Versammlung der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien Hessen an. Zudem engagiert sich die gebürtige Darmstädterin seit vielen Jahren in verschiedenen Kuratorien und Stiftungen im Kulturbereich wie auch der Evangelischen Kirche.

Ihr Amt wird Wolff am 01. Oktober 2019 antreten. Sie sieht in der Arbeit des Kulturfonds die Möglichkeit, das kulturelle und soziale Gefüge zu stärken: „Die Kultur hat eine verbindende Kraft. Sie gibt Menschen Beheimatung, sie trägt zum sozialen Engagement bei und fördert so den Zusammenhalt der Gesellschaft. Diese Kraft gilt es, gerade in Zeiten polarisierter Debatten, einzusetzen und zu fördern". Dabei hat Wolff vor allem die junge Generation fest im Blick: „Kultur kann zur gesellschaftlichen Teilhabe und persönlichen Weiterentwicklung einen entscheidenden Beitrag leisten – gerade für junge Menschen. Deren kulturelle ‚Sprachfähigkeit‘ zu fördern und Kunst für sie erfahrbar zu machen, ist für mich ein Herzensanliegen, dem ich mich mit dem Kulturfonds widmen möchte", beschreibt Karin Wolff ihre Vorstellung für den Kulturfonds.

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain wurde im Jahr 2007 auf Initiative der Hessischen Landesregierung als gGmbH mit Sitz in Bad Homburg gegründet. Hauptaufgabe des Kulturfonds ist es, die Metropolregion Frankfurt RheinMain durch kulturelle Zusammenarbeit besser zu vernetzen, die Attraktivität zu stärken sowie die kunst- und kulturgeschichtliche Tradition der Region zu dokumentieren. Der Fonds fördert vor allem Projekte mit nationaler und internationaler Strahlkraft und daneben auch regional vernetzende Kulturaktivitäten.